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Das Drama nimmt kein Ende

Westschweiz-Korrespondent Philippe Reichen über den Entscheid der Berufungskammer im Mordprozess Adeline.

Der Genfer Justizapparat hat das Vertrauen der Eltern der ermordeten Adeline M. aufgebraucht. Zuerst hatte sich der Strafvollzug gröbste Verfeh­lungen geleistet. Der Staat musste eine Mitschuld an Adelines Tod einräumen. Voller Ungeduld warteten die Eltern dann im Oktober auf den Prozess gegen Fabrice A. Doch das Gericht wirkte überfordert – blockiert von der Erwartung der Öffentlichkeit, dass für den vorbestraften Sexualstraftäter eine lebenslange Verwahrung angeordnet wird. Als das Gericht die Verhandlung nach bloss vier Tagen unterbrach, um ein weiteres psychiatrisches Gutachten einzuholen, schien der Eklat perfekt.

Nun kommt es für die Eltern noch schlimmer. Die Berufungskammer des Strafgerichts hat entschieden, die Richter seien befangen, weil sie in der Prozessführung auf die Verwahrung von Fabrice A. hingearbeitet hätten. Der Staat versagt Mal für Mal. Ein neues Gericht muss eingesetzt, der Prozess neu gestartet werden.

Wer im Gericht sass, kann den Entscheid der Berufungskammer nachvollziehen. Der Gerichtspräsidentin fehlte notwendiges Fachwissen, um den Mordprozess Adeline zu führen. Es begann damit, dass sie sich bei einem psychiatrischen Forensiker danach erkundigte, ob man Fabrice A. nicht einer Psychotherapie unterziehen könnte. Das war vielleicht unbedarft, aber juristisch unbedenklich. Erst die Befragung der beiden französischen Psychiater wurde der Gerichtspräsidentin zum Verhängnis, weil sie die Experten diskreditierte, statt sachdienliche Fragen zu stellen. Für die Eltern ist das bitter. Das Drama um den Tod ihrer Tochter nimmt kein Ende. Aber das Recht auf einen fairen Prozess ist unantastbar.

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