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Boston hat «eine Million Fragen» an Tsarnaev

Nach dem Anschlag in Boston ist nach wie vor vieles unklar. Die Ermittler erhoffen sich Informationen von Dzhokhar Tsarnaev. Doch dieser liegt in «ernstem, aber stabilem» Zustand im Spital – offenbar wollte er sich selber töten.

bru
In diesem Spital in Boston liegt der schwer verletzte Dzhokhar Tsarnaev, nachdem ihn die Polizei nach stundenlanger Jagd festnehmen konnte. (19. April 2013)
In diesem Spital in Boston liegt der schwer verletzte Dzhokhar Tsarnaev, nachdem ihn die Polizei nach stundenlanger Jagd festnehmen konnte. (19. April 2013)
Keystone
Der zweite Attentäter wird in einem Krankenwagen abtransportiert. (19. April 2013)
Der zweite Attentäter wird in einem Krankenwagen abtransportiert. (19. April 2013)
Reuters
Spurensicherung: Die Polizei untersucht das Versteck von Dzhokhar Tsarnaev. (20. April 2013)
Spurensicherung: Die Polizei untersucht das Versteck von Dzhokhar Tsarnaev. (20. April 2013)
AFP
Dzhokhar Tsarnaev wurde nach zunächst erfolgloser Grossfahndung mit 9000 Einsatzkräften erst durch einen Hinweis auf verdächtige Blutspuren in einem Motorboot in einem Garten von Watertown aufgegriffen...
Dzhokhar Tsarnaev wurde nach zunächst erfolgloser Grossfahndung mit 9000 Einsatzkräften erst durch einen Hinweis auf verdächtige Blutspuren in einem Motorboot in einem Garten von Watertown aufgegriffen...
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...und dann schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der 19-Jährige sei «blutüberströmt» gewesen, sagte Bostons Polizeichef Ed Davis. Aus Sorge, er könne Sprengstoff am Leib tragen, setzte die Polizei zunächst einen Roboter ein, um die Plane des Bootes zu entfernen.
...und dann schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der 19-Jährige sei «blutüberströmt» gewesen, sagte Bostons Polizeichef Ed Davis. Aus Sorge, er könne Sprengstoff am Leib tragen, setzte die Polizei zunächst einen Roboter ein, um die Plane des Bootes zu entfernen.
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Hunderte Menschen feiern zuvor auf den Strassen Bostons die Festnahme von Dzhokhar Tsarnaev. (19. April 2013)
Hunderte Menschen feiern zuvor auf den Strassen Bostons die Festnahme von Dzhokhar Tsarnaev. (19. April 2013)
Reuters
Die Polizisten sind die Helden der Nacht und lassen sich von den Einwohnern feiern. (19. April 2013)
Die Polizisten sind die Helden der Nacht und lassen sich von den Einwohnern feiern. (19. April 2013)
Keystone
Grosse Freude und Erleichterung in Watertown, Boston. (19. April 2013)
Grosse Freude und Erleichterung in Watertown, Boston. (19. April 2013)
Keystone
Auch die Einsatzkräfte können wieder lachen. (19. April 2013)
Auch die Einsatzkräfte können wieder lachen. (19. April 2013)
Keystone
Es ist vorbei: Jubel in Boston. (19. April 2013)
Es ist vorbei: Jubel in Boston. (19. April 2013)
Keystone
Die Erleichterung ist den Polizisten nach der Festnahme ins Gesicht geschrieben. (19. April 2013)
Die Erleichterung ist den Polizisten nach der Festnahme ins Gesicht geschrieben. (19. April 2013)
Keystone
Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, ist an der Medienkonferenz zufrieden mit der Polizeiarbeit. (19. April 2013)
Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, ist an der Medienkonferenz zufrieden mit der Polizeiarbeit. (19. April 2013)
Keystone
«Wichtiges Kapitel der Tragödie geschlossen»: US-Präsident Barack Obama spricht nach der Festnahme zu den Medien. (19. April 2013)
«Wichtiges Kapitel der Tragödie geschlossen»: US-Präsident Barack Obama spricht nach der Festnahme zu den Medien. (19. April 2013)
Keystone
Angespannte Ruhe vor der Festnahme: Polizeibeamte in der Franklin Street in Watertown, ...
Angespannte Ruhe vor der Festnahme: Polizeibeamte in der Franklin Street in Watertown, ...
Keystone
...ein Scharfschütze bringt sich in Watertown in Stellung, ...
...ein Scharfschütze bringt sich in Watertown in Stellung, ...
Reuters
...Mitglieder einer Swat-Einheit fordern ein Mädchen auf, das Haus zu verlassen, um das Gebäude durchsuchen zu können. (19. April 2013)
...Mitglieder einer Swat-Einheit fordern ein Mädchen auf, das Haus zu verlassen, um das Gebäude durchsuchen zu können. (19. April 2013)
Reuters
Die Strassen sind wie ausgestorben: Während der Ausgangssperre verwandelte sich Boston in eine Geisterstadt. (19. April 2013)
Die Strassen sind wie ausgestorben: Während der Ausgangssperre verwandelte sich Boston in eine Geisterstadt. (19. April 2013)
Keystone
Seltener Anblick: Die Longfellow-Brücke in Boston ist menschenleer. (19. April 2013)
Seltener Anblick: Die Longfellow-Brücke in Boston ist menschenleer. (19. April 2013)
AFP
Polizei sichert mögliches Beweismaterial: Einsatzkräfte durchsuchen die Wohnung der Schwester der Attentäter in New Jersey. (19. April 2013)
Polizei sichert mögliches Beweismaterial: Einsatzkräfte durchsuchen die Wohnung der Schwester der Attentäter in New Jersey. (19. April 2013)
Reuters
Wird über den Zwischenstand der Ermittlungen informiert: US-Präsident Barack Obama und seine Berater treffen sich im Situation Room des Weissen Hauses. (19. April 2013)
Wird über den Zwischenstand der Ermittlungen informiert: US-Präsident Barack Obama und seine Berater treffen sich im Situation Room des Weissen Hauses. (19. April 2013)
Keystone
«Pine Dale Hall»: In diesem Studentenwohnheim lebte Dzhokhar Tsarnaev. (19. April 2013)
«Pine Dale Hall»: In diesem Studentenwohnheim lebte Dzhokhar Tsarnaev. (19. April 2013)
Peter Pereira, AFP
Richtet sich an seinen Neffen: Ruslan Tsarni. Er betonte, er habe «nichts» mit Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev zu tun und seit Jahren mit der Verwandtschaft keinen Kontakt mehr. (19. April 2013)
Richtet sich an seinen Neffen: Ruslan Tsarni. Er betonte, er habe «nichts» mit Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev zu tun und seit Jahren mit der Verwandtschaft keinen Kontakt mehr. (19. April 2013)
Allison Shelley, AFP
Bezeichnet seine Söhne als unschuldig: Vater Anzor Tsarnaev spricht in Dagestans Hauptstadt Machatschkala mit Journalisten. (19. April 2013)
Bezeichnet seine Söhne als unschuldig: Vater Anzor Tsarnaev spricht in Dagestans Hauptstadt Machatschkala mit Journalisten. (19. April 2013)
AFP
Stundenlange Suche nach dem flüchtigen Verdächtigen: Mitglieder einer Polizei-Spezialeinheit betreten ein Haus in Watertown. (19. April 2013)
Stundenlange Suche nach dem flüchtigen Verdächtigen: Mitglieder einer Polizei-Spezialeinheit betreten ein Haus in Watertown. (19. April 2013)
AFP
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Der Zustand des verletzten Attentäters von Boston, Dzhokhar Tsarnaev, ist nach Angaben von Gouverneur Deval Patrick «ernst, aber stabil». Er sei jedoch noch nicht in der Lage zu sprechen. Das sagte der Gouverneur von Massachusetts vor dem Baseballstadion der Red Sox, in dem in einer Schweigeminute der Opfer der Bombenanschläge und des erschossenen Polizisten gedacht wurde. Patrick fügte hinzu, er hoffe, der 19-Jährige werde überleben: «Wir haben Millionen von Fragen, und diese Fragen müssen beantwortet werden».

Einem Fernsehbericht zufolge soll Dzhokhar Tsarnaev einen Selbstmordversuch unternommen haben. Laut CBS gehen die Ermittler davon aus, dass sich der 19-Jährige eine Pistole in den Mund gesteckt und abgedrückt haben könnte. Das hätte die Analyse seiner Wunden ergeben, berichtete der Sender. Zuvor hatte eine andere Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen berichtet, ein Schuss habe Tsarnaev in die Kehle getroffen und habe seine Zunge verletzt. Daher sei es ihm nicht möglich, zu sprechen.

Dzhokhar Tsarnaev und sein älterer Bruder Tamerlan sollen den Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf verübt haben, bei dem drei Menschen getötet und rund 180 verletzt wurden. Er wurde am Freitag gefasst und mit schweren Verletzungen in ein Bostoner Spital eingeliefert.

«Das ist unsere verdammte Stadt»

Die Polizei nimmt an, dass die Wunden von einem Schusswechsel bei einer Verfolgungsjagd in der Nacht zuvor stammen. Bei der Schiesserei war auch Tamerlan schwer verwundet worden – und auf der Flucht soll Dzhokhar nach Polizeiangaben seinen sterbenden Bruder noch mit dem Auto überfahren haben.

Unterdessen kehrten die Red Sox mit einem Tag Verspätung in ihr Heimstadion zurück. Statt ihres traditionellen Trikots trugen sie T-Shirts mit dem Aufdruck Boston. Starspieler David Ortiz zollte in einer kurzen Ansprache der Stadt, dem Gouverneur und der Polizei seine Anerkennung für ihre «grossartige Arbeit».

«Das ist unsere verdammte Stadt, und niemand nimmt uns unsere Freiheit. Bleibt stark», sagte er unter den zustimmenden Rufen der Menge. Die Fans stimmten zusammen mit dem 72-jährigen Sänger Neil Diamond «Sweet Caroline» an und sangen gemeinsam die Nationalhymne.

Boston-Bomber droht Terroranklage

Nach der Festnahme des zweiten Bombenlegers von Boston hat die strafrechtliche Aufarbeitung des Anschlags begonnen. US-Medienberichten zufolge bereitete das US-Justizministerium gegen den bei seiner Flucht schwer verletzten Dzhokhar Tsarnaev eine Anklage wegen Terrorismus vor. Ausserdem könnte der junge Mann vom Bundesstaat Massachusetts wegen Mordes angeklagt werden. Die Anklageerhebung könnte eingeleitet werden, noch bevor Tsarnaev aus dem Krankenhaus entlassen wird. Den Angaben zufolge befinden sich Staatsanwälte in der Klinik im Bostoner Vorort Cambridge, in dem der Verdächtige behandelt wird.

Die republikanische Senatoren John McCain und Lindsay Graham forderten, Dzhokhar Tsarnaev als «feindlichen Kämpfer» einzustufen. Damit hätte der Verdächtige den gleichen Status wie die Terrorverdächtigen, die in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba inhaftiert sind. Rechtsexperten halten das aber für nicht möglich, weil der Verdächtige die US-Staatsbürgerschaft hat.

Suche nach dem Motiv

Die Ermittler konzentrierten sich am Wochenende auf die Suche nach einem Motiv für die Tat. Dabei verdichteten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Bundespolizei FBI räumte ein, den älteren Bruder Tamerlan Tsarnaev bereits 2011 im Visier gehabt zu haben. Damals habe eine nicht näher genannte ausländische Regierung darum gebeten, den jungen Mann wegen mutmasslicher radikalislamischer Ansichten zu überprüfen. Bei der Befragung von Zarnajew hätten die Ermittler aber keinen Verdacht geschöpft. US-Medien zufolge soll der Hinweis aus Moskau gekommen sein.

Die Mutter der Bombenattentäter hatte in einem Telefoninterview mit dem Nachrichtensender CNN gesagt, dass Tamerlan «für drei, fünf Jahre» vom FBI beobachtet worden sei. «Sie haben ihn auf Schritt und Tritt verfolgt», sagte Zubeidat Zarnajewa, die darauf beharrte, dass ihre Söhne die Tat nicht hätten begehen können. Die Mutter sagte auch, dass ihr älterer Sohn vor fünf Jahren in «religiöse Politik» verwickelt worden sei. In ihrem Haus habe aber «niemand» über Terrorismus geredet.

In Russland radikalisiert?

In US-Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Tamerlan Tsarnaev während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Russland im vergangenen Jahr radikalisiert und seinen jüngeren Bruder beeinflusst haben könnte. Die Familie war offenbar in den 90er Jahren vor den Kriegen in Tschetschenien zwischen russischen Truppen und islamistischen Unabhängigkeitskämpfern aus der Kaukasus-Republik geflüchtet. Nach einem Aufenthalt in Zentralasien kamen sie vor etwa zehn Jahren in die USA. Dschoschar wurde Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr US-Staatsbürger, Tamerlan hatte eine Aufenthaltsgenehmigung.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise auf Mittäter. «Alles, was ich weiss, ist, dass diese Kerle alleine gehandelt haben», sagte der Polizeichef von Watertown, Edward Deveau. US-Medien hatten zuvor gemeldet, dass das FBI drei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag verhört habe. Die Polizei habe ihre Wohnung in der Nähe der Universität durchsucht, an der Dzhokhar Tsarnaev als Student eingeschrieben war.

(AFP/AP)

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