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Auf der Wiesn gabs noch nie so viele Schlägereien mit Masskrügen

Das Jubiläums-Oktoberfest in München hat einen neuen Bierrekord gebracht. Anlass zur Sorge geben aber die zunehmenden Gewaltexzesse.

Bierkrüge werden am Münchner Oktoberfest immer wieder für Schlägereien missbraucht. Dieses Jahr gab es 62 solcher Fälle.
Bierkrüge werden am Münchner Oktoberfest immer wieder für Schlägereien missbraucht. Dieses Jahr gab es 62 solcher Fälle.
Keystone
Die rund 6,4 Millionen Wiesn-Gäste tranken in 17 Tagen etwa sieben Millionen Mass Bier. Zudem verzehrten sie 117 Ochsen, 59 Kälber und tausende Hendl.
Die rund 6,4 Millionen Wiesn-Gäste tranken in 17 Tagen etwa sieben Millionen Mass Bier. Zudem verzehrten sie 117 Ochsen, 59 Kälber und tausende Hendl.
Keystone
Zum Oktoberfest gehört auch ein Chilbi-Betrieb mit vielen Bahnen.
Zum Oktoberfest gehört auch ein Chilbi-Betrieb mit vielen Bahnen.
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«Wir brauchen immer öfter die Rechtsmedizin», sagt eine Polizistin, die den Alltag des Münchner Oktoberfests kennt, in einer Reportage der «Süddeutschen Zeitung». Dabei präzisiert sie ihre Aussage: Die Brutalität hat «in den letzten drei, vier Jahren so zugenommen, dass nicht die Ärzte, sondern die Rechtsmediziner die Untersuchungen der Opfer durchführen, um vor Gericht eine exakte Dokumentation der Verletzungsbilder vorlegen zu können». Die Körperverletzungen sind also derart gravierend, dass diese in den meisten Fällen Prozesse nach sich ziehen. Rein gefühlsmässig hätten sich die Gewaltdelikte im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, führt die Polizistin weiter aus.

Dass am grössten Volksfest der Welt tatsächlich eine zunehmende Brutalisierung stattfindet, belegen Zahlen, die Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude am Montag vor den Medien präsentiert haben.

Mehr gefährliche Körperverletzungen

«Leider gibt es eine gewisse Brutalisierung», sagte Oberbürgermeister Ude. «Die Gewaltdeliktzahlen gehen zwar zurück, aber die Exzesse, die besonders Angst und Schrecken verbreiten, nehmen leider zu.» Dies sei aber ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Gemäss offiziellen Angaben gab es insgesamt 62 Schlägereien mit Masskrügen, nach nur 43 im Jahr 2009.

Zwei der Masskrugschlägereien seien von der Staatsanwaltschaft als versuchtes Tötungsdelikt bewertet worden. In einem Fall wurde ein französischer Student in Haft genommen, der einem Australier im Streit einen Krug auf den Kopf schlug, was bei diesem zu einer Gehirnblutung führte. Im zweiten Fall schlug ein Münchner einem Gast aus Kanada einen Masskrug auf den Kopf und fügte diesem lebensgefährliche innere und äussere Verletzungen zu. Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen erhöhte sich von 127 auf 140 Fälle. Die Zahl der Polizeieinsätze ging aber zurück.

Etwa 6,4 Millionen Gäste aus aller Welt

Das Oktoberfest feierte in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Die Besucherzahl lag deutlich über den 5,7 Millionen Besuchern des Vorjahres, das allerdings durch Anschlagsdrohungen des Terrornetzwerks al-Qaida belastet war. Noch mehr Gäste, nämlich 7,1 Millionen, kamen nur im Jahr 1985. Die rund 6,4 Millionen Besucher in diesem Jahr tranken an den vergangenen 17 Tagen etwa sieben Millionen Mass Bier. Bisher lag der höchste registrierte Bierkonsum etwas unter sieben Millionen Litern.

Die Veranstalter zogen eine im Wesentlichen positive Bilanz, wie die Nachrichtenagenturen berichten. Besonders hoben die Organisatoren hervor, dass die wegen des Jubiläums auf einem Extragelände veranstaltete historische Wiesn mit 500'000 Besuchern die Erwartung von 300'000 Gästen deutlich übertroffen habe und dass die internationale Resonanz noch weiter gestiegen sei.

Der heutige Montag ist der letzte Tag des diesjährigen Oktoberfests. Zum ersten Mal galt in den Bierzelten ein Rauchverbot, das ohne grössere Probleme eingehalten wurde.

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