Zum Hauptinhalt springen

«Bei einem Raub gibt es auch keine Blackbox»

Die Untersuchung zum tragischen Ju-Absturz werde penible «Detektivarbeit», meint Aviatikexperte Sepp Moser.

Die Ermittlungen seien «Detektivarbeit»: Helikopter fliegen von Flims zur Absturzstelle.  (5. August 2018)
Die Ermittlungen seien «Detektivarbeit»: Helikopter fliegen von Flims zur Absturzstelle. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
«Die Maschinen sind fliegerisch nicht ganz harmlos»: So beschrieb der Unglückspilot die Ju-52. (Ermittler am Absturzort am 5. August 2018)
«Die Maschinen sind fliegerisch nicht ganz harmlos»: So beschrieb der Unglückspilot die Ju-52. (Ermittler am Absturzort am 5. August 2018)
Fabrice Coffrini, AFP
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Str, Keystone
1 / 28

Die Flugunfalluntersuchung zum Absturz der Ju-52 vom Samstag in Flims GR mit 20 Toten wird laut dem Aviatikjournalisten Sepp Moser zur «Detektivarbeit». Das Prozedere ist dabei genau vorgegeben.

Laut Moser, der selber Pilot ist, wird die Flugunfalluntersuchung nach dem international standardisierten Vorgehen ablaufen, das die Internationale Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) vorgibt. Diese gibt exakte Regeln zum Ablauf und den Methoden vor. Dadurch soll sichergestellt werden, dass man Lehren aus den Untersuchungen ziehen kann.

Alles wird dokumentiert und fotografiert

Als Erstes stehe eine «penible Bestandesaufnahme» an der Unglücksstelle an, sagte Moser am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sämtliche Leichen und Wrackteile würden vor dem Abtransport nummeriert, dokumentiert und fotografiert. «Und dann kann man anfangen, sich zu überlegen, warum ein Metallteil zum Beispiel so verbogen ist», so Moser.

Dass die Unglücksmaschine Ju-52 über keine Blackbox und keine sonstigen Aufzeichnungsgeräte verfügte, dürfte die Untersuchung erschweren, aber nicht verunmöglichen. «Bei einem Bijouterieraub gibt es auch keine Blackbox», sagte Moser dazu. Nun sei ähnlich wie bei polizeilichen Untersuchungen «Detektivarbeit» gefragt.

Rückschlüsse könnten die Ermittler auch aus Trümmern, Untersuchungen an den Leichen, aus Augenzeugenberichten und den Akten ziehen. So würden routinemässig der Gesundheitszustand der Piloten sowie die Wartungsunterlagen der Maschine überprüft.

Ju-52 «unkaputtbar»

Der betroffene Flugzeugtyp, die Junkers Ju-52, ist laut Moser keineswegs eine unsichere Maschine. Im Gegenteil sei das Flugzeug mit Baujahr 1939 «unkaputtbar». «Das ist gute, dauerhafte Handwerksarbeit.» Zudem würden so alte Flieger häufiger gewartet.

«Man kann davon ausgehen, dass in der Schweiz betriebene Flugzeuge sicher sind», zeigte sich Moser weiter überzeugt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) überprüfe als Aufsichtsstelle laufend, ob alle Vorgaben für einen sicheren Betrieb eingehalten würden.

Beim Absturz einer Ju-52 am Piz Segnas ob Flims GR vom Samstag sind alle 20 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Es ist das schwerste Unglück der Schweizer Luftfahrt seit dem Crossair-Absturz im Jahr 2001.

SDA/sep

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch