«Die CIA steckt hinter den Panama Papers»

UBS-Whistleblower Birkenfeld zweifelt an der Authentizität der Enthüllungen aus Panama. Es sei doch komisch, dass nur «Gegner» der USA belastet würden.

«Und kein einziger US-Namen ist mit dabei?»: Birkenfeld während dem Interview. (Bild: Screenshot CNBC)

«Und kein einziger US-Namen ist mit dabei?»: Birkenfeld während dem Interview. (Bild: Screenshot CNBC)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er verbrachte über zwei Jahre in Haft in US-Gefängnissen und wurde dann von der US-Steuerbehörde IRS für sein Tun mit 104 Million Dollar belohnt. Der ehemalige UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld wird von Moderator Eamon Javers auf CNBC als der «grösste Finanz-Whistleblower aller Zeiten» vorgestellt – und äussert sich dort zum ersten Mal zu den Panama Papers.

Angespannt und befreit: Die Journalisten hinter den Enthüllungen. (Video:Stefanie Hasler/Lea Koch)

«Der Fakt alleine, dass wir all diese Namen sehen, die direkte ‹Gegner› der USA sind – Russland, China, Pakistan, Argentinien – und wir sehen dabei keinen einzigen US-Namen? Wieso? Um ehrlich zu sein, meinem Gefühl nach ist das [die Panama Papers] sicher das Werk eines Geheimdienstes. Ich bin mir sicher die CIA steckt dahinter», sagt Birkenfeld von München aus zum Moderator in Washington.

Eine populäre, aber unwahrscheinliche These

Mit dieser Theorie steht Birkenfeld nicht alleine da. Nicolas Richter vom «Tages-Anzeiger» sah sich unlängst dazu bewogen, darüber einen Artikel zu schreiben. Gemäss Richter sprechen folgende Fakten gegen Birkenfelds These.

  • Zunächst einmal stimmt es gar nicht, dass Amerikaner in den Panama Papers fehlen. Die Reporter der Zeitungsgruppe McClatchy haben in der Datenbank die Kopien von mindestens 200 US-Pässen entdeckt. 3500 Anteilseigner von Offshore-Firmen besitzen US-Adressen. Und knapp 3100 Gesellschaften in Steuerparadiesen weisen Spuren zu Anwälten und Finanzexperten in Miami, New York und anderen US-Städten auf.
  • Es besteht aus US-Sicht keine Notwendigkeit, ins spanischsprachige Panama zu gehen. In der Nähe liegen etliche englischsprachige Steuerparadiese wie die Cayman-Inseln oder die Britischen Jungferninseln.
  • Die amerikanische Politik ist vom grossen Geld durchsetzt – verheimlichen muss man das längst nicht mehr. Europäer reagieren sehr viel sensibler auf reiche Politiker.
  • Nach immer neuen Steuersenkungen seit den Achtzigerjahren sind die USA längst selbst ein Steuerparadies – jedenfalls für die Reichsten.

(mch)

Erstellt: 13.04.2016, 21:35 Uhr

Artikel zum Thema

Warum Amerikaner in den Panama Papers fehlen

Amerikaner werden verschont, US-Gegner ans Messer geliefert, hinter den Enthüllungen steckt die CIA: So lautet eine Theorie. Doch es gibt plausiblere Gründe, warum kaum US-Bürger in den Dokumenten auftauchen. Mehr...

Panama Papers: Ein globales Netz für geheime Vermögen

Exklusiv Kriminelle und Kriegstreiber nutzen die Anonymität von Steueroasen genauso wie Staatschefs. Das zeigt die Analyse von 214'000 Offshorefirmen im Rahmen des Datenlecks Panama Papers. Mehr...

Panama Papers: Die wichtigsten Fragen

Video Oliver Zihlmann über das Datenleck, die Betroffenen und mögliche Auswirkungen auf die Schweiz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Keine ruhige Fahrt: Möwen fliegen über einen Mann, der am frühen Morgen in Neu Dehli mit seinem Boot über den Fluss gleitet. (21. November 2018)
(Bild: Anushree Fadnavis) Mehr...