Auch im Schweizer Bier steckt Unkrautvernichter

Trinken Sie gern Bier? Vor einigen Wochen sind in Deutschland Rückstände von Pestiziden in diversen Biersorten gefunden worden. Jetzt auch bei uns.

Zwölf von 30 getesteten Biersorten enthielten Rückstände des Pestizids Glyphosat: Ein Eishockey-Fan gönnt sich ein Bier.

Zwölf von 30 getesteten Biersorten enthielten Rückstände des Pestizids Glyphosat: Ein Eishockey-Fan gönnt sich ein Bier. Bild: Symbolbild/Keystone

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Das Magazin «Gesundheitstipp» hat 30 Schweizer Biere auf Spuren des Totalherbizids Glyphosat getestet, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als erbgutschädigend und «wahrscheinlich krebserregend» einstuft. Das Ergebnis: Zwölf Biersorten enthielten Rückstände des Unkrautvernichters.

Auf dem ersten Platz landet dabei das Prix-Garantie-Bier von Coop, das mit 21 Mikrogramm Glyphosat pro Liter fast zweimal so viel Pestizid-Rückstände enthält wie das zweitplatzierte Guinness Draught (13 Mikrogramm). Unter den Spitzenreitern befindet sich sogar ein Bier mit Bio-Knospe: Der sechste Platz geht mit 6,7 Mikrogramm Glyphosat ans «Biera Engiadinaisa cler» aus dem Engadin.

«Hat im Bier nichts zu suchen» oder «unbedenklich»?

Der «Gesundheitstipp» hat auch Reaktionen der Bierhersteller eingeholt. Pressesprecher Urs Meier von Coop verweist auf die Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, das Spuren von Glyphosat «als gesundheitlich unbedenklich eingestuft» habe. Die Vereinigung der Glyphosat-Hersteller versichert dem Gesundheitsmagazin, das Pestizid sei «kein inakzep­tables Risiko für Mensch und Umwelt». Und Bio Suisse teilt mit, dass es abklären werde, wie Glyphosat in ein Bio-Knospen-Bier gelangen konnte.

Gemäss deutschen Behörden sind bis zu 30 Mikogramm Glyphosat pro Liter unbedenklich, wie der «Blick» schreibt. Erst wenn eine erwachsene Person 1000 Liter Bier pro Tag trinken würde, werde es gefährlich.

Gegen diese beschwichtigenden Aussagen stellt sich Peter Kälin, Präsident des Vereins Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. Er sagt gegenüber «Gesundheitstipp» klar: «Glyphosat hat im Bier nichts zu suchen.» Es sei beunruhigend, in wie vielen Lebensmitteln man das Pestizid schon nachgewiesen habe.

Ein beliebter, aber gefährlicher Unkrautvernichter

Der Biotech-Konzern Monsanto hat mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat seit fast 40 Jahren viel Geld verdient. Das US-Unternehmen hat das Pestizid zusammen mit Gentechsaatgut zum weltweit führenden Kombinationsprodukt der Landwirtschaft entwickelt. Dies hat Millionen Bauern von Monsanto abhängig gemacht und den Konzern selber in eine Mühle zwischen zunehmend resistentem Unkraut, billiger Konkurrenz aus China und tiefen Margen geraten lassen.

Zusätzlich droht Monsanto seit letztem Jahr erstmals Gefahr im Heimmarkt in den USA: Kalifornien setzte als erster US-Bundesstaat das Spritzmittel auf die Liste krebserregender Substanzen. Schwer erkrankte Landarbeiter gingen vor Gericht gegen Monsanto vor. (mch)

Erstellt: 13.04.2016, 18:49 Uhr

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