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Den Job-Kollegen Bleiacetat ins Pausenbrot gestreut

Nierenversagen, Koma, Hirnschaden: Grausige Vorwürfe gegen Klaus O., der nun vor Gericht steht.

Er wollte sehen, wie seine Kollegen Qualen erleiden: Klaus O. gestern vor Gericht. Foto: Keystone
Er wollte sehen, wie seine Kollegen Qualen erleiden: Klaus O. gestern vor Gericht. Foto: Keystone

Im deutschen Ostwestfalen bringen die Menschen zur Arbeit noch ein Pausenbrot mit, ordentlich verpackt in einer Tupperware-Box. Dieser Pausensnack spielt nun die Hauptrolle in einem Kriminalfall, der den Ort Schloss Holte-Stukenbrock im Frühling in den Fokus rückte.

In der 27'000-Einwohner-Stadt steht seit gestern Klaus O. vor Gericht, weil er über Jahre die Pausenbrote seiner Arbeitskollegen vergiftet haben soll. Die Anklage lautet auf versuchten Mord in drei Fällen. Dem zweifachen Familienvater sei es darum gegangen, «zu sehen, wie seine Kollegen vor seinen Augen langsam an körperlichem Wohlbefinden einbüssen und aufgrund der Art der Vergiftung Schmerzen und Qualen erleiden».

Klaus O. schottete sich ab

O. sieht deutlich jünger aus als seine 57 Jahre. Er schlurft in einem weiten dunklen Pulli in den Gerichtssaal. Sein schmales, bärtiges Gesicht mit der runden Brille bleibt während der Anklageverlesung durch den Staatsanwalt ohne sichtbare Regung.

38 Jahre lang arbeitete O. in der Firma Ari Armaturen, Abteilung Werkzeugbau. Schlosser O. war kein beliebter Kollege, schottete sich stets mit Kopfhörern vom sozialen Geschehen ab.

«Mein Pausenbrot lag immer in einer Tupperdose auf dem Tisch.»

B., Opfer

Vorarbeiter B. und O. arbeiteten 30 Jahre lang eng zusammen. Im April 2018 versagten plötzlich B.s Nieren. Seitdem muss er dreimal die Woche zur Dialyse. B. sagte: «Mein Pausenbrot lag immer in einer Tupperdose auf dem Tisch.»

Ein junger Arbeitskollege von O. bekam im Sommer 2016 plötzlich eine schwere Quecksilbervergiftung – obwohl er nie mit der Substanz gearbeitet hatte. Der 29-Jährige liegt noch immer im Koma, sein Gehirn ist schwer geschädigt. Auch dafür soll O. verantwortlich sein.

Dank einer Kamera gefasst

Ein dritter Kollege musste mehrmals wegen heftiger Vergiftungserscheinungen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Er sitzt O. im Gericht als Nebenkläger gegenüber.

O.s Giftanschläge fielen erst auf, als ein 26-jähriger Kollege ein verdächtiges Pulver – hochgiftiges Bleiacetat – auf seinem Pausenbrot bemerkte. Er alarmierte seine Vorgesetzten. Dank einer Überwachungskamera wurde O. schliesslich überführt.

Die Polizei untersuchte nach O.s Festnahme Krankheits- und Todesfälle der letzten Jahrzehnte in der Firma und fand 21 Verdachtsfälle. Klaus O. schweigt bisher zu den Vorwürfen und seinem Motiv. Am 26. November wird der Prozess fortgesetzt.

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