Lastwagen wog über 50 Tonnen – erlaubt waren 19 Tonnen

Zwei Menschen haben bei einem Brückeneinsturz in Frankreich ihr Leben verloren. Nun laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

Die Brücke war am Montag eingestürzt: Die Hängebrücke führte über den Fluss Tarn im Südwesten Frankreichs. (18. November 2019)

Die Brücke war am Montag eingestürzt: Die Hängebrücke führte über den Fluss Tarn im Südwesten Frankreichs. (18. November 2019) Bild: Frédéric Scheiber/Keystone

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Der Brückeneinsturz im Südwesten Frankreichs mit zwei Todesopfern wurde vermutlich durch einen zu schweren Lastwagen ausgelöst. Das am Montag in den Fluss Tarn gestürzte Fahrzeug habe eine «mehr als 50 Tonnen» schwere Baumaschine transportiert. Dies sagte der zuständige Staatsanwalt Dominique Alzeari am Dienstag. Das Fahrzeug war damit mehr als doppelt so schwer als das zulässige Höchstgewicht von 19 Tonnen. Die Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.

«Die Tatsache, dass dieses schwere Fahrzeug die Brücke benutzt hat, scheint nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen die unmittelbare und offensichtliche Ursache des Unfalls zu sein», sagte Alzeari. Der Beschilderung der 1931 erbauten Brücke sei ausdrücklich zu entnehmen, «dass sie nur ein Lastwagen gleichzeitig benutzen kann und, dass seine formale Nutzlast auf 19 Tonnen begrenzt ist», fügte er hinzu.

Der Lastwagenfahrer sei nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler auf die Brücke gefahren, «trotz der Lichthupen und Warnhupen» des hinter ihm fahrenden Lastwagens, sagte der Staatsanwalt weiter. Der erste Fahrer habe damit mutmasslich den «sofortigen und totalen» Zusammenbruch der Brücke ausgelöst. Bei den Untersuchungen seien unter anderem Aufnahmen von Tauchern gesichtet worden.

Durchsuchung von Büros

«Es war ein Laster in Übergrösse, die Brücke ist zusammengebrochen», hatte bereits zuvor der Bürgermeister des Ortes Mirepoix-sur-Tarn, Eric Oget, erklärt. Die französische Umwelt-Staatssekretärin Emmanuelle Wargon jedoch sprach zunächst von einer Hypothese und verwies darauf, dass die Brücke noch 2017 überprüft worden sei. Auch eine Kontrolle 2018 habe keine sichtbaren Schwachstellen ergeben.

Der Schwerlaster diente nach Angaben der örtlichen Behörden zum Transport von Baumaschinen. Er gehörte einer Baufirma der Region nördlich der Grossstadt Toulouse, deren Büros nach dem Unglück durchsucht worden waren.

Der Fahrer des Lastwagens kam bei dem Unglück ums Leben. Er galt zunächst als vermisst. Seine Leiche wurde aber am Montagabend geborgen. Das zweite Todesopfer ist eine 15-Jährige, die während des Unglücks mit ihrer Mutter im Auto die Brücke überquerte. Die Mutter konnte aus dem Fluss gerettet werden. Nach Angaben des Staatsanwalts war sie «verletzt und traumatisiert».

4000 reparaturbedürftige Brücken

Die Metallbrücke stammte aus dem Jahr 1931 und war 2003 zuletzt renoviert worden. Experten kritisieren, dass die französische Regierung seit Jahren zu wenig Geld in die Infrastruktur investiere. Sie fürchten ein ähnliches Unglück wie im August 2018 in der italienischen Stadt Genua, wo beim Einsturz der Morandi-Brücke 43 Menschen ums Leben kamen.

In einem Expertenbericht im Auftrag der französischen Regierung war im vergangenen Jahr von 4000 reparaturbedürftigen Brücken im Land die Rede. Bei sieben Prozent der Brücken wurden ernste Mängel festgestellt. (roy/SDA)

Erstellt: 20.11.2019, 00:43 Uhr

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