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«Die wollen 200'000, mach nichts falsch»

Eine 31-Jährige steht vor Gericht, weil sie ihren Sugar-Daddy um mehr als 1,6 Millionen Euro erleichtert haben soll.

Sugar-Baby wollte mehr und steht jetzt vor Gericht. Das Landgericht in Bonn. Bild: Wolfgang Rattay/Reuters
Sugar-Baby wollte mehr und steht jetzt vor Gericht. Das Landgericht in Bonn. Bild: Wolfgang Rattay/Reuters

Der «Sugar-Daddy» hat es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht. So werden demnach Männer genannt, «die eine in der Regel sexuell geprägte längerfristige Beziehung zu deutlich jüngeren Partnerinnen oder Partnern – den ‹Sugar-Babys› – unterhalten, die dafür eine materielle Gegenleistung erhalten». Damit die Sugar-Daddys zu ihren Sugar-Babys kommen, gibt esim Internet Dating-Plattformen, auf denen sich Daddys – gern unter Einbezug ihrer schönen Autos oder Segeljachten – und stets makellos gestylte Babys präsentieren. Eine Win-win-Situation, könnte man meinen: Jeder bekommt, was er sich wünscht.

Leider verlaufen solche Beziehungen nicht immer zuckersüss. Das zeigt ein Prozess, der gestern vor dem Landgericht Bonn begann. Angeklagt sind eine 31-jährige Deutsche irakischer Abstammung, ein 27-jähriger Pole und ein 36-Jähriger, der die irakische und italienische Staatsbürgerschaft besitzt. Die 31-Jährige ist laut Anklage 2014 über eine Sugar-Daddy-Plattform mit einem Mann in Kontakt getreten, der sie in den folgenden drei Jahren «insbesondere für sexuelle Dienstleistungen grosszügig finanziell unterstützte». 2015 habe sie dann den Angeklagten Brajan M. kennen gelernt und mitihm ihren Sugar-Daddy, Geschäftsführer eines Telekommunikationsunternehmens, nach und nach um mehr als 1,6 Millionen Euro erpresst unter dem Vorwand, sie sei von Rockern entführt worden und werde misshandelt und bedroht.

«Ich wurde mitgenommen, mach, was sie sagen, sie haben mir die Nase gebrochen, mach nichts falsch», habe sie ihrem Sugar-Daddy per SMS geschrieben, oder: «Die wollen noch 200'000, wenn du Nein sagst, passiert was ganz Schlimmes, ich hab Videos gesehen, wie die jemanden quälen.»

Angeklagte im Zeugenschutz

Sugar-Daddy, so die Anklage, habe gezahlt und gezahlt, mal 10'000 oder 20'000, mal 200'000 oder 300'000 Euro. Ende 2018 habe das Sugar-Baby dann einen neuen Mann kennen gelernt, den dritten Angeklagten, mit dem sie das erprobte Geschäftsmodell weitergeführt habe. So hätten sie den Sugar-Daddy, unter anderem mit der Drohung, ihm einen Finger abzuschneiden, um weitere 250'000 Euro erleichtert.

Im Gerichtssaal sitzen die beiden Männer durch eine Panzerglasscheibe von ihrer Mitangeklagten getrennt. Sugar-Baby hat dem Vernehmen nach schon im Ermittlungsverfahren umfassend ausgepackt und will auch im Prozess aussagen. Die Polizei hält sie für stark gefährdet; sie wurde aus der Untersuchungshaft entlassen und in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Das Gerichtsgebäude war grossräumigvon schwer bewaffneten Polizisten umstellt; Personen in Rocker-Kluft wurden nicht gesichtet.

Die Verteidiger des Angeklagten M. wiesen auf einige Umstände hin, die der Staatsanwalt «verschwiegen» habe: So habe der Sugar-Daddy die Geldbeträge, die er den Erpressern zahlte, nicht seinem Privatvermögen, sondern dem Betriebsvermögen seines Arbeitgebers entnommen, und erst als gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue und der Unterschlagung ermittelt wurde, habe er Anzeige wegen der angeblichen Erpressung erstattet. Er habe das Lösegeld auch nicht etwa an die angeblichen Entführer, sondern an die angebliche Geisel ausgehändigt, und auch gewusst, dass sein Sugar-Baby danach über teure Luxusartikel verfügte. Ein Urteil wird Mitte Dezember erwartet.

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