«Der Geist» von Miami

26 Jahre lang jagten FBI und Behörden zahlreicher Länder Anibal Mustelier. Jetzt ging die kriminelle Legende der Polizei ins Netz – zufällig.

Drogen, Morde, Festnahmen: Miami wird in den 90er-Jahren von einer Welle von Kriminalität überflutet. (Bild: Keystone/Alan Diaz)

Drogen, Morde, Festnahmen: Miami wird in den 90er-Jahren von einer Welle von Kriminalität überflutet. (Bild: Keystone/Alan Diaz)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das FBI, das US-Justizministerium, Behörden zahlreicher anderer Länder: Sie alle waren 26 Jahre lang hinter Anibal Mustelier her – erfolglos. Der heute 66-Jährige konnte fast sein halbes Leben untertauchen und versteckte sich so erfolgreich, dass die Polizei Miamis anfangs nicht mal wusste, wer ihr da ins Netz gegangen war.

«Man nennt ihn den Geist.»Carl Zogby, Polizeichef von Hialeah, Miami

Mustelier wurde vergangenen Sonntag ohne öffentliches Aufsehen verhaftet. Die verantwortlichen Polizisten von Hialeah, einem Vorort Miamis, merkten erst im Laufe der Ermittlungen gegen eine Gruppe von Juwelenräubern, dass sie einem der meistgesuchten Verbrecher, ja einer kriminellen Legende, auf den Fersen waren.

Auftragskiller, Räuber, TV-Berühmtheit: Mustelier auf einem Fahndungsbild von 1995. (Bild: Miami New Times)

Mustelier hat unter Kriminellen und der Polizei nicht nur Legendenstatus, weil er so viele Jahre unsichtbar blieb. Der gebürtige Kubaner war laut Behörden auch einer der gefürchtetsten Auftragskiller in Miami in den 80er- und 90er-Jahren. Damals wurde die Stadt vom Kokain des Medellín-Kartells von Pablo Escobar überflutet, dem wohl berühmtesten Drogenboss der Geschichte. Für ihn soll Mustelier 1989 einen Geschäftsmann, der Geld vom Kartell unterschlug, ermordet haben.

Berühmtheit erlangte Anibal Mustelier aber als vermeintlicher Drahtzieher von einem der grössten Raubüberfälle in der Geschichte Floridas. 1996 erbeutete er zusammen mit Partnern mehr als fünf Millionen Dollar aus der Suntrust Bank in Miami, was ihm die Hauptrolle in einer Episode der populären TV-Sendung «America’s Most Wanted» (Amerikas meistgesuchte Verbrecher) einbrachte. Laut Polizei gab es einst auch Hinweise darauf, dass er als Attentäter für die kubanische Regierung Fidel Castros arbeitete.

Hat sein Aussehen stark verändert: Mustelier nach seiner Verhaftung. (Bild: Miami New Times)

Trotz zahlreichen Hinweisen, Ermittlungen und öffentlichen Haftbefehlen konnte «der Geist» nie gefasst werden. Es wird vermutet, dass sich Mustelier lange in Kuba und vielleicht auch Venezuela versteckt hielt. 2001 wurde er beim Besuch von Verwandten in Florida erkannt, konnte aber vor dem Eintreffen der Polizei verschwinden. Es musste wohl ein Zufall her, der nun zu seiner Verhaftung führte.

Durch Zufall: Wie Miamis Polizei Anibal Mustelier auf die Schliche kam. (Video: CBS Miami)

Mustelier war Teil einer Gangstergruppe, die vor kurzem in einen Juwelierladen in Hialeah einbrach und Schmuck im Wert von 160’000 Dollar stahl. Ein Informant half der Polizei, Gespräche mit den mutmasslichen Dieben aufzuzeichnen. Anhand der Stimmenanalyse wurde «der Geist» enttarnt. Kurze Zeit später stürmten Polizisten seine Wohnung und fingen damit den grössten «Fisch» ihrer Karriere.

Erstellt: 20.08.2016, 20:08 Uhr

Artikel zum Thema

Der Patron des Bösen

Geschichte Pablo Escobar war der mächtigste Drogenboss aller Zeiten. Vor 20 Jahren starb der Kolumbianer, der durch Kokainhandel reich geworden war. Eine Eliteeinheit hatte ihn in einem Reihenhäuschen aufgespürt. Mehr...

«Ein enger Freund von Pablo Escobar»

Vor zwanzig Jahren wurde der mächtigste Drogenboss aller Zeiten erschossen. Sein Leben wirft bis heute einen Schatten auf Kolumbiens populärsten Politiker: Ex-Präsident Álvaro Uribe. Mehr...

Teenager ermordet im Badesalz-Rausch Ehepaar

Nach dem Konsum von Drogen dreht ein amerikanischer Student durch. Er ermordet ein Ehepaar und verbeisst sich ins Gesicht des Mannes. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...