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Die Zeichen stehen auf Sturm

Der amerikanische Bundesstaat Louisiana bereitet sich auf eine gefährliche Hurrikan-Saison vor. Die Stürme könnten die Ölpest verschlimmern – oder bei der Bewältigung helfen.

Fünf Jahre nach dem verheerenden Wirbelsturm Katrina erwarten die Meteorologen eine «höchst aktive» Saison. Die National Oceanic and Atmospheric Agency (NOAA) rechnet mit drei bis sieben «bedeutenden» Hurrikanen in diesem Sommer. Nun wird befürchtet, dass ein heftiger Sturm das Öl aus dem Golf von Mexiko in das Mississippi-Delta und hinauf in die sensiblen Feuchtgebiete und Altwasserarme, die sogenannten Bayous, treiben könnte.

Das Marschland des Mississippi-Deltas wurde bereits von dickem, schwarzen Rohöl überschwemmt. Auch rötliche, schwammartige Klumpen treiben im Schilf des ökologisch wertvollen Sumpfgebietes - vermutlich Hinweise auf Dispersionsmittel, die das Öl auflösen sollen. Am Montag wurde Schweröl in Grand Bayou Blue und Little Lake entdeckt, beides begehrte Fischereigründe für Bachsaiblinge. Seit der Explosion der BP-Plattform Deepwater Horizon am 20. April haben sich Schätzungen zufolge bereits mindestens 76'000 Tonnen Öl in den Golf von Mexiko ergossen.

«Das Öl verteilen und verwässsern»

Ab Juni werden jedes Jahr die ersten Hurrikane erwartet. Die US-Regierung und an der Schadensbegrenzung beteiligte Firmen versuchten unterdessen, den bevorstehenden Stürmen eine positive Seite abzugewinnen: «Die starken Winde und hohen Wellen werden das Öl verteilen und verwässern, was dazu beitragen kann, dass es biologisch schneller abgebaut wird», heisst es auf der für die Ölkatastrophe eingerichteten Website www.deepwaterhorizonresponse.com, «starke Winde können das Öl über ein grösseres Gebiet verteilen. Es ist jedoch schwierig, exakt vorherzusagen, wohin das Öl getrieben werden kann. Die Bewegung des Öls würde vom Kurs des Hurrikans abhängen.»

Mike Becnel wohnt auf der winzigen, der Südküste von Louisiana vorgelagerten Insel Grand Isle. Er fürchtet: «Egal aus welcher Richtung der Hurrikan kommt und egal wohin der Wind weht – sicher ist: Wir werden mehr Öl angeschwemmt bekommen.» Neben dem Ölfilm, der an manchen Stellen auf der Wasseroberfläche schimmert, und dem dicken, schwarzen Schleim, der in Teile der Sumpfgebiete gespült wurde, haben Wissenschaftler auch grosse Ölschwaden tiefer im Golf gefunden. Viele fürchten, dass ein heftiger Sturm auch Öl aufwirbeln könnte. Solche Unterwasserschwaden könnten Dutzende Arten von Fischen vernichten, während das Öl an der Oberfläche nach Auskunft der Wissenschaftler Larven abtötet - mit verheerenden Auswirkungen für die Fischerei im nächsten Jahr.

Sandwälle und Verbot von Fischerei

Die Behörden weiteten unterdessen wegen Sicherheitsbedenken das Fischereiverbot im Golf von Mexiko um mehr als 2600 Quadratkilometer aus. Nun darf dort auf 160'200 Quadratkilometern nicht mehr gefischt werden – einer Fläche so gross wie Tunesien.

Am Dienstag wollten die Behörden in der Gemeinde Plaquemines, zu der das verseuchte Marschland gehört, über Massnahmen beraten. In der vergangenen Woche gab die US-Küstenwache den Behörden von Louisiana grünes Licht für den Bau von Sandwällen. Mit solchen künstlichen Inseln soll das Öl vom Marchland abgehalten werden. Dafür müsste Sediment aus dem Delta ausgebaggert werden – ein kostspieliges und langwieriges Vorhaben. Zum Auftakt der Hurrikansaison am Dienstag war noch kein Bagger zu sehen.

AFP/raa

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