Don Pietros Party ist vorbei

Der Vatikan kommt aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus. Das jüngste Beispiel katholischer Völlerei ist ein Prälat, der es sich mit einer halben Million Kirchengeld gut gehen liess.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Völlerei passt so gar nicht zu einem Klosterleben. Möchte man meinen. Und so sorgt nun die Geschichte von Don Pietro Vittorelli, 53 Jahre alt, dem ehemaligen Erzabt und Bischof des bedeutenden und prächtigen Benediktinerklosters von Montecassino im Süden Roms, für Verwunderung und etwelche Empörung – inner- und ausserhalb des Vatikans. Die katholische Kirche hat ja gerade ihre heilige Mühe damit, krämerische Exzesse des höheren Personals aufzuarbeiten und auszuräumen.

Bruder als Geldwäscher

Diese neue Geschichte handelt unter anderem von Gelagen mit Austern und Champagner, von Fünfsternhotels, von Vergnügungsreisen in alle Welt, mit einer besonderen Vorliebe für Rio de Janeiro. Italiens Finanzpolizei wirft dem Prälaten vor, er habe in seiner Zeit als voll befugter Leiter der Abtei, von 2007 bis 2013, mehr als 500'000 Euro aus deren Kassen veruntreut und damit seinen barocken Lebensstil unterhalten. Es soll Geld gewesen sein, das für karitative Zwecke gespendet worden war. Und Geld aus der Kirchensteuer, das dem Bau von Krankenhäusern und Schulen dienen sollte. Aktiv wurde die Guardia di Finanza, nachdem sie Italiens Zentralbank auf fragwürdige Transaktionen hingewiesen hatte.

Offenbar hob Don Pietro jeweils hohe Beträge vom Konto der Abtei ab und übergab das Bargeld dann seinem leiblichen Bruder Massimo, einem Finanzberater, der es für eine Weile in den Safe einer Bank in Rom legte. So jedenfalls schreiben es die italienischen Zeitungen, die Zugang zu den Untersuchungsakten hatten. Mal waren es 141'000 Euro, mal 202'000, mal 164'900. Später soll Massimo Vittorelli das Geld jeweils auf verschiedene Konten verteilt haben, die auf den Namen seines frommen Bruders, auf seinen eigenen oder auf jenen seiner Frau lauteten. Die Justiz verdächtigt ihn der Geldwäsche – als Familiendienst.

Abt auf Ecstasy

Don Pietro belastete seine Kreditkarte einmal in einem einzigen Monat mit 34'000 Euro. Verbucht sind auch ein Dinner mit Freunden in London für 700 Euro, eine Hotelrechnung daselbst für 7000 Euro. In Mailand stieg der Abt wie ein Fürst ab – im Hotel Principe di Savoia, einem der besten Häuser der Stadt. Die Zeitung «Corriere della Sera» schreibt, der Abt habe auch Drogen konsumiert: Ecstasy. Der Präfekt von Rom habe davon gewusst. Don Pietros Hang zu einer gewissen Üppigkeit war vielen bekannt. Doch erst jetzt, da er aus dem Amt geschieden ist, lösen sich die Zungen.

Der Vatikan wäre natürlich froh, wenn diese Geschichten bald aufhörten. Fürs Image sind sie verheerend. Dieser Tage beschloss der Heilige Stuhl nun, die beiden italienischen Enthüllungs­journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi, Autoren zweier neuer und unbequemer Bücher, wegen «Beihilfe zur Verbreitung vertraulicher Informationen und Dokumente» zu belangen. Eine merkwürdige Offensive gegen die Reporter.

Einer der Journalisten lässt denn auch ausrichten, er gehe nur seiner Arbeit nach, wie das in einer Demokratie wie der italienischen üblich sei: Informationen suchen, die Wahrheit erzählen. Manchmal ist sie nicht so schön. Manchmal kündet sie auch von Völlerei im Hochamt der Genügsamkeit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2015, 23:25 Uhr

Die Genügsamkeit war nichts für Vittorelli. Foto: Roberto Mastronardi

Artikel zum Thema

Der Vatikan fürchtet neue Enthüllungen über Finanzgeschäfte

Weil sie Finanzgeheimnisse verraten haben sollen, liess der Vatikan einen Priester und eine Lobbyistin verhaften – nur Tage, bevor zwei Bücher über die Enthüllungen erscheinen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...