Zum Hauptinhalt springen

Die «Weltwoche» versteht Aufregung nicht

Das aktuelle Titelbild der «Weltwoche» zieht weitere Anzeigen aus dem In- und Ausland nach sich. Ein Mitglied der Chefredaktion hat nun Stellung genommen.

Gegen ihn und sein Blatt sind innerhalb weniger Tage mehrere Anzeigen eingegangen: «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. (Archivbild)
Gegen ihn und sein Blatt sind innerhalb weniger Tage mehrere Anzeigen eingegangen: «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. (Archivbild)
Keystone

Nach diversen Strafanzeigen gegen die «Weltwoche» wegen des Titelbildes eines Roma-Kindes mit gezückter Pistole nimmt jetzt ein Verantwortlicher der «Weltwoche» Stellung. Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor, versteht die Empörung nicht: «Das Coverbild symbolisiert den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen.»

Keiner der Empörten habe sich auch nur mit einem Wort gegen den Missbrauch dieser Kinder ausgesprochen, die nicht nur Täter, sondern auch Opfer seien. «Das ist, wenn schon, der Skandal», so Gut gegenüber der «SonntagsZeitung».

Vor allem in Österreich sorgte der Artikel und insbesondere das Titelblatt für Aufregung. Ein Wiener Journalist hat den «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel wegen Hetze angezeigt. Auch in der Schweiz und Deutschland wurden Strafanzeigen erhoben. In Deutschland soll laut Berichten im Internet Dirk Hegemann, Sprecher des Bündnisses «Rechtspopulismus stoppen!», Anzeige erstattet haben; in der Schweiz eine Privatperson aus dem Kanton Basel-Land.

Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher

Einer der Kläger ist der österreichische Journalist Klaus Kamolz. Er will mit der Anzeige ein «symbolisches Zeichen» gegen die in seinen Augen durch die «Weltwoche» betriebene «Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher» setzen. Dies sagte er am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Foto wurde im Kosovo aufgenommen

Kamolz will auch, dass die österreichischen Behörden von sich aus aktiv werden, handle es sich doch beim Tatbestand der Verhetzung nach österreichischem Recht um ein «Offizialdelikt». Über die Anzeige von Kamolz hatten «Bund» und «Tages-Anzeiger» in ihrer Samstagsausgabe berichtet.

Inzwischen wurde zudem bekannt, woher das umstrittene Titelbild stammt: Das Foto stammt vom italienischen Fotografen Livio Mancini. Es wurde gemäss Bildbeschrieb auf seiner Internetseite im Jahr 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen.

Livio Mancini wusste nichts von der Verwendung seines Fotos

Mancini hat nach der Publikation etliche E-Mails bekommen. Er lässt nun abklären, wie die «Weltwoche» zu diesem Bild gekommen ist. «Ich habe keinen Kontakt zu diesem Magazin und hatte keine Kontrolle darüber, in welchem Kontext sie das Bild verwendeten», sagt er gegenüber dem «Sonntag». Roger Köppel war am Samstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch