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Die Spuren im illegalen Goldhandel führen in die Schweiz

In Italien machen viele von der Wirtschaftskrise betroffene Menschen ihren Familienschmuck zu Bargeld. Der illegale Handel mit Gold und Silber boomt. Die Polizei hat bereits 163 Millionen Euro beschlagnahmt.

Die Schweiz ist die erste Adresse, um das Gold zu barer Münze zu machen: Banknoten und Goldbarren in der Zürcher Kantonalbank. (Archivbild)
Die Schweiz ist die erste Adresse, um das Gold zu barer Münze zu machen: Banknoten und Goldbarren in der Zürcher Kantonalbank. (Archivbild)
Keystone

Die italienische Polizei hat im Zusammenhang mit illegalem Handel von Gold und Silber 118 Personen angezeigt und 163 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Ermittlungen richten sich gegen eine kriminelle Organisation mit Verankerung in der Schweiz. Es geht unter anderem auch um Geldwäscherei, Hehlerei und Steuerbetrug. Allein in diesem Jahr habe die Organisation 4500 Kilo Gold und 11'000 Kilo Silber im Gegenwert von 183 Millionen Euro gehandelt, erklärte die italienische Polizei. Nach ihren Angaben wurden in ganz Italien 259 Durchsuchungen durchgeführt und über 500 Bankkonten blockiert.

Berichte in Tessiner Medien, wonach 12 der 118 Beschuldigten Tessiner seien, wollte Polizeimajor Alessandro Langella, Leiter der der Abteilung für Steuervergehen bei der Finanzpolizei in Neapel, heute gegenüber der Nachrichtenagentur sda nicht bestätigen. Er verwies darauf, dass die Ermittlungen noch andauerten.

Von der Schweiz aus gesteuert

Gemäss Langella wurden die Geschäfte aber von der Schweiz aus gesteuert. In Italien gab es demnach «Filialen» in elf Regionen, vor allem in der Toskana und in der Region um Neapel (Kampanien).

Zum Kauf des Goldes seien zunächst Schwarzgelder in grossen Noten nach Italien geschmuggelt worden. Das eingekaufte Gold sei wiederum «auf betrügerische Weise» in die Schweiz gebracht worden, wo es zu Barren gegossen worden sei, sagte Langella. Gemäss der Mitteilung der Finanzpolizei benutzten die Schmuggler dafür eigens umgebaute Autos mit doppelten Böden.

«Fort Knox» beschlagnahmt

Im Rahmen der Ermittlungen wurde auch ein Anwesen nahe der toskanischen Stadt Arezzo beschlagnahmt, die der Organisation als Stützpunkt diente. Die Villa war derart geschützt, das die Polizei diese «Fort Knox» nannte. Durchsucht wurden weiter mehrere Gold-Ankaufslokale in ganz Italien.

In Italien machen immer mehr von der Wirtschaftskrise betroffene Menschen ihren Familienschmuck zu Bargeld. Das Geschäft mit den Gold-Ankaufslokalen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Die Branche ist ungeregelt und die Behörden vermuten, dass die Ankäufer zum Teil von der organisierten Kriminalität kontrolliert werden.

«Das ist eine boomende Branche für kriminelle Organisationen. Geschmuggeltes Gold überschwemmt die ganze Welt, vor allem Länder, in denen es gegen Waffen und Drogen getauscht wird», sagt Ranieri Razzante, Leiter der Anti-Geldwäscheorganisation AIRA, im August gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Angaben der Polizei stammte das jetzt beschlagnahmte Gold und Silber aber nicht nur von Goldhändlern. Ein Teil der beschlagnahmten Schmuckstücke und Preziosen stamme auch von Einbrüchen. Die Verdächtigen hätten das Diebesgut den Dieben mit ihrem Schwarzgeld abgekauft.

Goldgrube Schweiz

Für die italienischen Goldhändler aller Couleur ist die Schweiz die erste Adresse, um das Gold zu barer Münze zu machen. Denn ein Grossteil des Goldes aus Italien gelangt über die Alpen in die Schweiz – ob legal oder als Schmuggelware. Gold ist derzeit die italienische Exportware mit den höchsten Zuwachsraten.

Gemäss offiziellen Zahlen wurden im vergangenen Jahr legal 120 Tonnen italienischen Goldes in die Schweiz verkauft, verglichen mit 73 Tonnen im Jahr 2010 und 64 Tonnen im Jahr 2009 – Schmuggelware nicht mitgerechnet. Die vom Zoll beschlagnahmten Goldmengen stiegen nach offiziellen Zahlen um 50 Prozent.

(SDA)

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