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Auch in der Türkei bewegt ein Mädchenschicksal die Massen

Zwangsverheiratet, misshandelt, vergewaltigt und schliesslich schwanger von der Familie ermordet: Das Schicksal eines in einem Plastiksack gefundenen 15-jährigen Mädchens hat in der Türkei Proteste ausgelöst.

Frauenrechtlerinnen kritisieren aufgrund des aktuellen Falls die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft: Mädchen studieren den Koran. (Archivbild)
Frauenrechtlerinnen kritisieren aufgrund des aktuellen Falls die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft: Mädchen studieren den Koran. (Archivbild)
Keystone

Ein Mord an einer Fünfzehnjährigen aus verletzter Familienehre hat in der Türkei Proteste ausgelöst. Die Jugendliche sei bereits mit dreizehn gegen ihren Willen verheiratet worden, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu heute.

Nach einem Jahr sei sie wegen Gewalttätigkeiten ihres Mannes zu ihrer Familie zurückgekehrt. Daraufhin sei sie von zwei Cousins vergewaltigt worden. Im vierten Monat schwanger sei sie nach einer Entscheidung des Familienrates vergangene Woche in der südostanatolischen Provinzhauptstadt Diyarbakir ermordet und in einen Fluss geworfen worden.

Sieben Festnahmen

Türkische Medien hatten am Freitag darüber berichtet, dass das Mädchen entgegen der landesüblichen Traditionen nur in einem Plastiksack ohne Leichentuch begraben worden sei. Daraufhin protestierten heute Hunderte Frauen auf dem Friedhof in Diyarbakir gegen die unwürdige Form der Bestattung, berichtete Anadolu weiter.

Die Mitarbeiterin der Frauenhilfsorganisation Kadem, Tülay Deniz, kritisierte: «Ihre Mörder werden nach den hier üblichen Traditionen einmal in weissen Leinentüchern beerdigt werden. Für das Mädchen genügte nach den Wertvorstellungen dieser patriarchalischen Feudalgesellschaft ein Plastiksack, weil sie nur eine Frau war.»

Im Rahmen der Mordermittlungen wurden sieben Menschen festgenommen, darunter laut Anadolu der Grossvater und zwei der Onkel des Mädchens.

SDA/rbi

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