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Drei Jahre Jugendarrest für indischen Vergewaltiger

Sie wollten nach dem Kino nach Hause, doch dann gerieten die 23-jährige Inderin und ihr Freund in die Hände einer brutalen Bande, die die Frau misshandelten. Acht Monate später wurde nun der erste Täter verurteilt.

Eine Demonstrantin fordert vor dem Gerichtsgebäude in Delhi die Todesstrafe für die Vergewaltiger. (10. September 2013)
Eine Demonstrantin fordert vor dem Gerichtsgebäude in Delhi die Todesstrafe für die Vergewaltiger. (10. September 2013)
AFP
Wollen das Urteil weiterziehen: Einer der Verteidiger der Vergewaltiger, A. P. Singh, spricht vor dem Gerichtsgebäude in Delhi mit Journalisten. (10. September 2013)
Wollen das Urteil weiterziehen: Einer der Verteidiger der Vergewaltiger, A. P. Singh, spricht vor dem Gerichtsgebäude in Delhi mit Journalisten. (10. September 2013)
AFP
Am 16. Dezember wird in der indischen Hauptstadt Delhi eine 23-jährige Studentin von sechs Männern vergewaltigt und gefoltert. Durch die Penetration mit einer rostigen Eisenstange erleidet die Frau schwerste innere Verletzungen, denen sie am 29. Dezember 2012 im Spital erliegt.
Am 16. Dezember wird in der indischen Hauptstadt Delhi eine 23-jährige Studentin von sechs Männern vergewaltigt und gefoltert. Durch die Penetration mit einer rostigen Eisenstange erleidet die Frau schwerste innere Verletzungen, denen sie am 29. Dezember 2012 im Spital erliegt.
Keystone
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Der Fall erschütterte die Welt, jetzt ist das erste Gerichtsurteil gefallen: Gut acht Monate nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin in einem Bus in Neu Delhi hat ein indisches Jugendgericht den ersten Verdächtigen schuldig gesprochen. Der 18-Jährige bekam wegen Mordes und Vergewaltigung die Höchststrafe nach dem Jugendstrafrecht, nämlich drei Jahre Arrest. Dies teilten sein Verteidiger Rajesh Tewari und die Nebenkläger mit.

Der Angeklagte war zur Tatzeit 17 Jahre alt und wurde deshalb nach Jugendstrafrecht verurteilt. Zusammen mit fünf weiteren Männern hat er nach Auffassung des Gerichts die junge Frau im vergangenen Dezember in dem Bus so brutal vergewaltigt und mit einer Eisenstange misshandelt, dass sie zwei Wochen später in einer Klinik in Singapur an ihren schweren Verletzungen starb.

Ihnen droht die Todesstrafe

Der Prozess gegen vier Mittäter läuft noch vor einem Sondergericht. Ihnen droht die Todesstrafe. Das Urteil wird für September erwartet. Der sechste Angeklagte war im März tot in seiner Zelle aufgefunden worden.

Die Täter hatten die Frau und ihren Freund am 16. Dezember in einen Kleinbus gelockt. Nach der Tat wurden beide nackt und verletzt in einem Strassengraben zurückgelassen. Die beiden waren von einem Kinobesuch, bei dem sie «Life of Pi» gesehen hatten, auf dem Weg nach Hause.

«Er sollte gehängt werden»

Die Eltern der getöteten Studentin reagierten verständnislos auf das aus ihrer Sicht milde Urteil. Die Mutter Asha Devi sagte: «Er sollte gehängt werden – egal ob er jugendlich war oder nicht. Er sollte für das bestraft werden, was er meiner Tochter angetan hat.»

Der Vater, Badrinath Singh, sagte, die Familie sei tief enttäuscht, das Urteil sei vollkommen inakzeptabel. «Der Täter wird quasi freigelassen. Das ist völlig falsch.» Offenbar würden Frauen in Indien solchen grausamen Schicksalen einfach überlassen. «In diesem Land ist es ein Verbrechen, als Mädchen geboren zu werden», sagte er.

Name nicht bekannt

Die Anwälte der Eltern kündigten an, in Berufung zu gehen. Dabei wollen sie unter anderem mit medizinischen Gutachten nachweisen, dass der Verurteilte eigentlich älter ist. In Indien haben viele Menschen gerade aus armen, ländlichen Regionen keine richtigen Ausweisdokumente.

Seit Dezember war der nun Verurteilte, dessen Namensnennung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes gesetzlich verboten ist, in einem Heim untergebracht. Diese acht Monate werden auf die drei Jahre Arrest angerechnet.

Veraltetes Strafgesetze

Der Fall hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. In Indien formierte sich eine starke Protestbewegung, die mehr Rechte und Respekt für Frauen einfordert. Zudem wurden die veralteten Strafgesetze für Vergewaltigung und sexuelle Nötigung verschärft.

Mitte Juli hatte das höchste indische Gericht aber eine Reform als verfassungswidrig abgelehnt, wonach das Alter für volle Strafmündigkeit von 18 auf 16 Jahre gesenkt werden sollte.

Erst in diesem Monat hatte ein weiterer Fall einer Gruppenvergewaltigung in Indien für Aufsehen gesorgt. Fünf Männer hatten in Mumbai in einer verlassenen Textilfabrik eine 22-jährige Fotojournalistin vergewaltigt. Die fünf Verdächtigen wurden mittlerweile gefasst.

AP/bru

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