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Boston: US-Behörden suchen nach Komplizen

Jemand soll die mutmasslichen Attentäter von Boston «ausgebildet» haben. Das FBI durchforstet die Telefonanrufe vor und nach dem Anschlag. Mutter Tsarnaeva sprach am Telefon offenbar über den Jihad.

Noch immer ist unklar, ob sie allein handelten: Der getötete Tamerlan (l.) und der verhaftete Dzhokhar Tsarnaev.
Noch immer ist unklar, ob sie allein handelten: Der getötete Tamerlan (l.) und der verhaftete Dzhokhar Tsarnaev.
AFP
Wurde vom FBI befagt: Katherine Tsarnaeva mit ihrem Anwalt. (29. April 2013)
Wurde vom FBI befagt: Katherine Tsarnaeva mit ihrem Anwalt. (29. April 2013)
AP
Anzor Tsarnaev, Vater der beiden Attentäter, kann es nicht fassen: «Meine Söhne sind strenggläubige Muslime.» (19. April 2013)
Anzor Tsarnaev, Vater der beiden Attentäter, kann es nicht fassen: «Meine Söhne sind strenggläubige Muslime.» (19. April 2013)
Keystone
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Nach der Identifizierung der mutmasslichen Hauptverantwortlichen der Anschläge von Boston ermitteln die US-Behörden weiterhin zu möglichen Komplizen. Es gebe noch immer «Personen von Interesse in den USA», welche die Bundespolizei FBI gern befragen würde, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Mike Rogers, dem Sender ABC. Wie viele Verdächtige es gebe, dazu äusserte er sich nicht.

Der demokratische Abgeordnete Dutch Ruppersberger sagte in der Sendung, untersucht würden derzeit vor allem Telefonanrufe, die vor und nach den Anschlägen getätigt worden seien.

Der Abgeordnete Michael McCaul sagte dem Sender Fox News, er gehe davon aus, dass die Verdächtigen eine entsprechende Ausbildung erhalten hätten, um die Anschläge auszuführen. Die Spur führe womöglich nach Pakistan oder Afghanistan, und das bringe ihn zu der Annahme, dass es einen oder mehrere Ausbilder gegeben habe. «Die Frage ist daher, wo ist dieser oder sind diese Ausbilder jetzt? Sind sie in Tschetschenien oder in den USA?» Die Familie Tsarnaev stammt aus Tschetschenien.

Vater sagt USA-Reise ab

Der Vater der mutmasslichen Boston-Attentäter, Anzor Tsarnaev, hat eine für das Wochenende geplante Reise in die USA verschoben. Er liege nach einem plötzlichen Blutdruckanstieg im Krankenhaus, sagte Tsarnaev der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Am Freitag sei er aus Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan Richtung Moskau aufgebrochen, um in die USA zu fliegen. Jetzt sei er aber nicht in Moskau, sagte Tsarnaev, ohne seinen Aufenthaltsort zu nennen.

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag hatte Tsarnaev angekündigt, in die USA zu reisen, um «die Wahrheit herauszufinden». Ausserdem wolle er seinen Sohn Dzhokhar besuchen und seinen verstorbenen Sohn Tamerlan beerdigen.

Eltern in Dagestan befragt

Die Brüder Tsarnaev werden der Anschläge auf den Boston Marathon am 15. April beschuldigt, bei denen drei Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt worden waren. Der 26 Jahre alte Tamerlan Tsarnaev wurde bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet, sein 19-jähriger Bruder später schwer verletzt gefasst. Er befindet sich inzwischen in der Krankenstation eines Gefängnisses.

In den vergangenen Tagen waren die Eltern der beiden Männer in Dagestan von der US-Bundespolizei FBI und vom russischen Geheimdienst FSB befragt worden. Anzor Tsarnaev und Zubeidat Tsarnaeva hatten wiederholt erklärt, von der Unschuld ihrer Söhne überzeugt zu sein.

Mutter soll über Jihad geredet haben

Die Mutter der mutmasslichen Attentäter von Boston, Zubeidat Tsarnaeva, soll im Jahr 2011 in einem Telefongespräch über den Jihad gesprochen haben. Die russischen Behörden hätten das Telefon der Frau abgehört und aufgezeichnet, wie sie vage über den Jihad (Heiliger Krieg) redete, berichtete der US-Sender CNN. Diese Information sei erst kürzlich an die US-Behörden weitergereicht worden. Ein US-Behördenvertreter mit Einblick in die Ermittlungen bestätigte den CNN-Bericht. Er machte keine Angaben dazu, mit wem Tsarnaeva in dem aufgezeichneten Gespräch geredet hatte.

US-Justizminister Eric Holder wollte sich nicht zu den Informationen äussern. Es handele sich um eine «laufende Angelegenheit», sagte er am Rande einer Veranstaltung im Weissen Haus.

Der CNN-Bericht wirft erneut die Frage auf, ob wichtige Hinweise über eine mögliche extremistische Einstellung der mutmasslichen Boston-Attentäter übersehen wurden. Sowohl der US-Auslandsgeheimdienst CIA als auch die Bundespolizei FBI hatten den älteren der beiden Brüder wegen möglicher Verbindungen zu Terroristen im Visier, nachdem russische Behördenvertreter im Jahr 2011 entsprechende Hinweise gegeben hatten.

Mutter und Sohn auf Überwachungsliste

Das Münchner Magazin «Focus» berichtete am Sonntag vorab, die russischen Behörden hätten den USA zweimal Hinweise auf eine mögliche Verbindung Tamerlan Tsarnaevs zur Islamistenszene gegeben. Die US-Behörden hätten aber nicht darauf reagiert.

Berichten zufolge sollen die USA von russischer Seite auch Hinweise darauf erhalten haben, dass Zubeidat Tsarnaeva eine religiöse Extremistin sei und gemeinsam mit ihrem Sohn Tamerlan auf eine Überwachungsliste gesetzt wurde. Nach Angaben des FBI reagierte Russland aber nicht auf die Bitte, weitere Informationen zu übergeben. Daraufhin hätten die US-Ermittler keinen Anlass gesehen, ihre Untersuchung fortzusetzen.

AFP/mw/chk

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