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Aus den Brotdosen toter Kolleginnen gegessen

Zwei Wochen lang lag Reshma unter den Trümmern der eingestürzten Fabrik in Bangladesh, am letzten Tag der Bergungsarbeiten wurde sie gerettet. Im TV erzählt die 18-Jährige, wie sie überleben konnte.

Hier starben 1129 Menschen: Überreste der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesh. (13. Juni 2013)
Hier starben 1129 Menschen: Überreste der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesh. (13. Juni 2013)
Keystone
Tausende starben, sie hatte Glück: Die 19-jährige Näherin Reshma Begum überlebte. (13. Mai 2013)
Tausende starben, sie hatte Glück: Die 19-jährige Näherin Reshma Begum überlebte. (13. Mai 2013)
AP
Steht unter Schock: Eine Frau telefoniert mit ihren Angehörigen. (24. April 2013)
Steht unter Schock: Eine Frau telefoniert mit ihren Angehörigen. (24. April 2013)
Keystone
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Nach der wundersamen Rettung einer Frau aus den Trümmern eines eingestürzten Fabrikgebäudes in Bangladesh sind am Samstag neue Details zu ihren tagelangen Qualen bekannt geworden. Rettungskräfte beschrieben das beeindruckende Durchhaltevermögen der 18-Jährigen, deren Lebensmut «ein Vorbild für Bangladesh und die ganze Welt» sei.

Bei ihrer Rettung nach 17 Tagen habe die verschüttete Schneiderin mit dem Vornamen Reshma ein frisches Kleid getragen, das sie in einem Karton unter den Trümmern gefunden habe, schilderte General Chowdhury Hassan Suhrawardy, der die Bergungsarbeiten leitete. Ihre Haare habe sie mit einer Schere abgeschnitten, «weil es so heiss war unter dem Schutt». Reshma sei in einem Hohlraum gefangen gewesen, «der gerade gross genug war, um darin kriechen zu können».

In letzter Minute gerettet

Die junge Frau war am Freitag überraschend aus den Trümmern eines am 24. April in Savar nahe der Hauptstadt Dhaka eingestürzten Hochhauses geborgen worden, in dem vor allem Textilfabriken untergebracht waren. Ihre kaum mehr erwartete Rettung erfolgte genau an dem Tag, für den die Armee das Ende der Bergungsarbeiten angekündigt hatte. Insgesamt wurden bis zum Sonntag 1125 Leichen geborgen, wobei die Behörden weitere Tote unter den Trümmern vermuteten.

Fernsehbilder zeigten Reshma stark abgemagert, aber lächelnd in ihrem Krankenhausbett. Ärzten zufolge waren ihr Stoffwechsel wegen der Mangelernährung stark verändert und die Nierentätigkeit auf 40 Prozent gesunken. Inzwischen gehe es ihr jedoch «immer besser», und sie nehme bereits Reis und halbfeste Nahrung zu sich.

«Keiner hörte auf mich»

Unter den Trümmern ernährte sich die 18-Jährige laut Rettungskräften aus den Brotdosen anderer Arbeiterinnen, Ärzte sprachen von «nur vier Keksen», und schlürfte Regenwasser. Ihren Lebenswillen gab sie trotz der widrigen Umstände nicht auf: «Ich habe gerufen, aber niemand nahm es wahr», berichtete sie in einem Fernsehinterview mit dem Sender Somoy TV. «Ich habe Laute gehört, aber keiner hörte auf mich», sagte Reshma weiter.

Ihre Familie hatte schon resigniert, als das «Wunder» geschah. «Wir hatten alle Hoffnung verloren, sie lebend zu finden», sagte Reshmas Bruder Zahidul Islam der Nachrichtenagentur AFP. «Wir haben jedes Krankenhaus besucht, alle Leichenhallen und jeden Leichnam angeschaut», gab er an.

Nach ihrer Rettung leidet Reshma nach Angaben von General Suhrawardy insbesondere unter Schlafstörungen. «Sie hat immer wieder Angstattacken, die Krankenschwester muss dann ihre Hand halten und sie beruhigen», sagte er.

Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich mehr als 3000 Menschen in dem Gebäude aufgehalten haben. Gut 2400 von ihnen wurden aus den Trümmern gerettet. Zwölf mutmassliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Gebäudebesitzer und mehrere Fabrikmanager.

AFP/fko

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