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Der Notruf kam um 8.20 Uhr

Als heute Morgen die Merlin, ein 51 Meter langes Kranschiff, auf dem Rhein bei Basel zu kippen begann, nahm das Unheil seinen Lauf.

Hier rammt das Kreuzfahrtschiff Olympia das gekenterte Baggerschiff.

Der Notruf kam um 8.20 Uhr: Die Merlin, ein 51 Meter langes Kranschiff einer Birsfelder Reederei, war in Seenot geraten und drohte zu kentern. Das Kranschiff, das via Stützen im Rheinboden verankert war, wurde von der starken Strömung des Rheins weggespült. Das mit Kies beladene Schiff hatte bereits starke Schlagseite, als die Rettungskräfte die havarierte Merlin erreichten, die manövrierunfähig flussabwärts gespült wurde.

Drei Besatzungsmitglieder wurden in letzter Minute vom herbeigeeilten Polizeiboot aufgenommen. Denn plötzlich ging alles ganz schnell: Das bereits stark gekrängte Schiff kippte innert weniger Sekunden komplett. «Das ist keine zehn Sekunden gegangen», berichtet ein Augenzeuge gegenüber Redaktion Tamedia. Während des Kenterns der Merlin noch immer an Bord: der Kapitän. Wie auf einem drehenden Fass balancierte der Mann auf dem sich aus dem Wasser hebenden Rumpf des Schiffs. Erst danach wurde auch er gerettet.

Eine unvermeidliche Kollision?

Auf der Höhe des ehemaligen Migrol-Areals haben sich dann die hohen Kranaufbauten der Merlin im Rheinboden verkeilt und stoppten das 500 Tonnen schwere Schiff. Damit war das Schlimmste überstanden, hätte man meinen können. Zu diesem Zeitpunkt hat allerdings das Hotelschiff MS Olympia einige Hundert Meter rheinaufwärts längst abgelegt. Rund 100 Passagiere freuten sich auf eine Flusskreuzfahrt nach Köln.

Bereits von weitem konnten die Passagiere die Havarie und die dramatische Rettungsaktion mitbeobachten. Auch der Kapitän sah das drohende Unheil frühzeitig kommen und versuchte verzweifelt, eine Kollision zu verhindern. Das Manöver auf dem stark strömenden Fluss misslang jedoch: Die Olympia kollidierte seitlich mit dem eben erst gekenterten Baggerschiff. Durch die Wucht des Aufpralls löste sich die Verkeilung des Krans.

Die beiden Schiffe trieben weiter und kollidierten mit einem weiteren am Ufer vertäuten Hotelschiff. Polizisten an Land forderten die rund 50 Passagiere der Lafayette auf, das Schiff zu verlassen. Der Alarm wurde ausgelöst und die Passagiere legten die Schwimmwesten an – und gingen erst dann an Land. «Es herrschte das pure Chaos», berichtete ein Augenzeuge. Die Taue, mit denen das kleine Hotelschiff an Land festgemacht war, drohten nach der zweiten Kollision zu reissen. Ich hörte, wie sie knirschten, und rannte davon, sagt ein Augenzeuge. Die dicken Taue haben jedoch gehalten.

Kreuzfahrten gestoppt

Der Olympia gelang es anschliessend aus eigener Kraft, am Dreiländereck anzulegen, während das havarierte Kranschiff vom Schlepper «Vogel Gryff» stabilisiert wurde. Weder bei der Havarie der Merlin noch bei der Kollision mit den beiden Hotelschiffen gab es Verletzte. Die Passagiere konnten bald wieder auf die Schiffe zurückkehren. Die Kreuzfahrten sind aber vorerst zu Ende, bevor sie begonnen haben: Die beiden Schiffe müssen zuerst auf Schäden untersucht werden. Ob sie heute ihre Fahrt wieder aufnehmen können, ist noch unklar.

Ebenfalls unklar sind die Gründe der Havarie der Merlin. Das Baggerschiff ist inzwischen mit Stahlseilen gesichert. Wann der gekenterte Koloss geborgen wird, konnte die Polizei am Montag noch nicht sagen. Aus der havarierten Merlin ist zudem Dieselöl ausgelaufen und flussabwärts getrieben. Über den Grad der Verschmutzung des Rheins konnte die Polizei aber ebenfalls noch keine Angaben machen. Der Rhein war während Stunden für die Schifffahrt gesperrt.

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