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Diese Schweizerin hatte ein Jahr lang dasselbe Kleid an

Die 25-jährige Zippora Marti wollte herausfinden, was sie wirklich braucht. Niemandem fiel auf, dass sie immer dasselbe trug.

Zippora Marti trug 365 Tage lang dasselbe Kleid. Für sie war es ein Projekt: Projekt One. Die Variationen zeigte sie auf Instagram.
Zippora Marti trug 365 Tage lang dasselbe Kleid. Für sie war es ein Projekt: Projekt One. Die Variationen zeigte sie auf Instagram.
Die 25-jährige Bernerin ist gelernte Schneiderin.
Die 25-jährige Bernerin ist gelernte Schneiderin.
Zippora Marti achtete darauf, dass sie das Kleid im Winter und Sommer tragen kann. Die Farbe war schnell gefunden: Mit Schwarz lässt sich fast alles kombinieren.
Zippora Marti achtete darauf, dass sie das Kleid im Winter und Sommer tragen kann. Die Farbe war schnell gefunden: Mit Schwarz lässt sich fast alles kombinieren.
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Was ziehe ich heute an? Von diesem Gedanken war Zippora Marti ein Jahr lang befreit, denn sie trug jeden Tag dasselbe schwarze Kleid. «Ich konnte in Ruhe frühstücken und musste nicht mehr rennen, um den Bus zu erreichen. Mir blieb mehr Zeit für das Wichtige», sagt die 25-Jährige.

In ihrem Projekt One geht es um mehr als Mode: «Ich überlege mir bei jedem Kauf, ob ich das wirklich brauche. Wenn ich etwas kaufe, soll es nachhaltig produziert sein», sagt sie. Und eine der zentralen Fragen ihres Vorhabens ist: Was ist zeitlich und materiell wirklich wichtig?

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Ihr Kleid wurde in Bern produziert, das Material aus Satin-Baumwolle wurde in Zürich gewoben und gefärbt. «In der Schweiz kann man eher sicher sein, dass fair produziert wird. Und das Abwasser des Färbens fliesst durch Kläranlagen», sagt sie.

Beim Design machte Marti einen Spagat, denn sie wollte das Kleid im Sommer und im Winter tragen. Für die Farbe Schwarz hat sie sich schnell entschieden, weil sie diese oft trägt und Schwarz sich gut kombinieren lässt.

Nachhaltige Lingerie

Das Interesse für Kleider kommt nicht von ungefähr: Nach einer Lehre als Schneiderin bildete sich Zippora Marti in Deutschland weiter und arbeitete in der Zentralschweiz bei einem Sportkleiderproduzenten. «Als ich anfing, meinen Lebensstil zu überdenken, passte der Job nicht mehr zu mir.» Derzeit peilt sie mit nachhaltiger Lingerie die Selbstständigkeit an.

Ihre eigenen Kleider kauft die Bernerin in Secondhandshops ein oder in Läden, die ihre Werte vertreten. Lobende Worte findet sie für Stoor in der Rathausgasse und Etris in der Lorraine, wo ihr Kleid designt und genäht wurde. Marti ist nun Vorbild: 20 Stück ihres Kleids wurden bestellt, weil sie andere inspirierte.

Fürs Projekt räumte sie ihren Kleiderschrank aus, stellte eine Kiste mit Kleidern in den Keller, behielt einiges, um ihr Kleid zu ergänzen, und verschenkte vieles. «Weggeben ist eine Erleichterung für mich», sagt sie.

Stil verfeinert

Zippora Marti startete das Projekt nicht nur für sich, sondern entschied sich, auch darüber zu bloggen. Seit einem Jahr schauen ihr über 1100 Follower auf Instagram zu, wie sie täglich sich und ihr Kleid in einem Foto präsentiert.

Die häufigste Frage, die man ihr stellte, war, wann sie denn das Kleid wasche. «Manche unterstellten mir damit, dass ich es gar nie waschen würde», so Marti. Dabei trage sie es ja nicht Tag und Nacht. Alle drei Tage wusch sie es abends von Hand. Interessanter als diese Frage findet sie, dass niemand von sich aus bemerkte, dass sie dasselbe Kleid trug. «Vorher machte ich mir Gedanken, wenn ich drei Tage nacheinander dieselbe Jeans anzog.»

Nach 365 Tagen, vielen Fanposts und wenigen Hasskommentaren beendete sie das Projekt Ende Jahr. Die Resonanz sei viel grösser gewesen, als sie gedacht hatte. «Dadurch, dass ich immer dasselbe trug, hat sich mein Stil verfeinert», zieht sie Bilanz. Ihr Ziel ist es, nur wenige Kleider zu besitzen, dafür solche, die sich kreuz und quer kombinieren lassen. Ihr schwarzes Kleid allerdings wird nun öfter auch mal einen Tag im Schrank bleiben.

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