Die Trösterin der Stiere

Die Tierschützerin Virginia Ruiz half einem sterbenden Stier in der Arena.

Die 38-jährige Spanierin lief quer über den Platz und umarmte den sterbenden Stier. (Video: Youtube)


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«Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, wäre ich nicht gesprungen», sagt Virginia Ruiz, aber sie sagt es mit einem Lachen. Sie ist jetzt eine offizielle Heldin: eine «Heldin für die Tiere». Den Ehrentitel hat ihr die Tierschutzorganisation Peta verliehen, und den will sich die 38-jährige Spanierin nicht nehmen lassen. Sie ist gesprungen, an jenem 13. August in Málaga, ins Rund der Stierkampfarena La Malagueta, in der soeben ein junger Stier zuschanden gestochen worden war. Sie sprang, einem Impuls folgend: «Ich hörte das Stöhnen des Stiers. Der Stier suchte mit dem Blick jemanden, der ihm Freund war, und fand niemanden. Ich konnte nicht anders und sprang in das Rund.» Sie lief quer über den Platz und umarmte das sterbende Tier.

Die Geste hat der Tierarzthelferin viel Bewunderung und einigen Spott eingebracht. Eine Mitstreiterin des Colectivo Antitaurina aus dem benachbarten Marbella filmte die Aktion und veröffentlichte das Video bei Youtube, wo es bis heute mehr als eine Million Mal angeklickt worden ist. «Virginia Ruiz repräsentiert eine neue Gesellschaft, die das Nichttolerierbare nicht toleriert», schrieb eine begeisterte Kolumnistin in der Netzzeitung Eldiario.es. Während ein Kommentator des «Periodista Digital» im Gegenteil fand, Ruiz habe mit ihrer «Hanswurstiade» doch nur «ihre Minuten des Ruhms» gesucht.

Ob gesucht oder nicht, der Ruhm hat die 38-Jährige ereilt, als erste Frau, die allein in eine Stierkampfarena stürmt, um gegen das atavistische Spektakel zu protestieren. Der Eintritt war an diesem Nachmittag frei, und Ruiz, seit längerem Aktivistin gegen die Tauromaquia, besuchte die Arena, um wie schon zu anderen Gelegenheiten Fotos zu schiessen: als Belege für die Quälerei auf dem Sand. Dann sprang sie auf.

Die Bilder von ihrer Aktion haben vor allem in der angelsächsischen Welt Furore gemacht. In Spanien sind die Menschen der Stierkampf­debatte etwas müde. Die wenigsten interessieren sich noch für die Toros: Weder gehen sie in die Arena, noch protestieren sie dagegen. Am selben Tag, als Virginia Ruiz in Málaga den Stierkampf­betrieb störte, besuchte Alt-König Juan Carlos eine Corrida in San Sebastián. Die Tauromaquia sei «ein Gut Spaniens, das wir unterstützen müssen», sagte der Ex-Monarch. Aber kaum einer hört auf ihn. Wer sich das Video von Virginia Ruiz als Stiertrösterin anschaut, sieht gähnend leere Ränge in der 9000 Menschen fassenden Arena von Málaga.

Doch die Tierschützer wollen nicht darauf warten, dass der Stierkampf von ganz allein an Altersschwäche stirbt. Sie wollen ihm den Todes­stoss versetzen, so bald wie möglich. «Wir werden nicht aufhören und weiterkämpfen», sagt Virginia Ruiz. Spaniens Arenen können sich auf ihren nächsten Sprung gefasst machen.

Erstellt: 27.08.2015, 22:54 Uhr

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