So rechtfertigt Bischof Huonder seine umstrittenen Äusserungen

Der Churer Bischof Vitus Huonder gibt den Medien die Schuld für die negative Interpretation seiner homophoben Aussagen.

Verteidigt seine Haltung zur Homosexualität: Bischof Vitus Huonder bei der Kathedrale in Chur. (9. März 2011)

Verteidigt seine Haltung zur Homosexualität: Bischof Vitus Huonder bei der Kathedrale in Chur. (9. März 2011) Bild: Arno Balzarini/Keystone

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Vitus Huonder hatte Ende Juli bei einem Vortrag Textstellen aus dem Alten Testament zitiert, wonach Homosexualität eine Gräueltat sei, die mit dem Tod bestraft werde. Das löste scharfe Reaktionen und Strafanzeigen aus. Nun erklärte und rechtfertigte der konservative Bischof seine Aussagen in einem Interview mit dem «Blick»: «Die Leute haben nicht meinen Vortrag interpretiert, sondern das, was ihnen von den Medien vorgesetzt wurde.» Wer den ganzen Abschnitt lese, könne nicht sagen, er habe die Todesstrafe gefordert, so Huonder. Er räumte aber ein, dass seine Äusserungen ohne genügendes Fachwissen und Kenntnis des innerkirchlichen Kontextes falsch verstanden werde könnten und entschuldigte sich bei «allen Menschen, die sich verletzt gefühlt haben».

«Diese Personen leiden»

Gleichzeitig verteidigte Huonder seine Haltung zur Homosexualität: «Wenn der Katechismus der katholischen Kirche sagt, homosexuelle Menschen seien zur Enthaltsamkeit aufgerufen, dann ist das für mich als Bischof bindend.» Er habe in seiner seelsorgerischen Arbeit mit solchen zu tun gehabt. «Aus verschiedenen Gesprächen habe ich gespürt, wie diese Personen leiden», sagte Huonder. «Ich will nicht verurteilen. Aber ich sage: Bitte mach es anders.»

In einem am Mittwoch Abend versandten Brief an die rund 800 Mitarbeitenden des Churer Bistums wiederholte Huonder, dass homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen seien. «Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung und das Gebet sollen sie sich Schritt um Schritt der christlichen Vollkommenheit annähern», ist der Bischof überzeugt.

Auch Fehler gemacht

Bezüglich seines Vortrags gesteht Huonder im Interview ein, Fehler begangen zu haben. «Ich würde heute ausführlicher kommentieren und den ganzen Vortrag erst jemandem vorlegen», sagte der 73-Jährige. Das habe er nicht getan. Die zitierten Bibelstellen müssten zwar ernst genommen werden. «Aber sie müssen interpretiert und in unsere Zeit geholt werden.»

Angesprochen auf die Anzeige der Schwulenorganisation Pink Cross wegen Hetze sagte Huonder, er wolle sich zu einem laufenden Verfahren nicht äussern. Zugleich bestehe er darauf, dass die katholische Kirche ihren Glauben weiterhin unverkürzt vertreten könne. (wig/sda)

Erstellt: 13.08.2015, 08:21 Uhr

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