Zum Hauptinhalt springen

Der berüchtigte Feind von Bushido

Arafat Abou-Chaker soll einen Anschlag auf seinen Ex-Partner geplant haben. Die Polizei fürchtet einen Bandenkrieg.

Ist nicht bekannt für seine blütenreine Weste: Arafat Abou-Chaker. Foto: imago
Ist nicht bekannt für seine blütenreine Weste: Arafat Abou-Chaker. Foto: imago

Noch im Gericht klickten die Handschellen, und Arafat Abou-Chaker wurde abgeführt. Zwar war er am Dienstag nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im Vorjahr hatte er einem Hausmeister mit den Fingern in die Augen gestochen, ihm mit einem Kopfstoss die Nase gebrochen und ihn mit dem Tod bedroht.

Dafür hatte der 42-jährige Clanchef der Abou-Chaker-Familie seine erste Verurteilung überhaupt kassiert – obschon seine Familie tief ins organisierte Verbrechen verstrickt ist. Die Polizei nutzte Abou-Chakers Anwesenheit im Gericht aber, um ihn in Untersuchungshaft zu nehmen: Er soll nämlich geplant haben, die Kinder seines früheren Geschäftspartners und Vertrauten, des Rappers Bushido, zu entführen. Ausserdem soll er eine Säure-Attacke auf dessen Gattin geplant haben.

Dabei ist es nicht lange her, dass sich die beiden als «Brüder» bezeichneten. Abou-Chaker hatte dem Rapper geholfen, sich aus dem Vertrag mit dessen damaligem Label zu befreien. Nachdem er mit einigen seiner gut bemuskelten Cousins in den Büros der Musikfirma aufgetaucht war, entliess sie Bushido aus dem Vertrag.

Bald war der Rapper das Maskottchen des Clans, Bushido und Arafat wurden Freunde, schritten zusammen über rote Teppiche, lebten Tür an Tür und bauten sich unter dem Namen Ersguterjunge (hochdeutsch: Er ist ein guter Junge) ein eigenes Firmenimperium auf: Musik, Filme, Mode-Accessoires, Fanartikel, Immobiliengeschäfte.

Bushido wollte sich 2018 freikaufen, obschon er hätte wissen müssen, dass eine Mitgliedschaft in der Mafia für immer ist.

Die Bindung ging so weit, dass Bushido seinem Kumpel Abou-Chaker eine Generalvollmacht ausstellte, die dem Clanchef erlaubte, frei über Bushidos Vermögen zu verfügen. In der Presse war davon die Rede, das Papier sei Bushidos «Adoptionsurkunde» für den Clan gewesen.

Video: Bushido rechnet musikalisch ab mit Arafat

Die Geschichte des Abu-Chaker-Clans beginnt in den Sechzigerjahren in einem Flüchtlingscamp im Libanon. Dort ehelicht Familienoberhaupt Said Abou-Chaker seine Frau Nazmie. Vier Kinder werden geboren, und die ganze Familie zieht nach Deutschland, wo nochmals vier Kinder hinzukommen. Vier ihrer sechs Söhne werden nach Feinden von Juden benannt: Yassir, Arafat, Nasser, sogar Rommel heisst einer. Laut Schätzungen der Polizei leben heute 200 bis 300 Mitglieder des Clans in Berlin.

Polizei fürchtet Bandenkrieg

Im März 2018 kam die Romanze mit Bushido zu einem Ende. Der Rapper wollte sich freikaufen, obschon er als Fan der TV-Serie «The Sopranos» hätte wissen müssen, dass eine Mitgliedschaft in der Mafia für immer ist. Seither streiten die beiden vor Zivilgericht um die Trennung ihrer gemeinsamen Geschäfte – vor allem aber fürchten Bushido und seine Frau die Rache des Clans. Zum Schutz haben sie sich deshalb einer mit den Abou-Chakers konkurrierenden arabischen Familie angeschlossen. Sie seien die Einzigen, die für seine Sicherheit und die seiner Familie garantieren könnten, sagt Bushido.

Die Polizei fürchtet derweil, die Auseinandersetzungen könnten zu einem Berliner Bandenkrieg führen. So oder so ist damit zu rechnen, dass Abu-Chaker bald wieder freikommt – die besten Anwälte Berlins stehen auf seiner Lohnliste. Dass er dann geläutert sein und Bushido in Ruhe lassen wird, ist kaum anzunehmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch