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Die Kälte legt den Süden lahm

Süditalien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Montenegro sind zunehmend von der ungewohnten Kälte betroffen. Serbien schliesst Schulen und Behörden, Montenegro ruft den Notstand aus.

So kalt wie schon lange nicht mehr: Fischerboote am Ufer des Dojran-Sees im Süden von Mazedonien. (11. Februar 2012)
So kalt wie schon lange nicht mehr: Fischerboote am Ufer des Dojran-Sees im Süden von Mazedonien. (11. Februar 2012)
Reuters
Fischer schlagen Löcher ins Eis des gefrorenen Dojran-Sees in Mazedonien, um die Fische zu retten.
Fischer schlagen Löcher ins Eis des gefrorenen Dojran-Sees in Mazedonien, um die Fische zu retten.
Reuters
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Mustafa Ozer, AFP
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Die Kältewelle, die Italien seit Anfang Februar im Griff hält, belastet immer stärker auch südliche Teile des Landes. Auch grosse Teile der Balkanhalbinsel verzeichneten am Samstag heftige Schneefälle. In der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica fiel bei den stärksten Schneefällen seit 63 Jahren ein halber Meter Schnee. Strassen mussten gesperrt werden und der Flughafen der Hauptstadt blieb am Samstag geschlossen.

Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus. Der Nationale Sicherheitsrat unter Führung von Staatspräsident Filip Vujanovic habe einen entsprechenden Beschluss gefasst. Damit werden Behörden und Unternehmen dem Innenministerium unterstellt. Mit Arbeitsverpflichtungen soll die Versorgung mehrerer tausend Menschen ermöglicht werden, die in vielen Dörfern von der Aussenwelt abgeschnitten sind. Ein Ziel des Ausnahmezustandes im ganzen Land ist die Stromreduzierung, da das Netz wegen der extremen Kälte und dem hohen Verbrauch zusammenzubrechen droht.

Schulen und Behörden eine Woche geschlossen

In Serbien und Bosnien-Herzegowina dürfen Schüler und Studenten nach der freien vergangenen Woche auch in den kommenden sieben Tagen zu Hause bleiben, beschlossen die Regierungen beider Länder.

In Serbien waren 50'000 Menschen eingeschneit, wie der Leiter des Notfallstabes, Predrag Maric, am Samstag in Belgrad mitteilte. 19 Kältetote seien bisher seit Beginn der Extremtemperaturen zu beklagen. Unzählige Strassen seien nach wie vor nicht zu befahren.

Um Strom zu sparen, bestimmte die serbische Regierung die nächste Woche als arbeitsfrei. Staatsunternehmen und Behörden bleiben geschlossen, private Firmen sollten ihren Mitarbeitern ebenfalls freigeben. Es bestehe die Gefahr eines Kollapses des Stromsystems, begründeten die Behörden ihren Schritt. Heizkraftwerke liefen an ihren Kapazitätsgrenzen.

Auch in Kroatien sperrten die Behörden wegen starken Winds und heftigen Schneefalls zahlreiche Strassen an der Adriaküste. Selbst auf einigen Inseln fiel Schnee. Rund 3000 Haushalte waren am Samstag von der Stromversorgung abgeschnitten.

Chaos im italienischen Flugverkehr

In Italien sorgte heftige Schneefälle für Chaos im Flugverkehr. Auf dem römischen Flughafen Fiumicino wurden nach heftigen Schneefällen am Samstag 60 Flüge gestrichen. Am Freitagabend waren bereits 20 Flüge gestrichen worden, 2000 Passagiere mussten die Nacht am Flughafen verbringen.

Auch auf dem römischen Flughafen Ciampino wurden Engpässe und Verspätungen gemeldet. Die Flughäfen von Rimini und Alghero auf Sardinien wurden geschlossen. Bei den Bahnverbindungen kam es in mehreren Regionen des Landes zu erheblichen Schwierigkeiten.

Auch Süditalien betroffen

Das extreme Winterwetter belastet verstärkt auch Süditalien. In Neapel wurden alle Kirchen offen gehalten, um Obdachlosen Schutz zu bieten. Schnee wurde sogar auf der Insel Pantelleria zwischen Sizilien und Tunesien, sowie in Kalabrien gemeldet.

Das eisige Winterwetter führte in Italiens Serie A zu zwei weiteren Spielabsagen. Die für Sonntag angesetzten Fussball-Partien FC Bologna gegen Juventus Turin und FC Parma gegen AC Florenz wurden verschoben.

Eisbrecher im Dauereinsatz im Asowschen Meer

Die Situation der eingefrorenen Schiffe im Asowschen Meer ist nach wie vor kritisch. Während die Meerenge von Kertsch, die das Schwarze Meer und das Asowschen Meer verbindet, von russischen Eisbrechern freigemacht wurde, liegen im Asowschen Meer immer noch 70 Schiffe fest, wie die Novayagazeta.ru berichtet.

In der kommenden Woche sollen alleine von russischer Seite acht Eisbrecher im Dauereinsatz fahren, um eine Schiffsrinne zu den russischen Häfen Rostow am Don und Taganrog vom Zufrieren freizuhalten. Die Ukraine und Russland haben Zugang zum Asowschen Meer. Seit 1977 hat es eine Rekordkälte wie in den vergangenen drei Wochen dort nicht mehr gegeben. Nachts fallen die Werte auf minus 20 Grad, am Tag werden nicht mehr als minus 13 Grad gemessen.

Vergnügen in Hamburg

Freude bereitete die Kälte hingegen vielen Bewohnern Hamburgs. Auf der zugefrorenen Hamburger Aussenalster tummelten sich am Samstagnachmittag rund 100'000 Menschen. 15 Jahre nach dem letzten offiziellen Alstereisvergnügen versuchten sie sich als Schlittschuhläufer, spielten Eishockey oder zogen ihre Kinder auf Schlitten über den 164 Hektar grossen See mitten in der Stadt.

Auf den Maschsee in Hannover wagten sich am Samstag ebenfalls Schlittschuhläufer und Familien mit Kinderwagen. Für das ganze Wochenende wurden mehr als 100'000 Besucher erwartet.

Auf Deutschlands Wasserstrassen stecken derweil immer mehr Frachtschiffe im Eispanzer fest. Auf den Kanälen in Nordrhein- Westfalen war der Betrieb beinahe komplett lahmgelegt.

(sda/dapd)

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