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Der Chirurg, der beim Operieren Fussball schaut

Vincent Bettschart, der im Spitalzentrum Sion arbeitet, löst Kopfschütteln aus. Er schaute nicht nur einen WM-Match während einer Operation. Einmal unterbrach der Chirurg die Arbeit, um sich einen Apéro zu gönnen.

Das Spitalzentrum in Sion beschäftigt einen Chirurgen, der in mindestens zwei Fällen ein kurioses Verhalten an den Tag gelegt hat. Vincent Bettschart, so heisst der Chirurg, soll am vergangenen 17. Juni das WM-Spiel Frankreich gegen Mexiko lautstark mitverfolgt haben. «Und dies während einer Operation», wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin» berichtet. Immerhin kam der Patient nicht zu Schaden.

Ein solches Verhalten sei nicht akzeptabel, sagt Philippe Morel, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Chirurgie. «Diese Geschichte ist ja surreal.» Der Operationssaal sei ein Arbeitsort, an dem es ruhig sein müsse. Morel zeigte sich empört, denn beim Operieren brauche es höchste Konzentration.

«Ich werde mir ein Gläschen genehmigen»

Bereits Ende Mai hatte sich Bettschart einen Faux-pas geleistet. Wegen eines Apéros verliess der Chirurg den Operationssaal. «Unten findet ein Apéro statt, ich werde mir ein Gläschen genehmigen», soll Bettschart den verdutzten assistierenden Ärzten und Krankenschwestern gesagt haben. Für den Apéro verschwand der Arzt etwa eine halbe Stunde. Über den Vorfall berichtete auch die Satire-Zeitschrift «Vigousse».

«Es ist normal, dass ein Chirurg bei längeren Operationen eine Pause macht. Beispielsweise, um auf die Toilette zu gehen, etwas zu trinken oder sich zu stärken», sagt Morel gegenüber «Le Matin». «Doch der Unterbruch sollte nie länger als zehn Minuten dauern. Und den Operations-Trakt verlässt man erst recht nicht.»

Keine Sanktionen des Spitals

Vincent Castagna, Direktor des Spitalzentrums Mittelwallis, bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA die Berichte von «Le Matin» und «Vigousse». Der Chirurg sei für eine «ernsthafte Klarstellung» zitiert worden. Ausserdem sei angeordnet worden, dass Computer in Operationsräumen nur für berufliche Zwecke benutzt werden dürften. Der Chirurg habe diese Direktive unterschrieben.

Sanktionen wurden gegen den Arzt nicht verfügt. Bettschart geniesse weiterhin das Vertrauen der Spitaldirektion, sagte Castagna. Seine Kompetenzen würden nicht angezweifelt und seine bisherigen Erfolge bestätigten seine Fähigkeiten. «Die beruflichen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten von Dr. Bettschart werden sowohl vom Pflegepersonal als auch von den Patienten geschätzt.»

Der Spitaldirektor milderte zudem die Vorwürfe gegen den Arzt wegen des Fussballspiels. In den Operationssälen gebe es kein Fernsehen, sagte er. Der Match sei über einen Computer im Operationsraum und Live-Streaming im Internet zu sehen gewesen, und zwar ohne Ton. Vincent Bettschart war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er sei bis zum 25. Oktober abwesend, hiess es beim Spital.

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