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Dieses Lied hasst Breivik

Zehntausende Menschen haben sich am Donnerstag in Oslo versammelt und ein dem Attentäter Anders Behring Breivik verhasstes Lied gesungen. Am 9. Tag der Gerichtsverhandlung sagten mehrere Überlebende aus.

Einem Aufruf im Internet gefolgt: Die Menschen in Oslo wollten gemeinsam ein Zeichen setzen. (Video: Reuters)

Rund 40'000 Menschen stimmten nach Schätzung der Polizei das Lied «Kinder des Regenbogens» von Lillebjørn Nilsen an.

Die Menschen versammelten sich heute auf einem Platz nahe des Gerichtsgebäudes, in dem sich Breivik für die Anschläge in Oslo und Utöya vom 22. Juli 2011 verantworten muss. Viele der Menschen, die einem Aufruf im Internet gefolgt waren, trugen bunte Regenschirme und Regenjacken sowie Rosen und norwegische Flaggen.

Das Lied «zurückerobern»

Breivik hatte am Freitag vor Gericht Nilsen als «sehr gutes Beispiel eines Marxisten» bezeichnet, der die Kulturszene infiltriert habe und mit seinen Liedern norwegische Schüler einer «Gehirnwäsche» unterziehe.

Zwei Norweger starteten daraufhin auf Facebook eine Kampagne, um das Lied wieder «zurückzuerobern». «Ich hatte das Gefühl, dass er auf einem Lied herumtrampelte, mit dem ich aufgewachsen war und das ich meinem Kind vorsinge», sagte eine der Initiatoren, Lill Hjønnevåg, dem Fernsehsender NRK.

Das Lied, das eine Adaptation des Lieds «My Rainbow Race» des US-Folksängers Pete Seegers ist, ist sehr beliebt in Norwegen. Der Refrain lautet: «Zusammen werden wir, Brüder und Schwestern, als kleine Kinder des Regenbogens und der grünen Erde leben.» Nilsen, der die Aktion selbst anführte, sagte, das Lied handle nicht in erster Linie von Menschen, sondern vom Schutz der Umwelt.

Rosen vor Amtsgericht niedergelegt

Anschliessend lief die Menge zu dem nahegelegenen Gerichtsgebäude, um vor dem Zaun im Gedenken an die Opfer der Anschläge Rosen niederzulegen. Breivik muss sich in Oslo vor Gericht wegen der Anschläge in Oslo und Utöya mit insgesamt 77 Toten verantworten. Heute sagten bei der Verhandlung mehrere Überlebende der Explosion in Oslo aus.

Die 24-jährige Anne Helene Lund berichtete, wie sie von der Bombenexplosion in Oslo aus dem Regierungsgebäude geschleudert worden war, wo sie den Sommer über als Rezeptionistin arbeitete. Die junge Frau war schwer verletzt worden und verlor teilweise ihr Gedächtnis.

Auch ihr Vater Jan Hendrik Lund, von Beruf her Arzt, sagte als Zeuge aus. Er berichtete unter Tränen wie er am Abend des Anschlags seine Tochter im Koma fand. «Es war fantastisch, sie am Leben wiederzufinden, aber furchtbar, sie derart verletzt zu sehen», sagte Lund.

Breivik bleibt emotionslos

Während die Staatsanwältin Inga Bejer Engh und mehrere Zuschauer mit den Tränen kämpften, verzog Breivik keine Mine und schaute starr vor sich hin.

Harald Føsker, ein Mitarbeiter des Justizministeriums, sagte, als der Sprengsatz explodierte, habe er sofort gewusst, dass es ein terroristischer Anschlag gewesen sei, berichtete er. Er habe in seinem Büro schwer verletzt am Boden gelegen und sich nicht getraut, sich zu bewegen.

Durch die Explosion habe sich sein «Gesicht vom Kopf gelöst», sagte der 67-Jährige. Nach aufwendigen Operationen hat er teilweise seine Arbeit wieder aufgenommen. Er allein entscheide, wann er aufhöre zu arbeiten, betonte er.

SDA/fko

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