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Der Aktienbomber

Kein Islamist, kein Rechtsextremer, kein Hooligan – ein Börsenbetrüger versuchte, die Fussballmannschaft von Borussia Dortmund zu töten.

Dominique Eigenmann, Berlin
Die Anklage lautet auf 28-fachen Mordversuch: Sergej W. wird im Landgericht in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) von Justizbeamten zur Anklagebank gebracht. (21. Dezember 2017)
Die Anklage lautet auf 28-fachen Mordversuch: Sergej W. wird im Landgericht in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) von Justizbeamten zur Anklagebank gebracht. (21. Dezember 2017)
Keystone
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will künftig eine eigene Sicherheitsabteilung in dem börsennotierten Unternehmen aufbauen.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will künftig eine eigene Sicherheitsabteilung in dem börsennotierten Unternehmen aufbauen.
Bernd Thissen, Keystone
Die Abteilung soll aus ehemaligen Mitgliedern der Spezialeinheit GSG9 (Bild) und dem Bundeskriminalamt (BKA) bestehen.
Die Abteilung soll aus ehemaligen Mitgliedern der Spezialeinheit GSG9 (Bild) und dem Bundeskriminalamt (BKA) bestehen.
Michael Hanschke, Keystone
Der Verdächtige habe drei verschiedene Optionen auf BVB-Aktien gekauft, erklärte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, in Karlsruhe. (21. April 2017)
Der Verdächtige habe drei verschiedene Optionen auf BVB-Aktien gekauft, erklärte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, in Karlsruhe. (21. April 2017)
Lino Mirgeler/dpa via AP, Keystone
Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 28-jährigen Russen aufgrund auffälliger Optionsgeschäfte: Polizeiautos vor dem Haus in Rottenburg, wo der mutmassliche Täter verhaftet wurde.
Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 28-jährigen Russen aufgrund auffälliger Optionsgeschäfte: Polizeiautos vor dem Haus in Rottenburg, wo der mutmassliche Täter verhaftet wurde.
EPA/OSKAR EYB, AFP
Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte der Gewinn den Ermittlern zufolge «ein Vielfaches des Einsatzes» betragen: Hausdurchsuchung in Rottenburg.
Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte der Gewinn den Ermittlern zufolge «ein Vielfaches des Einsatzes» betragen: Hausdurchsuchung in Rottenburg.
dpa / Christoph Schmidt, AFP
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: «Wir hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte.» (15. April 2017)
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: «Wir hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte.» (15. April 2017)
AFP
Der Verdächtige checkte am Tag des Anschlags im BVB-Mannschaftshotel ein: Polizisten vor dem «L'Arrivée».
Der Verdächtige checkte am Tag des Anschlags im BVB-Mannschaftshotel ein: Polizisten vor dem «L'Arrivée».
Keystone
Täter spekulierte auf fallende Dortmund-Aktien: Borussia Dortmund ist der einzige börsenkotierte Fussballverein in Deutschland.
Täter spekulierte auf fallende Dortmund-Aktien: Borussia Dortmund ist der einzige börsenkotierte Fussballverein in Deutschland.
DPA/A9999/_Frm, Keystone
Gier statt Hass als Tatmotiv: Polizisten ermitteln in der Nähe des Teamhotels in Dortmund. (17. April 2017)
Gier statt Hass als Tatmotiv: Polizisten ermitteln in der Nähe des Teamhotels in Dortmund. (17. April 2017)
Martin Meissner, Keystone
Marcel Schmelzer (3.v.l.) spricht nach der Explosion mit den Polizisten.
Marcel Schmelzer (3.v.l.) spricht nach der Explosion mit den Polizisten.
Martin Meissner, Keystone
Prominenter Besuch: Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verfolgt das einen Tag nach dem Anschlag nachgeholte Spiel live im Stadion.
Prominenter Besuch: Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verfolgt das einen Tag nach dem Anschlag nachgeholte Spiel live im Stadion.
Sascha Schuermann, AFP
«Eure Unterstützung hat uns sehr geholfen in diesen schweren Momenten»: Der BVB bedankt sich mit einer Botschaft im Stadion bei den monegassischen Fans.
«Eure Unterstützung hat uns sehr geholfen in diesen schweren Momenten»: Der BVB bedankt sich mit einer Botschaft im Stadion bei den monegassischen Fans.
Maja Hitij/Bongarts/Getty Images, Keystone
Wahre Fan-Liebe: Gleich haufenweise Schals trägt dieser BVB-Anhänger und Match-Besucher. (12. April 2017)
Wahre Fan-Liebe: Gleich haufenweise Schals trägt dieser BVB-Anhänger und Match-Besucher. (12. April 2017)
Norbert Schmidt, AFP
«You will never walk alone»: Dortmund-Fans halten während des Spiels ein mutmachendes Banner hoch. (12. April 2017)
«You will never walk alone»: Dortmund-Fans halten während des Spiels ein mutmachendes Banner hoch. (12. April 2017)
Maja Hitij/Bongarts/Getty Images
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Innenminister Thomas de Maiziere geben vor dem Spiel ein Interview. (12. April 2017)
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Innenminister Thomas de Maiziere geben vor dem Spiel ein Interview. (12. April 2017)
Patrik Stollarz, AFP
Höchste Sicherheitsvorkehrungen: Bewaffnete Polizisten patroullieren vor dem Stadion. (12. April 2017)
Höchste Sicherheitsvorkehrungen: Bewaffnete Polizisten patroullieren vor dem Stadion. (12. April 2017)
Patrik Stollarz, AFP
Spieler Pierre-Emerick Aubameyang trägt ein Marc Bartra-Shirt. (12. April 2017)
Spieler Pierre-Emerick Aubameyang trägt ein Marc Bartra-Shirt. (12. April 2017)
Maja Hitij/Bongarts/Getty Images
Ein ernster Cheftrainer: Thomas Tuchel kurz vor dem Spiel. (12. April 2017)
Ein ernster Cheftrainer: Thomas Tuchel kurz vor dem Spiel. (12. April 2017)
Maja Hitij/Bongarts/Getty Images, Keystone
Die Fans zeigen während dem Spiel Solidarität.
Die Fans zeigen während dem Spiel Solidarität.
Keystone
Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt: Scheibe an einem Wohnhaus unweit des Ortes, wo es zu den Explosionen kamt. (12. April 2012)
Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt: Scheibe an einem Wohnhaus unweit des Ortes, wo es zu den Explosionen kamt. (12. April 2012)
Sascha Schürmann, AFP
Polizisten begleiten Gäste des «l'Arrivee»-Hotels, in dem die BVB-Mannschaft untergebracht ist.
Polizisten begleiten Gäste des «l'Arrivee»-Hotels, in dem die BVB-Mannschaft untergebracht ist.
Sascha Schürmann, AFP
Ein BVB-Teambus kommt vor dem Trainingscamp in der Nähe von Dortmund an.
Ein BVB-Teambus kommt vor dem Trainingscamp in der Nähe von Dortmund an.
Marius Becker, AFP
Frauke Köhler, die Pressesprecherin des Generalbundesanwalts, informiert über den Ermittlungsstand.
Frauke Köhler, die Pressesprecherin des Generalbundesanwalts, informiert über den Ermittlungsstand.
Uli Deck/AP, Keystone
«You'll never walk alone»: Junge Fans vor dem BVB-Trainingscamp machen ihrer Mannschaft Mut.
«You'll never walk alone»: Junge Fans vor dem BVB-Trainingscamp machen ihrer Mannschaft Mut.
Martin Meissner/AP, Keystone
Dortmund-Stürmer Marco Reus verlässt das Trainingscamp im Auto.
Dortmund-Stürmer Marco Reus verlässt das Trainingscamp im Auto.
Martin Meissner/AP, Keystone
Informiert die Medien: Chef der Dortmunder Polizei, Gregor Lange. (11. April 2017)
Informiert die Medien: Chef der Dortmunder Polizei, Gregor Lange. (11. April 2017)
Odd Andersen, AFP
Die Ermittlungen gehen mit Hochdruck weiter: BVB-Teambus nach den Explosionen. (11. April 2017)
Die Ermittlungen gehen mit Hochdruck weiter: BVB-Teambus nach den Explosionen. (11. April 2017)
Friedemann Vogel, Keystone
Überreste der zerstörten Scheibe des Mannschaftsbusses liegen am Boden. (11. April 2017)
Überreste der zerstörten Scheibe des Mannschaftsbusses liegen am Boden. (11. April 2017)
Bernd Thissen, Keystone
Die BVB-Spieler Nuri Sahin (l.), Marcel Schmelzer (m.) und Sven Bender werden von Polizisten begleitet. (11. April 2017)
Die BVB-Spieler Nuri Sahin (l.), Marcel Schmelzer (m.) und Sven Bender werden von Polizisten begleitet. (11. April 2017)
Ina Fassbender, Keystone
Beamte des Landeskriminalamtes untersuchen den Tatort. (11. April 2017)
Beamte des Landeskriminalamtes untersuchen den Tatort. (11. April 2017)
Bernd Thissen, Keystone
Die Fans verlassen das Signal-Iduna-Stadion. (11. April 2017)
Die Fans verlassen das Signal-Iduna-Stadion. (11. April 2017)
Lukas Schulze/Getty Images
Etwa zehn Kilometer vom Tatort entfernt: Eine Frau im Dortmunder Stadion macht das Victory-Zeichen. (11. April 2017)
Etwa zehn Kilometer vom Tatort entfernt: Eine Frau im Dortmunder Stadion macht das Victory-Zeichen. (11. April 2017)
EPA/Friedemann Vogel
Polizeikräfte vor dem demolierten Bus. (11. April 2017)
Polizeikräfte vor dem demolierten Bus. (11. April 2017)
AP Photo/Martin Meissner
Zerborstene Scheiben: Der Teamcar des BVB nach den Explosionen. (11. April 2017)
Zerborstene Scheiben: Der Teamcar des BVB nach den Explosionen. (11. April 2017)
Carsten Linhoff/dpa via AP
Der Schweizer Nationalkeeper Roman Bürki hat den Vorfall hautnah miterlebt. Er schilderte seine Erlebnisse.
Der Schweizer Nationalkeeper Roman Bürki hat den Vorfall hautnah miterlebt. Er schilderte seine Erlebnisse.
Patrick Stollarz, AFP
Ruhige und überlegte Stimme nach dem Vorfall: Stadionsprecher Norbert Dickel richtet sich ans Publikum und erklärt, warum das Spiel verschoben werden muss.
Ruhige und überlegte Stimme nach dem Vorfall: Stadionsprecher Norbert Dickel richtet sich ans Publikum und erklärt, warum das Spiel verschoben werden muss.
Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke macht sich Gedanken. «Wir haben mit der Polizei richtig und gut reagiert.»
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke macht sich Gedanken. «Wir haben mit der Polizei richtig und gut reagiert.»
Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
Dortmunds Marc Bartra hat sich wegen der Explosion an der Hand verletzt. Der Spanier ist in ein Spital überführt worden.
Dortmunds Marc Bartra hat sich wegen der Explosion an der Hand verletzt. Der Spanier ist in ein Spital überführt worden.
Armando Franca (AP), Keystone
Der offizielle Entscheid nach dem Vorfall in Dortmund: Die Uefa verschiebt das Viertelfinal-Hinspiel BVB gegen Monaco auf den Mittwoch.
Der offizielle Entscheid nach dem Vorfall in Dortmund: Die Uefa verschiebt das Viertelfinal-Hinspiel BVB gegen Monaco auf den Mittwoch.
Odd Andersen, AFP
Nachdem die Monaco-Fans realisiert haben, warum das Spiel nicht am Abend stattfindet, rufen sie «Dortmund, Dortmund». Eine schöne Geste.
Nachdem die Monaco-Fans realisiert haben, warum das Spiel nicht am Abend stattfindet, rufen sie «Dortmund, Dortmund». Eine schöne Geste.
AFP
Enttäuschung bei den BVB-Fans. Aber die Tickets behalten ihre Gültigkeit für den Mittwoch.
Enttäuschung bei den BVB-Fans. Aber die Tickets behalten ihre Gültigkeit für den Mittwoch.
Odd Andersen, AFP
Das Spiel ist abgesagt: Ein besorgter Fan im Dortmunder Iduna-Stadion. Und: Ein Dortmunder Profi ist nach der Explosion an der Hand verletzt worden.
Das Spiel ist abgesagt: Ein besorgter Fan im Dortmunder Iduna-Stadion. Und: Ein Dortmunder Profi ist nach der Explosion an der Hand verletzt worden.
Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
«Bei Abfahrt unseres Busses hat sich ein Vorfall ereignet»: Die Stimmung im Stadion ist angespannt.
«Bei Abfahrt unseres Busses hat sich ein Vorfall ereignet»: Die Stimmung im Stadion ist angespannt.
Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
«Im Stadion sind Sie sicher»: Stadionsprecher Norbert Dickel und Dortmund-Funktionär Reinhard Rauball versuchen, die Zuschauer zu beruhigen.
«Im Stadion sind Sie sicher»: Stadionsprecher Norbert Dickel und Dortmund-Funktionär Reinhard Rauball versuchen, die Zuschauer zu beruhigen.
Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
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Es gab die Überreste der Bombe, Bilder der Überwachungskameras des Hotels, drei islamistische Bekennerschreiben am Tatort, ein linksextremistisches im Internet, ein rechtsextremistisches per elektronische Post an zwei Medienunternehmen. Jede Menge Spuren, mit denen eine Hundertschaft von Ermittlern das Bombenattentat von Dortmund aufzuklären hoffte. Die entscheidenden Hinweise kamen dann aus einer ganz ­anderen Richtung.

Nach dem Attentat meldete sich bei Borussia Dortmund ein Börsenhändler, anonym, dem aufgefallen war, dass jemand kurz zuvor mit Finanzderivaten auf einen Kursverfall der Aktie gewettet hatte. Der BVB gab die Information umgehend ans Bundeskriminalamt weiter. Kurz danach machte unabhängig davon der Onlinebroker Comdirect, eine Tochter der deutschen Commerzbank, eine Anzeige. Er hegte Verdacht wegen Geldwäscherei, weil ein deutsch-russischer Kunde bei ihm viel Geld auf einen Sturz der Aktie des Fussballvereins ­gesetzt hatte.

Nach den Bomben ein Steak

Seit dem 13. April, also zwei Tage nach dem Attentat, galt Sergei W. der Bundesanwaltschaft als Hauptverdächtiger. Er wurde von der Polizei Tag und Nacht überwacht – und auf einmal purzelten alle Puzzleteile des Rätsels von Dortmund wie von Zauberhand ineinander. Der 28-jährige Deutschrusse hatte bereits im März anlässlich des Achtelfinal-Heimspiels in der Champions League gegen Benfica Lissabon das Hotel ­L’Arrivée ausgekundschaftet, das der BVB vor wichtigen Spielen aufsucht. Nach der Qualifikation für den Viertel­final reservierte er für die möglichen Heimspieldaten im April je ein Zimmer, jeweils für drei Nächte. Er bestand auf einem Raum, von dem aus er die Route des Mannschaftsbusses übersehen konnte und beharrte auch darauf, als ihm das Hotel bei seiner Ankunft am 9. April ein anderes Zimmer zuweisen wollte.

Am 3. April hatte Sergei W. bereits einen Kleinkredit von 40'000 Euro aufgenommen. Mit einem Teil davon erwarb er am Tag des Anschlags, am 11. April, im Hotel online die gewünschten Verkaufsoptionen. Die Ermittler vermuten, dass er am Abend vom Fenster seines Zimmers aus per Funk einzeln die drei Bomben gegen den Mannschaftsbus zündete. Im Hotel brach danach grosse Aufregung aus. Sergei W. aber ass in aller Seelenruhe noch ein Steak und liess sich massieren. Wie alle Hotelgäste wurde er von der Polizei befragt, fiel dabei aber nicht weiter auf.

Sergei W.s Eltern, die aus Tscheljabinsk im Südural stammen, kamen 2003 nach Deutschland. Damals war Sergei 14 Jahre alt. Er besitzt einen deutschen und einen russischen Pass, diente in der Bundeswehr in einer Sanitätseinheit und bildete sich zum Elektroniker aus. 2015 erhielt er für seine technischen Kenntnisse einen Preis der Berufsschule. Die Ermittler halten ihn für ­fähig, die Bombe und die Zündvorrichtung selbst gebaut zu haben. Sergei W. wohnte zuletzt in Freudenstadt, unweit von Tübingen, wo er im Heizwerk der Universitätsklinik als Elektriker arbeitete. Ein Spezialkommando der Elitetruppe GSG9 verhaftete ihn am frühen Freitagmorgen auf dem Weg zur Arbeit, aus Sorge, der mutmassliche Bomber könnte seine Wohnung mit Sprengfallen versehen haben.

Zwei dilettantische Fehler

Falls Sergei W. der Täter war, hat er bei seinem ausgeklügelten Verbrechen zwei verblüffend dilettantische Fehler gemacht: Der erste war, dass er offenbar nicht wusste, dass Insidergeschäfte an der Börse schnell auffallen. Der zweite, dass er bei der Platzierung der wichtigsten Bombe patzte – zum grossen Glück der Fussballer. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren die drei Bomben auf einer Länge von 12 Metern in einer Hecke neben der Strasse platziert und wurden zeitlich perfekt synchronisiert gezündet. Die wichtigste Bombe aber, die in der Mitte, stand etwas zu hoch, sodass ihre immense Spreng- und Splitterwirkung über den Bus hinwegging. So richteten nur die Bomben hinten und vorn am Sicherheitsglas Schaden an – und nur ein Spieler, Verteidiger Marc Bartra, wurde durch Splitter an Arm und Hand verletzt.

Statt viele Tote gab es also nur einen Verletzten – der Kurs der Aktie von Borussia Dortmund sank am nächsten Morgen denn auch nur kurzzeitig um wenige Prozent. Bis zum Ende des Tages lag er bereits wieder um 1,7 Prozent im Plus. Die zynische Wette auf einen massiven Kurssturz hatte sich damit innert Stunden zerschlagen.

Wie viel Geld Sergei M. zu gewinnen hoffte, haben die Ermittler bisher nicht bekannt gegeben. Nach Informationen des «Spiegels» erwarb der Deutschrusse am Anschlagstag insgesamt 65'000 Optionen, für die er rund 7000 Euro bezahlte. Es handelte sich um vier verschiedene Produkte der genossenschaftlichen DZ Bank. Die sogenannten Put-Optionen gaben ihm das Recht, ­Aktien von Borussia Dortmund zu einem festgelegten Preis an die Bank zu verkaufen. Wäre ihr Kurs an der Börse deutlich unter den festgelegten Preis gesunken, hätte er sie an der Börse billig kaufen und an die Bank zum garantierten Preis verkaufen können. Die Differenz hätte er als Gewinn eingestrichen.

Wie hoch wäre der Gewinn?

Die tödliche Wette wäre nur lukrativ gewesen, wenn der Kurs des BVB massiv eingebrochen wäre. Der «Spiegel» hat es an einem konkreten Beispiel mit einem garantierten Verkaufspreis von 4.80 Euro vorgerechnet: Wäre der Kurs nach dem Anschlag von rund 5.40 auf 1 Euro gefallen, hätte der Käufer abzüglich der Gebühren 3.68 Euro pro Option einnehmen können. Bei 15'000 Scheinen hätte ein Gewinn von 55'000 Euro heraus­geschaut – bei einem Einsatz von 1800 Euro. Mit allen Scheinen, die Sergei W. erworben hatte, wäre ein Gewinn von gut 200'000 Euro möglich gewesen.

Aus Geldgier eine ganze Fussballmannschaft auszulöschen – eine solche Niedertracht muss man sich auch erst mal vorstellen können.

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