Zum Hauptinhalt springen

«Das Öl kommt und zerstört unser Leben»

Der US-Golfküste droht eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmasses. Zehn Tage nach der Explosion einer Bohrinsel im Golf von Mexiko erreichten erste Ausläufer des Ölteppichs Louisianas Küste.

Angekommen: Die Stahlbetonglocke wird mit Hilfe eines Krans an der Stelle der gesunkenen Ölbohrinsel in Position gebracht.
Angekommen: Die Stahlbetonglocke wird mit Hilfe eines Krans an der Stelle der gesunkenen Ölbohrinsel in Position gebracht.
Keystone
Tiefe Nacht: Die Stahlbetonglocke soll über die offene Ölquelle in 1500 Meter Tiefe gestülpt werden und so das Leck abdecken.
Tiefe Nacht: Die Stahlbetonglocke soll über die offene Ölquelle in 1500 Meter Tiefe gestülpt werden und so das Leck abdecken.
Keystone
Keystone
1 / 22

Ein Pelikan segelt in niedrigem Flug über das Wasser im Hafen von Venice. Sportjachten dümpeln in den Wogen, Krabbenkutter tuckern in Richtung offene See, Fischer sortieren ihren Fang. Das Idyll hier im Mündungsbereich des Mississippi-Deltas trügt, der Fischer Ernest Adams ahnt Schlimmes. «Alle werden ihre Arbeit verlieren», murmelt er düster, während er auf dem Pier frische Fische ausnimmt. «Alle.»

Am schwersten lastet die Hilflosigkeit angesichts der herannahenden Katastrophe auf den Fischern von Venice. «Wir warten einfach darauf, dass das Öl kommt und die Grundlage unseres Lebens zerstört», sagt Brent Roy, der Kapitän eines Charter-Boots.

Umweltschäden nur schwer zu beseitigen

Vor allem der südliche US-Bundesstaat Louisiana sieht sich fast fünf Jahr nach dem verheerenden Hurrikan «Katrina» mit einer weiteren Katastrophe konfrontiert. Spitzen des riesigen Öl-Teppichs, der sich nach der Havarie der Bohrinsel «Deepwater Horizon» gebildet hatte, erreichten in der Nacht zum Freitag die US-Küstengewässer mit ihren reichen Fischgründen und Rückzugsgebieten für Vögel. Dies ergab ein Kontrollflug der US-Küstenwache.

Experten gehen davon aus, dass das Öl Umweltschäden anrichten wird, die nur schwer zu beseitigen sein werden. Die Küstengewässer und Marschengebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikane sowie anderer Vögel.

Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Meeresfrüchten wie Austern, Krabben, Muscheln und Fische. Der Fischerei und dem Tourismus in der Region, die sich gerade erst von «Katrina» erholt haben, drohen schwere Schäden.

Gemäss ersten Schätzungen könnte der Ölteppich am Wochenende seinen Weg bis nach Florida bahnen. Damit wären auch die Küstengebiete von Mississippi und Alabama gefährdet. Starke Winde und raue See trieben den Ölteppich voran.

Bohrungen ausgesetzt

Janet Reno, Ministerin für innere Sicherheit, erklärte die Öl- Pest zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung. Damit können Bundesmittel zur Unterstützung der Bundesstaaten mobilisiert werden. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief noch am Donnerstag den Notstand aus.

Als Konsequenz setzte die US-Regierung neue Tiefsee-Bohrungen bis zur Klärung der Unglücksursache aus. Bohrarbeiten in neuen Feldern würden erst wieder genehmigt, wenn die Ursache des Unglücks auf der «Deepwater Horizon» geklärt sei.

Dies sagte Präsidenten-Berater David Axelrod am Freitag dem Fernsehsender ABC. US-Präsident Barack Obama hatte erst kürzlich die Öl- und Gassuche in küstennahen Gewässern gebilligt.

BP trägt die Kosten

Obama machte klar, dass er den Öl-Multi BP, der Mehrheitseigner der von der Schweizer Firma Transocean betriebenen Insel war, für die Aufräumarbeiten zur Kasse bitten will.

Der britische Öl-Konzern erklärte sich in der Folge bereit, die Kosten zur Beseitigung der Öl-Pest im Golf von Mexiko zu übernehmen. Firmenchef Tony Hayward sagte am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters, BP übernehme die volle Verantwortung und werde die Folgen des Öl-Teppichs beseitigen.

Krabbenfischer verklagten unterdessen BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron und warfen ihnen Fahrlässigkeit vor.

Obama unter Druck

Bisherige Bemühungen, den Öl-Teppich zu stoppen sind gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden vor der Küste tausende Sperren ins Wasser gelassen.

BP und die Küstenwache versuchen weiter, die Lecks an der Bohrinsel in 1500 Meerestiefe zu stoppen, aus denen täglich gegen 800'000 Liter Öl auslaufen. BP bat das Verteidigungsministerium um Hilfe.

Obama sicherte zu, alle notwendigen Schritte zur Eindämmung des Öl-Teppichs einzuleiten, der mittlerweile fast 200 Kilometer lang ist.

Der Präsident steht unter hohem Erwartungsdruck, da seinem Vorgänger George W. Bush nach der «Katrina»-Katastrophe vor fünf Jahren zu spätes Handeln vorgeworfen worden war.

Obama schickte Sicherheitsministerin Reno, Innenminister Ken Salazar und die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, ins Mississippi-Delta. Sie sollten sich vor Ort über die sich anbahnende Katastrophe informieren.

AFP/sda/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch