Auf dieser Zugfahrt lief alles schief

Für rund 600 Passagiere der Staatsbahn SNCF entwickelte sich eine Zugfahrt zum 24-stündigen Horrortrip. Schuld war das Wetter, aber auch andere widrige Umstände.

Schuld an der Verspätung war nicht nur das Wetter: Zug der Staatsbahn SNCF im Gare du Nord in Paris.

Schuld an der Verspätung war nicht nur das Wetter: Zug der Staatsbahn SNCF im Gare du Nord in Paris. Bild: Keystone

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Passagiere eines Zuges in Frankreich haben wegen des Winterwetters und anderer widriger Umstände eine mehr als 24-stündige Horrorfahrt erlebt. Der Nachtzug der Staatsbahn SNCF, der eigentlich am Montagmorgen den spanischen Grenzort Port Bou erreichen sollte, traf erst am späten Montagabend im Süden Frankreichs ein. Die Passagiere beschwerten sich über fehlende Informationen und eine mangelhafte Versorgung.

Der Nachtzug mit rund 600 Fahrgästen war am Sonntagabend aus Strassburg im Elsass gestartet. Ein Teil des Zuges sollte nach SNCF-Angaben eigentlich am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr im spanischen Grenzort Port Bou eintreffen, der andere Zugteil im südfranzösischen Nizza. Stattdessen brauchte der Zug mehr als 24 Stunden, um wenigstens in die Nähe seiner Zielorte zu kommen. Am Abend durften in Lyon 240 Passagiere eines Sonderzuges nach Port Bou gehen. Zudem wurden einige Dutzend Fahrgäste wurden ins südfranzösischen Perpignan gebracht, rund 40 Kilometer von Port Bou entfernt. Die rund 360 Fahrgäste mit dem Reiseziel Nizza setzten ihre Fahrt bis nach Mitternacht in dem Pannenzug fort.

Studensoll ausgeschöpft

Zu einer ersten Verzögerung war es gekommen, als der Lokführer im ostfranzösischen Belfort den Zug verliess. Er habe sein Stundensoll ausgeschöpft und aus Sicherheitsgründen nicht weiterfahren dürfen, sagte eine SNCF-Sprecherin. Da es in Belfort keinen einsatzbereiten Lokführer gegeben habe, sei eigens einer aus Lyon angereist - mit einem anderen Zug. Er habe das Kommando am Morgen übernommen. In Belfort gab es überdies einen Polizeieinsatz, weil zwei oder drei angetrunkene Fahrgäste Mitreisende belästigt hatten.

Nach der Abfahrt aus Belfort mussten die Teilnehmer der Horrorfahrt erneut stundenlang warten, weil die Gleise durch einen Regionalzug blockiert waren, möglicherweise aufgrund der schweren Schneefälle. Nach mehreren Pannen steckten die Waggons samt Passagieren am Nachmittag erneut fest - diesmal bei der Ortschaft Tournus im Burgund, knapp 400 Kilometer südlich von Strassburg.

Dreckige Zugtoiletten

Zur Begründung habe die SNCF gesagt, die Lokomotive müsse ausgetauscht werden, berichtete Ralph Lidy, einer der hartgeprüften Passagiere, telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Er war mit seiner Frau und seinen Kindern im Alter von acht und elf Jahren unterwegs und berichtete, dass die Zugtoiletten zu verdreckt gewesen seien, um sie zu benutzen. Ausserdem hätten die Fahrgäste nichts zu essen und zu trinken bekommen. Am Nachmittag war laut SNCF nur etwa die Hälfte der Reisenden mit einer Mahlzeit versorgt worden.

Ein anderer Reisender berichtete, die Temperaturen in dem Zug seien unter den Gefrierpunkt gefallen, da zeitweise Heizung und Strom ausgefallen seien. Einige Passagiere seien einem «Nervenzusammenbruch nahe» gewesen. «Das Verwirrendste war, dass man im Zug niemanden von der SNCF gefunden hat, der uns sagen konnte, was los ist», sagte Anaïs Guthleben. Der Fahrgast Franck Asparte berichtete, eine Anwältin habe die Kontaktdaten von etwa 300 bis 400 Passagieren aufgenommen, um eine Klage gegen die SNCF vorzubereiten.

Die Staatsbahn sprach von einer «aussergewöhnlichen Aufeinanderfolge von Zwischenfällen» und sagte den Betroffenen eine Entschädigung sowie Gratisfahrkahrten für eine Hin- und Rückfahrt zu. Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko-Morizet sagte dem Sender RTL, dies sei «das Mindeste». Schliesslich gehe es um eine Verspätung, die «haarsträubend» sei.

(mrs/AFP)

Erstellt: 28.12.2010, 06:23 Uhr

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