Bestattungsinstitut gibt Frühbucherrabatt

Wer früh bucht, bekommt zehn Prozent Vergünstigung auf seine Beerdigung. Damit wirbt ein Bestattungsinstitut. Nicht allen gefällt das.

Der Tod fliegt mit: Der Flyer des Bestattungsinstituts. (Bestattungsplaner GmbH).

Der Tod fliegt mit: Der Flyer des Bestattungsinstituts. (Bestattungsplaner GmbH).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Planen Sie mit uns Ihre letzte Reise»: So wirbt das Bestattungsinstitut Bestattungsplaner.ch. Bei der Firma aus Horw kann man Bestattungen online buchen. Nun hat sie sich zu einer aussergewöhnlichen Werbeaktion entschieden.

Vergangenen Samstag verteilten vier Flight-Attendants mit Engelsflügeln am Rücken in der Stadt Luzern Flyer mit der Aufschrift: «Jetzt 10% Frühbucher-Rabatt». Zusätzlich lief in den VBL-Bussen und in den Postautos ein Werbespot mit den vier Engeln.

Die Werbung wird von der Luzerner Werbeagentur Rocket.ch betreut, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Mit der Werbung wolle man Jung und Alt ansprechen, sagte Mathias Schürmann von der zuständigen Werbeagentur Rocket.ch gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Eine unter vielen Promoaktionen

Die Aktion soll zur Bestattungsvorsorge anregen. Trotzdem kann Schürmann verstehen, dass sich einige Leute an der «ungewohnt plakativen Werbung stören». Es habe positive sowie auch negative Rückmeldungen gegeben. Schürmann betont: «Die Promoaktion mit den Engeln und der dazugehörige Videoclip sind weder geschmack- noch pietätlos.»

«Todesengel» in Luzern: Rote Flight-Attendants verteilen Flyer. (Bild: Screenshot Youtube/Rocket – Powerful Advertising)

Roland Grieder, Dozent für Werbesoziologie an der Hochschule Luzern, hat die gleiche Ansicht. Der Tod und das Sterben seien heute kein Tabuthema mehr. «Vor zehn Jahren war das noch nicht der Fall, aber heute ist das Thema allgegenwärtig, es wird darüber gesprochen, es taucht in den Medien auf.» Die Werbung sei eine unter vielen Promoaktionen.

Für viele auch respektlos

Aber es gibt auch Kritik: «Es zeugt von Respektlosigkeit gegenüber den Menschen, die unmittelbar mit einem Todesfall konfrontiert sind», sagt Martin Mendel, Geschäftsleiter von Egli Bestattungen AG, gegenüber der «LZ». Laut Mendel muss ein Bestattungsunternehmen schlicht und zurückhaltend werben.

Auch Rolf Arnold, Mitinhaber des Luzerner Bestattungsinstituts Arnold und Sohn, ist dieser Meinung: «Pietät ist in unserer Branche äusserst wichtig.» Zwar sei es gut, dem Thema Sterben und Tod offener zu begegnen, «man darf es aber nicht auf die Spitze treiben».

(red)

Erstellt: 17.05.2019, 17:26 Uhr

Artikel zum Thema

Exit begleitete im letzten Jahr 905 Menschen in den Tod

Die häufigsten Grunddiagnosen der Sterbenden waren mit 344 Begleitungen terminale Krebsleiden, wie die Sterbehilfeorganisation schreibt. Mehr...

«Ich bin Mitglied bei Exit»

Tina Turner spricht in einem Interview offen über ihre körperlichen Gebrechen, den Suizid ihres Sohnes, das Leben in der Schweiz – und den Tod. Mehr...

Exit sucht neue Sterbehelfer

SonntagsZeitung Das Netz an Freitodbegleitern soll ausgebaut werden. Die Bischofskonferenz kritisiert die «Banalisierung» des assistierten Suizids. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...