Beamte nehmen 337 Nutzer von Kinderpornos im Darknet fest

Ermittlern aus mehreren Staaten ist es gelungen, die bisher weltweit grösste Kinderpornoseite zu stoppen.

Grosser Schlag gegen Kinderpornografie: Die Behörden arbeiteten zusammen. (Reuters/Sergio Flore/Symbolbild)

Grosser Schlag gegen Kinderpornografie: Die Behörden arbeiteten zusammen. (Reuters/Sergio Flore/Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kriminalpolizisten und Agenten aus den USA, Südkorea, Deutschland und anderen Staaten unterbanden nach eigenen Angaben die bisher grösste Webseite für Kinderpornografie im Darknet. Rund um die Welt seien deswegen bislang 337 Nutzer der Plattform festgenommen und angeklagt worden, erklärte das US-Justizministerium am Mittwoch. Zudem seien 23 Kinder aus andauernden Missbrauchssituationen gerettet worden.

Die bereits im März 2018 ausgehobene Plattform «Welcome to Video» funktionierte demnach mit Hilfe anonymer Bitcoin-Zahlungen. Ermittler hätten rund acht Terabyte Daten sichergestellt, darunter rund 250'000 kinderpornografische Videos, hiess es weiter. Fast die Hälfte der Bilder und Videos waren Ermittlern zufolge vorher nirgends sonst im Internet aufgetaucht.

Eine Million Bitcoin-Adressen

Bei der Plattform seien rund eine Million Bitcoin-Adressen registriert gewesen, was darauf hindeute, dass es bis zu eine Million Nutzer gegeben haben könnte, hiess es. Der mutmassliche Betreiber der Webseite, der 23-jährige Südkoreaner Jong Woo S., wurde von der US-Justiz nun in neun Punkten angeklagt. S. wurde demnach bereits in Südkorea verurteilt und sitzt dort im Gefängnis.

Ermittler gaben das Vorgehen gegen die Webseite erst jetzt bekannt, um Zeit für weitere Untersuchungen und Festnahmen zu haben. Die 337 festgenommenen Nutzer der Plattform kamen den Angaben zufolge aus den USA sowie unter anderem aus Grossbritannien, Südkorea, Deutschland, Saudiarabien, Irland, Spanien und Brasilien. Plattformen im Darknet sind weniger leicht aufzuspüren und bieten Nutzern grössere Anonymität als reguläre Webseiten.

«Wir werden solche Kriminelle im Darknet und anderswo, in den Vereinigten Staaten und im Ausland, weiter verfolgen, um sicherzustellen, dass sie die Strafen für ihre schrecklichen Verbrechen erhalten», erklärte US-Staatsanwältin Jessie Liu vor Journalisten in Washington. Die Plattform habe Nutzer explizit gewarnt, kein pornografisches Material hochzuladen, das bereits volljährige Personen zeige, erklärte sie weiter.

Bereits mehrere Verurteilungen

Ein ranghoher Vertreter des Justizministeriums, Brian Benczkowski, erklärte: «Seiten im Darknet, die vom sexuellen Missbrauch von Kindern profitieren, gehören zu den abscheulichsten und verabscheuungswürdigsten Formen kriminellen Verhaltens.» Die US-Justiz bemüht sich demnach auch darum, die Bitcoin-Zahlungen der Nutzer der Plattform, die an 24 Personen gegangen sein sollen, zurückzugewinnen und an die Opfer der Plattform zu verteilen.

In den USA wurden einige der Verfahren gegen Nutzer der Webseite der Justiz zufolge bereits abgeschlossen. Ein 45-Jähriger aus Washington etwa hat den Besitz von kinderpornografischem Material und Geldwäsche gestanden und wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Ein 34-Jähriger aus dem US-Bundesstaat Kalifornien wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Ein Mann aus Georgia musste sich zudem wegen versuchten Kindesmissbrauchs verantworten. Er bekam zehn Jahre Haft. (fal/sda)

Erstellt: 16.10.2019, 18:37 Uhr

Artikel zum Thema

FBI stösst auf 9000 Fälle aus der Schweiz

Die Zahl der Kinderpornografie-Fälle ist innert fünf Jahren um das Zwanzigfache gestiegen. Mehr...

241 missbrauchte Kinder identifiziert, 94 Täter verhaftet

Ermittler haben in 28 Ländern Opfer von Kinderpornografie in Sicherheit gebracht und mehrere mutmassliche Täter festgenommen. Mehr...

Schweiz erhält 3000 Meldungen zu Kinderpornografie pro Jahr

Nur durch einen Tipp des FBI stiessen die Behörden auf das Kinderporno-Video eines Appenzeller Schülers. Das liegt an den restriktiven US-Gesetzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Mamablog Papas Alleswisserei nervt

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...