Burglind – wie der Sturm zu seinem Namen kam

Wer tauft eigentlich Tiefs und Hochs? Und ist Burglind stärker als Lothar? Die wichtigsten Fragen zum heutigen Unwetter.

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Heute zieht der Sturm Burglind über die Schweiz. Schon jetzt haben seine orkanartigen Windböen Schäden verursacht. Das müssen Sie über das Tief wissen.

Ab wann spricht man von einem Sturm?
Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz muss zwischen vier Sturmstärken unterschieden werden: Weht der Wind mit 75 bis 88 Kilometern pro Stunde (Beaufort-Skala der Stärke 9), handelt es sich schlicht um einen Sturm. Bei 89 bis 102 km/h (Beaufort 10) spricht man von einem schweren Sturm, bei 103 bis 117 km/h (Beaufort 11) von einem orkanartiger Sturm. Wenn die Böen über einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten mehr als 118 km/h erreichen, ist es ein Orkan.

Treten solche Windgeschwindigkeiten nur kurzzeitig auf, spricht man von Orkanböen oder orkanartigen Böen. Im Flachland ist das bis jetzt bei Burglind der Fall.

Ist Burglind stärker als Lothar?
Das berühmteste Tiefdruckgebiet der letzten Jahrzehnte war in Mitteleuropa der Sturm Lothar. Dieser zog am Vormittag des 26. Dezembers 1999 etwa zweieinhalb Stunden lang auch über die Schweiz hinweg. Vom Jura her überquerte er das Mittelland, die Zentralschweiz sowie die Nordostschweiz. Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden auf dem Jungfraujoch (249 km/h) und auf dem Zürcher Uetliberg (241 km/h) gemessen. Im Flachland betrugen die Böenspitzen auch in Tallagen verbreitet 140 km/h.

Vorher-nachher: Das Hotel Alpenruh in Kandergrund (BE) nach dem Sturm Lothar 1999, unten zehn Jahre danach. (Bild: Keystone)

Die schreckliche Bilanz nach Lothar: 29 Tote, 15 allein bei der späteren Sturmholzaufarbeitung im Wald. Es entstanden Wald- und Gebäudeschäden in Höhe von je rund 600 Millionen Franken. Die geschätzte Schadenssumme inklusive Verkehrs- und Stromausfälle belief sich auf rund 1,8 Milliarden.

Ausgewählte Sturmspitzen von Burglind und Lothar (1999): Zum Vergrössern auf Grafik klicken.

Derartige Schäden wie 1999 werden bei Burglind nicht erwartet. Doch der heutige Sturm dürfte ähnlich heftig werden. Auf dem Pilatus wurden mit bis zu 195 km/h die bisher stärksten Böen gemessen. Das ist für den Berg ein neuer Rekord seit Messbeginn 1981.

Wer gibt einem Sturm den Namen?
Ursprünglich wurden Wetterereignisse vor allem nach einem besonderen Ereignis, ihrem Datum oder einer Gegend benannt, in der sie an folgenreichsten waren. Doch um die Kommunikation zu vereinfachen, begann der nationale Wetterdienst der USA während des Zweiten Weltkrieges, weibliche Vornamen in alphabetischer Reihenfolge für Taifune im Pazifik zu verwenden.

1954 zog das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin (FUB) nach und gab fortan allen Tief- und Hochdruckgebieten, die das Wetter in Deutschland beeinflussten, einen Namen. Lange hatten Tiefdruckgebiete immer weibliche und Hochdruckgebiete immer männliche Vornamen. Weil Erstere meist schlechtes Wetter bringen, kam es mit der Zeit zu einer Diskussion um Frauendiskriminierung. Auf Empfehlung der Weltorganisation für Meteorologie wechselt die FUB deshalb seit 1998 ab: In geraden Jahren haben Tiefdruckgebieten weibliche und Hochdruckgebiete männliche Vornamen, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt. Ist das Alphabet durchlaufen, beginnt man wieder bei «A».

Die deutschen Namen werden in einigen Ländern in Zentraleuropa übernommen, unter anderem in der Schweiz. Seit 2002 gibt es zudem die Aktion Wetterpate: Jede und jeder kann sich auf www.wetterpate.de ein Hoch oder ein Tief kaufen – für umgerechnet 416 Franken beziehungsweise 277 Franken. Jedes Jahr werden so etwa 50-60 Hochs und 130-150 Tiefs getauft. Mit der Patenschaft leistet man einen wichtigen Beitrag zur Fortführung der vollständigen Klimabeobachtung sowie der Studentischen Wetterbeobachtung am FUB.

Auch das heutige Unwetter hat eine Wetterpatin: Burglind Gorn, eine Frau mittleren Alters aus dem Raum Berlin, gab dem Sturm ihren Namen. Diese habe sich die Patenschaft für das aktuelle Sturmtief selber geschenkt, sagte Sebastian Wölk vom Team Wetterpate an der FUB, zu 20 Minuten.

Worauf muss man heute achten?
Der Bund schätzt die aktuelle Naturgefahrensituation in grossen Teilen der Schweiz als erheblich ein. Verschiedene Kantonspolizeien haben deshalb Sturmwarnungen herausgegeben. Die Kapo Zürich beispielsweise rät der Bevölkerung während des Sturmes von einem Aufenthalt im Freien ab. Vor allem im Wald, am Waldrand oder am Rand von Gewässern sollte man sich demnach nicht aufhalten. Zudem wird empfohlen, lose Gegenstände wie Gartenmöbel, Kindertrampoline oder Mülltonnen an einem geschützten Ort aufzubewahren oder festzubinden.

Je nördlicher in der Schweiz, desto heftiger ist der Sturm. Die Kantonalen Kristenstäbe Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben deshalb für den ganzen Mittwoch Verhaltensempfehlungen erlassen. Wälder und Baumgruppen sollten gemieden, windanfällige Baustelleneinrichtungen sowie lose Gegenstände auf Balkonen und Gärten gesichert werden.

Verschiedene Bergbahnen stellen ihren Betrieb ein. Wegen umgestürzter Bäume oder sonstiger Sturmschäden sind diverse Strassen und SBB-Strecken blockiert. Ausserdem bittet der Flughafen Zürich die Reisenden auf, wegen vieler Ausfälle und Verspätungen den Status ihres Fluges zu überprüfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.01.2018, 10:24 Uhr

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