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Beherzte Eisenbahner verhinderten Schlimmeres

Schweres Zugunglück vor dem Nationalfeiertag: In Brétigny-sur-Orge nahe von Paris hat ein Zug im Bahnhof ein Perron gerammt, vier Wagons liegen aufeinander. Sechs Menschen starben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass eine defekte Weiche die Ursache war: Der zerstörte Zug im Bahnhof Brétigny-sur-Orge. (13. Juli 2013)
Die Ermittler gehen davon aus, dass eine defekte Weiche die Ursache war: Der zerstörte Zug im Bahnhof Brétigny-sur-Orge. (13. Juli 2013)
Reuters
Sind mit dem Schrecken davongekommen: Eine Frau hält einen kleinen Jungen im Arm. (13. Juli 2013)
Sind mit dem Schrecken davongekommen: Eine Frau hält einen kleinen Jungen im Arm. (13. Juli 2013)
Keystone
Grosses Polizeiaufgebot vor Ort: Die Unfallstelle in Bretigny-sur-Orge. (12. Juli 2013)
Grosses Polizeiaufgebot vor Ort: Die Unfallstelle in Bretigny-sur-Orge. (12. Juli 2013)
AFP
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Das tödliche Zugunglück im französischen Brétigny-sur-Orge hätte sich beinahe zu einer noch grösseren Katastrophe entwickelt: Durch beherztes Eingreifen hätten Eisenbahner einen Frontalzusammenstoss mit einem entgegenkommenden Zug verhindert, sagte der Chef der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF, Guillaume Pepy, am späten Freitagabend, ohne nähere Details zu nennen.

Regierungschef Jean-Marc Ayrault bezifferte die vorläufige Opferbilanz um Mitternacht auf sechs Tote und 30 Verletzte, darunter acht Schwerverletzte. Die Unglücksursache sei noch ungeklärt. Das schwerste Zugunglück in Frankreich seit 25 Jahren hatte sich am Freitagnachmittag südlich von Paris ereignet, als der Intercity-Zug mit rund 370 Passagieren am Bahnhof von Brétigny-sur-Orge im Département Essonne entgleiste. Er war auf dem Weg von Paris in das knapp 400 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegene Limoges.

Pepy zufolge entgleiste der Zug 200 Meter vor der Bahnhofseinfahrt auf Höhe einer Weiche. Vermutlich seien Defekte am Radwerk oder den Gleisen für das Unglück verantwortlich, fügte er hinzu.

Präsident Hollande besucht Unglücksstelle

Nach Polizeiangaben fuhr der Zug «mit grosser Geschwindigkeit» in den Bahnhof ein, als er in «zwei Teile gerissen» wurde. Ein Teil des Zugs sei weitergefahren, der zweite Teil mitsamt den Passagieren auf den Bahnsteig gerast und dort liegen geblieben. Pepy sagte, es seien alle sechs Waggons des Zuges entgleist. Laut dem Verkehrsministerium hielt sich der Intercity mit einer «normalen Geschwindigkeit» von 137 Stundenkilometern an die Tempobegrenzung von 150 Stundenkilometern.

Präsident François Hollande begab sich noch am Abend zur Unglücksstelle, an der 300 Feuerwehrleute, 20 Ärzteteams und acht Rettungshubschrauber im Einsatz waren. Er sagte, man habe eine Untersuchung zur Unfallursache eingeleitet. Der Präsident versprach Solidarität mit den Opfern und lobte den Einsatz der Rettungskräfte. Die Krankenhäuser der Region wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Seit 1988, als ein Eisenbahnunglück im Bahnhof «Gare de Lyon» in Paris 56 Menschenleben forderte, ist es in Frankreich zu keiner derart grossen Katastrophe im Schienenverkehr mehr gekommen.

Zugverkehr gestoppt

Die französische Bahngesellschaft SNCF sprach von einer Katastrophe. Der gesamte Zugverkehr vom Gare d'Austerlitz in Paris wurde nach dem Unglück gestoppt – ausgerechnet vor dem starken Reisewochenende zum Nationalfeiertag 14. Juli am kommenden Sonntag.

Der voll besetzte Intercity war gegen 17.15 Uhr auf dem Weg von Paris ins rund 400 Kilometer entfernte Limoges entgleist und in den Bahnhof des Orts Brétigny-sur-Orge etwa 20 Kilometer südlich der Hauptstadt gerast. An Bord befanden sich nach Angaben der Gesellschaft SNCF etwa 385 Passagiere. Vier Waggons seien an der Unglücksstelle aufeinander getürmt, sagte ein SNCF-Sprecher.

«Es herrscht Panik»

«Ich hörte einen lauten Krach, eine Sandwolke legte sich über alles», berichtete der Augenzeuge Bazgua El Mehdi der Zeitung «Le Parisien». Als sich der Staub gelegt habe, sei ihm klar geworden, dass es sich nicht um einen Güter-, sondern um einen Personenzug gehandelt habe. «Viele Passagiere haben geweint», sagte er. «Alle laufen wie wild in alle Richtungen. Es herrscht Panik. Das ist ein apokalyptischer Anblick», sagte der erschütterte Bürgermeister von Brétigny-sur-Orge, Bernard Decaux.

Ein Passagier sagte dem Fernsehsender BMF, der Zug sei mit normaler Geschwindigkeit gefahren. Ein Stopp in Brétigny-sur-Orge sei nicht vorgesehen gewesen. Er beschrieb, wie Kinder ganz allein durch das Chaos nach dem Unglück geirrt seien. Zahlreiche Unfallhelfer seien vor Ort.

Ursprünglich seien zwei Waggons – Nummer drei und vier – entgleist und hätten dann weitere Waggons aus den Schienen gehoben, erklärte SNCF-Chef Guillaume Pepy. «Einige Waggons sind einfach entgleist, andere haben sich geneigt, weitere sind gekippt», sagte er.

AP/sda/AFP/mw/wid/chk

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