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Die Reuss wird zum heiligen Fluss

Wie in Indien Tradition, dürfen Luzerner Hindus nun ebenso die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen ins Wasser streuen. Einen eigentlichen Beisetzungstourismus will man aber verhindern.

«Eine Beisetzung in der Heimat ist mit einem grossem finanziellen Aufwand verbunden»: Saseetharen Ramakrishana Sarma, Hindu-Priester. (Video: Keystone)

Der Ort am rechten Reussufer, unterhalb der St.-Karli-Strasse in Luzern, soll in erster Linie für die Beisetzung von in Luzern wohnhaften Hindus genutzt werden, sagte Stadtpräsident Urs W. Studer am Montag vor den Medien. Deshalb werde bewusst auf eine eigentliche Stätte oder ein Schild verzichtet.

Die Beisetzungsstelle liegt am Uferweg auf einem städtischen Grundstück. Sie kann durch den Garten des reformierten Gemeindehauses Myconius oder durch eine öffentliche Treppe erreicht werden.

Der kantonale Gewässerschutz limitierte ebenso die Anzahl der Beisetzungen auf maximal zwanzig pro Jahr. Bei kommerzieller oder starker Nutzung würde dieser einschreiten, sagte Studer. Auf Grund der Bevölkerungszahlen und den Erfahrungen rechnet er, dass pro Jahr fünf bis zehn Beisetzungen durchgeführt werden.

Ritual im kleinen Rahmen

Für Hindus haftet dem Tod eine spirituell verunreinigende Wirkung an. Deshalb kremieren sie ihre Verstorbenen statt sie zu begraben. In Luzern findet die Verbrennung im Krematorium Friedental statt.

Die Verbrennung trägt gemäss Hinduglauben auch dazu bei, dass die unzerstörbar gedachte Seele sich leichter vom Körper lösen kann. Danach wird die Asche der Verstorbenen in ein bewegtes Gewässer gegeben. Dieses soll die Seele für die Wiedergeburt reinigen.

Nun also können die Luzerner Hindus in einer Trauerzeremonie die Asche zusammen mit Blütenblättern und Reisbällchen an einem festen Ort in die Reuss streuen. Das Ritual finde jeweils vormittags statt und daure maximal zwanzig Minuten, sagte Studer. Nur die engsten Angehörigen - also höchstens zwanzig Personen - würden dabei sein.

Die Möglichkeit besteht auch, dass die Hindus die Abschiedsfeier in einem Saal des Myconiushauses halten und anschliessend die Asche des Verstorbenen in die Reuss streuen.

Ein Zeichen der Integration

Die Eröffnung dieser Beisetzungsstelle sei ein lebendiges Zeichen für das friedliche Miteinander und die wechselseitige Bereicherung unter den Religionen in Luzern, sagte Hans-Ruedi Kleiber im Namen der katholischen und reformierten Kirche der Stadt Luzern.

Zwar ist es im Kanton Luzern grundsätzlich erlaubt, die Asche von Verstorbenen im Freien zu verstreuen; pro Jahr werden mehr als 100 Urnen von Angehörigen mitgenommen. Es sei ein Zeichen des Willkommenseins und der Integration, dass nun auch die Hindus einen festen Ort für die Beisetzung erhielten, sagte Studer.

Hindupriester klopfte bei der Stadt an

Bis anhin bewahrten die meisten Hindus die Asche der Verstorbenen zu Hause auf oder brachten sie – unter schwierigen Bedingungen – in ihre alte Heimat zurück. Ein Urnentransport nach Sri Lanka sei teuer und an viele Auflagen gebunden, sagte der Luzerner Hindu-Priester Saseetharen Ramakrishna Sarma.

Sarma fragte deshalb die Stadt an, ob und wo die Beisetzung von Verstorbenen in Luzern möglich sei. Zusammen mit der katholischen und reformierten Kirche evaluierte diese den Ort in der Nähe der katholischen St.-Karli-Kirche, wo sich auch ein kleiner Tempel der Hindus befindet. In der Schweiz soll es das erste Mal sein, dass eine Behörde den Hindus einen Bestattungsplatz zugesteht.

Im Kanton Luzern leben grob geschätzt 2500 Menschen hinduistischen Glaubens. Sie sind grösstenteils Tamilen, die während des Krieges aus Sri Lanka flüchteten. Rund die Hälfte davon wohnt in der Stadt Luzern.

SDA/omue

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