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Der Armeechef und «dieser widerliche Kerl»

Bei einer Rede vor Stabsoffizieren hat André Blattmann das Projekt Bodluv verteidigt – und ist verbal entgleist.

Umstrittene Äuserrungen: Armeechef André Blattmann hat in Brugg verbal zurückgeschlagen. (Archiv)
Umstrittene Äuserrungen: Armeechef André Blattmann hat in Brugg verbal zurückgeschlagen. (Archiv)
Keystone

Korpskommandant André Blattmann hat sich harsch geäussert über jene Person, die im Falle des sistierten Projekts für eine bodengestützte Luftabwehr (Bodluv) «Dokumente nach aussen gegeben» habe, die später den Weg in die Medien fanden. Nachdem bekannt geworden war, dass die zu beschaffenden Lenkwaffen die Anforderungen nicht erfüllten, hatte Verteidigungsminister Guy Parmelin das Projekt sistiert.

An einem Seminar vor über 150 Generalstabsoffizieren in Brugg AG sagte Blattmann laut der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Ich freue mich, wenn man den Missetäter, den Verräter findet, und ich freue mich, wenn wir diesen im übertragenen Sinne auf die Schlachtbank führen können.» Gerne sei er «beim Demontieren der Gradabzeichen» behilflich, so der abtretende Chef der Armee. Dieser «widerliche Kerl» habe die «Zukunft unserer Armee und unserer Doktrin» in Frage gestellt.

Der Angriff auf den TV-Mann aus Leutschenbach

Blattmann ärgerte sich auch über die Medien, die über das Projekt kritisch berichtet hatten. Namentlich erwähnte er Sandro Brotz, den Moderator der politischen SRF-Sendung «Rundschau». Dieser wurde laut der «Zentralschweiz am Sonntag» vom Korpskommandant als «Sandro Kotz, äh Brotz» tituliert. Die «Rundschau» hatte Teile der vertraulichen Dokumente veröffentlicht.

Die Lacher im Saal waren dem Referenten sicher. Sonst aber habe sich die Begeisterung über Blattmanns Ausführungen in Grenzen gehalten, wie ein Teilnehmer im Blog der Generalstabsoffiziere schreibt. Weil sich der Armeechef «mit dem Wiederholen bekannter PR-Botschaften» begnügt und den unbekannten «Verräter» aus dem Projektteam zum Abschuss freigegeben habe, sei der Applaus am Ende seiner Ausführungen «eher dürftig» ausgefallen, resümiert das Sonntagsblatt.

Heftige Kritik von Sicherheitspolitikern

Die Botschaften von Blattmann kommen bei nationalen Sicherheitspolitikern nicht gut an. «Wir sind nicht in der Türkei – bei uns muss Kritik möglich sein», sagte der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller der Zeitung. SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz wies darauf hin, dass im schweizerischen Milizsystem der Bürger auch Soldat und umgekehrt sei. Das bedinge ein vertrauensorientiertes Führen und nicht einen «sowjetischen Führungsstil». Der Berner geht sogar noch einen Schritt weiter: Wenn Blattmann das wirklich so gesagt habe, dann sei er nicht ernstfalltauglich.

Für den grünen Nationalrat Balthasar Glättli scheint der Korpskommandant die Lage nicht mehr im Griff zu haben. Ein Chef der Armee, der zur Hexenjagd aufrufe und interne kritische Stimmen als «Verräter» bezeichne, habe seinen Job verfehlt, monierte der Fraktionschef der Grünen.

(SDA)

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