Der Tod des Torero wird gefeiert

Víctor Barrio starb in der Stierkampfarena. Gegner der Tradition gratulieren dem Bullen.

Víctor Barrio wird aus der Arena von Teruel getragen. Foto: EPA, Keystone

Víctor Barrio wird aus der Arena von Teruel getragen. Foto: EPA, Keystone

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Der 500 Kilogramm schwere Stier Lorenzo beendete am Samstagabend vor laufenden Fernsehkameras das Leben von Víctor Barrio: Bei einem als «Muletazo» bekannten Manöver wurde der Torero vom Tier in die Luft ­geschleudert und danach von dessen Horn erfasst. Das Horn bohrte sich mitten ins Herz, dem 29-jährigen Barrio war auch im Spital nicht mehr zu helfen. Die Corrida in Teruel in Aragonien war live im Fernsehen übertragen worden.

Todesfälle sind selten

Kurze Zeit danach wurden Twitter und Barrios eigene Facebook-Seite mit Postings von Stierkampfgegnern überschwemmt: Sie bezeichneten das Unglück als «Berufsrisiko» oder als «Karma», gratulierten dem Stier zu seiner Gegenwehr oder wünschten sich gar weitere Tode von Toreros, wie Medien gestern berichteten: «Mögest du im Leben nach dem Tod ständig von Stieren attackiert werden, damit du den Schmerz fühlst, aber nicht sterben kannst», schrieb etwa eine Holländerin auf Barrios Facebook-Seite. Neben den unzähligen Hater-Kommentaren gingen die wenigen Beileidsbekundungen unter. Die Seite wurde gestern vom Netz genommen.

Todesfälle in der Stierkampfarena sind sehr selten; zuletzt waren in den Jahren 1984 und 1985 zwei Toreros in spanischen Arenen von Kampfstieren getötet worden. Im Jahr 1992 kamen zwei Banderilleros (Gehilfen von Toreros) bei Stierkämpfen in Spanien zu Tode.

Kampf der Corrida

Gemäss «The Telegraph» sind Verletzungen hingegen sehr verbreitet: 2013 wurden 31 Toreros und 16 Picadors oder Banderilleros von Stieren aufgespiesst und erlitten Verletzungen. Auch in Pamplona, wo wieder Hunderte am traditionellen Stierlauf teilnehmen, sind gestern mindestens zwei Männer von Bullenhörnern aufgespiesst worden. Einer davon wurde im Nacken lebensgefährlich verletzt.

Im letzten Jahr hatte der neu gewählte Bürgermeister von Pamplona angekündigt, die Öffentlichkeit zum Thema zu be­fragen. Auch in anderen Regionen des Landes wird der Corrida der Kampf angesagt: In Alicante will die Regierung ein Referendum dazu abhalten, auf den Balearen hat sich das Parlament in diesem Winter für ein Verbot ausgesprochen, und in Madrid stehen Subventionen für das Spektakel auf dem Prüfstand. In Katalonien ist der Stierkampf ­bereits seit 2012 verboten.

Der König geht nicht hin

Der Todesstoss für den Stierkampf wird allerdings vom Volk kommen: Die Arenen verzeichnen immer weniger Eintritte. Und seit den letztjährigen Lokalwahlen mit vielen linken Siegern bleiben die Ehrenplätze für die Bürgermeister meist unbesetzt. Die linken Politiker sind damit in bester Gesellschaft: Auch König Felipe ist, anders als sein Vater Juan Carlos, selten bis nie an einer Corrida anzutreffen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2016, 07:49 Uhr

Alle für einen: Schweigeminute für Victor Barrio in Pamplona. Foto: Susana Vera (Reuters)

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