Bruder tötet Facebook-Starlet

Qandeel Baloch galt als einziges Popsternchen Pakistans und provozierte die Konservativen in ihrem Land. Nun wurde sie vom eigenen Bruder erwürgt.

Qandeel Baloch bei einer Pressekonferenz im Juni.

Qandeel Baloch bei einer Pressekonferenz im Juni. Bild: M. Jameel/Keystone

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Am Samstag ist Qandeel Baloch, die ihre Fans auch «Pakistans Kim Kardashian» nannten, erwürgt aufgefunden worden. Schon in der Nacht zum Sonntag nahm die Polizei ihren Bruder fest. Das gab ein Polizeibeamter der zentralpakistanischen Stadt Multan am Sonntag bekannt. Laut der Polizei habe der Bruder die Tat gestanden. Er habe gesagt, seine Schwester habe Schande über die Familie gebracht, und er sei ihretwegen verspottet worden.

Baloch, die sich selbst Sängerin, Schauspielerin und Model nannte, vermarktete ihr Leben freizügig. Einige ihrer Videos wurden millionenfach angeschaut. Sie zeigte sich unter anderem im Schwimmbad oder im Fitnessstudio. Nach westlichen Standards waren es zurückhaltende Bilder, aber im muslimisch-konservativen Pakistan polarisierten sie.

Balochs Missachtung gesellschaftlicher Normen war für viele junge Frauen auch eine Inspiration. In den sozialen Medien protestierten am Wochenende viele und schrieben unter anderem, Baloch sei gestorben, weil Pakistan Frauen hasse, die sich nicht anpassten.

Polizeischutz verlangt

Im Juni sorgte Qandeel Baloch zuletzt für Empörung, als sie Selfies von sich und einem religiösen Führer, Mufti Qavi, zeigte und sagte, sie hätten gemeinsam während des Fastenmonats Ramadan geraucht und getrunken. Ihre Familie, aber auch konservative Pakistaner hatten ihr gedroht und ein Ende des «ehrlosen Benehmens» gefordert. Vor einigen Wochen hatte Baloch um Polizeischutz gebeten, aber keinen bekommen.

In Pakistan wurden 2015 mehr als 1000 Frauen und Mädchen für angeblich ehrenrühriges Benehmen getötet – also Verhalten, das vermeintlich nicht zu den gesellschaftlichen Konventionen passt. Die Zahlen steigen. 2013 wurden 869 solcher Morde registriert, 2010 waren es 791. Viele weitere Morde erscheinen aber nie in der Statistik.

Ausserdem bleiben viele ungeahndet. Das zuständige pakistanische Gesetz enthält eine Klausel, die es dem Vormund des Opfers erlaubt, dem Täter zu verzeihen. Weil solche Morde zumeist innerhalb der Familie passieren, wird den Tätern häufig vergeben – und sie werden nicht bestraft.

Im Februar hatte die pakistanische Filmemacherin Sharmeen Obaid Chinoy für den Kurzdokumentarfilm «A Girl in the River: The Price of Forgiveness» einen Oscar gewonnen. In dem Werk erzählt sie von einer Frau in Pakistan, die zu Tode verurteilt wird, als sie sich verliebt. Der Film löste landesweit eine Debatte aus. Die Regierung versprach daraufhin, das Gesetz zu ändern. Bisher ist das nicht passiert. (SDA)/bs)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 07:23 Uhr

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