Billiges Bioethanol im teuren Benzin

Migrol, Avia, Shell, Tamoil, Ruedi Rüssel und Agrola mischen ihrem Benzin Bioethanol bei. So sparen sie Kosten, doch die Kunden wissen davon nichts.

Normales Benzin darf bis zu fünf Prozent Bioethanol enthalten: Eine Zapfpistole an einer Tankstelle im Kanton Zürich. (Symbolbild)

Normales Benzin darf bis zu fünf Prozent Bioethanol enthalten: Eine Zapfpistole an einer Tankstelle im Kanton Zürich. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Wie das Wirtschaftsmagazin «ECO» berichtet, mischen viele Mineralöl-Unternehmen ihrem Benzin bis zu fünf Prozent Bioethanol bei. Migrol-Chef Daniel Hofer erklärte die Logik gegenüber dem «ECO» sehr offen: «Zum einen kann man damit den CO2-Ausstoss einsparen, zum anderen wird Biotreibstoff damit fiskalisch begünstigt, man kann damit auch massiv günstiger einkaufen.»

In der Schweiz ist es legal, Benzin mit bis zu fünf Prozent Bioethanol zu versehen. Die bestehenden Gesetze fördern das sogar. Denn für den Bioethanol-Anteil fällt die Mineralölsteuer weg, die normalerweise mit 72 Rappen pro Liter zu Buche schlagen würde, und das Bundesamt für Umwelt bewilligte, dass die Unternehmen für ihren Einsatz von importiertem Bioethanol Emissions-Reduktionsbescheinigungen erhalten. Das heisst, sie bezahlen anschliessend weniger, um diese obligatorischen Bescheinigungen zu erwerben.

Es überrascht also wenig, dass gemäss der Zollverwaltung letztes Jahr dreimal mehr Bioethanol importiert wurde als im Vorjahr – nämlich 28 Millionen Liter. Ob die Kosteneinsparungen auf den Benzinpreis an der Zapfsäule durchschlagen – oder nicht – wird vom «ECO» so nicht vermeldet. Doch «dass die Unternehmen damit im Unwissen der Konsumenten Kosten sparen, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack», schreibt das Wirtschaftsmagazin.

Ein umstrittener Treibstoff

Bioethanol wäre eigentlich eine interessante Alternative zu Benzin. Der leicht brennbare Alkohol wird aus biologisch abbaubaren Stoffen gewonnen und kann dann entweder als Beigemisch, oder in speziellen Motoren auch allein, als Treibstoff gebraucht werden.

Solange zur Bioethanol-Produktion also nur erneuerbare Anbauflächen gebraucht werden, ist Bioethanol CO2-neutral. Das CO2, das bei der Verbrennung entsteht, wird von den Pflanzen während ihrer Wachstumsphase aufgenommen – eine Nullbilanz also.

Der Treibstoff wird aber gemeinhin kritisiert, weil das Potential besteht, dass die Produktion die Preise von Grundnahrungsmitteln in ärmeren Ländern in die Höhe treibt. Die Zollverwaltung bewilligt die Importe und die Steuerbefreiung zwar nur, wenn das Ethanol aus Pflanzenabfällen besteht, die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrenzieren. Kontrollen sind aber schwierig und das Angebot relativ knapp. Sollte die Nachfrage in der Schweiz weiter steigen, könnte sich dieses Beschaffungsproblem laut dem «ECO» akzentuieren. (mch)

Erstellt: 07.03.2016, 20:42 Uhr

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