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Der eisige Tod kam im Morgengrauen

Überlebende des Lawinenunglücks schildern die tragische Nacht am Mount Manaslu im Himalaja. Obwohl dieser Berg zu den einfacheren und sicheren Achttausendern gehört, kam es am Sonntag zum Unglück.

Die Gipfel lagen noch im Dunkeln, als die Bergsteiger ein dumpfes Grollen hörten: Donnernd walzten die Schneemassen den Hang hinab Richtung Tal. Hilflos schlitterten die Alpinisten den Mount Manaslu herunter, den achthöchsten Berg der Welt im Himalaja. Als eine Stunde später die Sonne aufging, konnten die Überlebenden sehen, was die Lawine angerichtet hatte: Zerfetzte Zelte und regungslose Körper lagen im Schnee, einige Menschen waren verletzt, andere einfach nicht mehr da.

«Es waren nur ein paar Sekunden und wir wussten, was passiert – aber da waren wir schon mehr als 200 Meter gerutscht», schildert der italienische Bergsteiger Silvio Mondinelli die tragische Nacht zum Sonntag, die mindestens acht Menschen das Leben kostete. «Wir wollten nur, dass es aufhört», sagt Mondinelli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Er zählt zu den Verletzten, die in Rettungshubschraubern in Krankenhäuser geflogen wurden.

Weitere Personen werden vermisst

Retter haben acht Leichen geborgen: vier Franzosen und jeweils einen Deutschen, Italiener, Spanier und Nepalesen. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist unklar. Gestern hiess es, ein neunter Toter müsse noch geborgen werden und nach sechs Personen werde weiter gesucht. Heute heisst es hingegen, exakte Zahlen lägen nicht vor.

Polizeichef Basanta Bahadur Kuwar verwies auf die Verwirrung unter den Bergsteigern. Der Leiter der Behörde für Alpinismus, Balkrishan Ghimire, sagte heute, es lägen nur die Namen von drei Vermissten vor. Die Regierung hat keine Beamten am Mount Manaslu stationiert, die nächste Polizeistation liegt zwei Tagesmärsche vom Basislager entfernt. Die Suche aus der Luft nach weiteren Opfern wurde heute abgeschlossen, doch Sherpas durchkämmen die schneebedeckten Hänge weiterhin.

«Schreckmomente»

Drei Franzosen und zwei Deutsche wurden am Sonntag nach Kathmandu in Krankenhäuser geflogen. Zwei Italiener folgten gestern: neben Mondinelli, der die 14 höchsten Gipfel der Welt erklommen hat, auch sein Gefährte Christian Gobbi. Mondinelli sagte, ein dritter Italiener und ihr Bergführer hätten in einem anderen Zelt geschlafen. Beide seien von der Lawine begraben worden und ums Leben gekommen.

Nach den ersten Schreckmomenten sahen Gobbi und Mondinelli aus ihrem schwer beschädigten Zelt, konnten ohne Licht aber fast nichts erkennen. «Wir fanden die Schuhe von irgendwem und zogen sie an», sagt Gobbi. Als sich endlich die Sonne zeigte, halfen sie den Verletzten, gemeinsam mit Sherpas, die aus tiefer gelegenen Camps kamen. Die Überlebenden, die noch laufen konnten, machten sich zur Fuss auf den Weg zum Basislager. Die schwerer Verletzten wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.

«Mount Manaslu galt als einfacher und sicherer Achttausender»

Der Beginn der Herbstsaison für Bergsteiger in Nepal ist bekannt für unberechenbares Wetter. Im Frühling bevölkern Hunderte Alpinisten die Gipfel des Himalaja. Der 8156 Meter hohe Mount Manaslu wird dabei immer beliebter, weil er unter den höchsten Bergen der Welt als vergleichsweise leicht zu besteigen gilt.

Am Sonntag waren 231 Bergsteiger und Führer am Berg, aber nicht alle in den höheren Lagen, die von der Lawine getroffen wurden. Experten warnten in den vergangenen Jahren vor grösseren Risiken beim Bergsteigen in Nepal, da die Klimaerwärmung das Lawinenrisiko erhöht haben soll. Doch zumindest am Mount Manaslu waren Lawinen bisher eine Seltenheit. Das bislang letzte vergleichbare Unglück ereignete sich 1972, als der Schnee sechs Koreaner und zehn nepalesische Führer unter sich begrub.

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