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Erdogan ruft dreitägige Staatstrauer aus

Nach dem Grubenunglück in der Türkei sind noch etwa 200 Kumpel unter Tage eingeschlossen. Tödliches Kohlenmonoxid behindert die Rettungsarbeiten.

Empört die türkische Öffentlichkeit: Das Bild des Regierungsberaters Yusuf Yerkel, das ihn bei einem Angriff auf einen Demonstranten in Soma zeigt. (Bild: Twitter/Ilhan Tanir)
Empört die türkische Öffentlichkeit: Das Bild des Regierungsberaters Yusuf Yerkel, das ihn bei einem Angriff auf einen Demonstranten in Soma zeigt. (Bild: Twitter/Ilhan Tanir)
Keystone
Die Wut treibt die Menschen auf die Strasse: Demonstranten in Istanbul werden von der Polizei mit Wasserwerfern zurückgedrängt. (14. Mai 2014)
Die Wut treibt die Menschen auf die Strasse: Demonstranten in Istanbul werden von der Polizei mit Wasserwerfern zurückgedrängt. (14. Mai 2014)
Reuters
In zwei Luftblasen überlebten zahlreiche Mineure. (13. Mai 2014)
In zwei Luftblasen überlebten zahlreiche Mineure. (13. Mai 2014)
Keystone
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Die Zahl der Toten bei dem verheerenden Grubenunglück in der Türkei ist auf mindestens 232 angestiegen. Das sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu bei einem Besuch am Ort der Katastrophe. Rund 100 Kumpel werden weiterhin vermisst. Nach der Explosion eines Transformators war in dem Kohlenbergwerk in der Ortschaft Soma ein Feuer ausgebrochen. Hunderte Kumpel wurdne eingeschlossen.

Erdogan sagte wegen des Unglücks eine Auslandsreise ab. Seine Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Es ist das schwerste Grubenunglück in der Türkei seit 1992.

Proteste in Ankara

Bei Protesten nach Unglück setzte die Polizei in Ankara am Mittwoch Tränengas und Wasserwerfer gegen hunderte Demonstranten ein. Etwa 800 Protestierende warfen Steine auf die Beamten und riefen regierungsfeindliche Parolen, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der nationale Fussballverband (TFF) sagte für Mittwoch und Donnerstag alle Spiele ab. Die Begegnungen würden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, teilte der TFF mit.

Zahl der Eingeschlossenen unklar

Wie viele Kumpel noch unter Tage eingeschlossen sind, ist unklar. Er hatte zuvor gesagt, insgesamt seien zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstagnachmittag 787 Arbeiter in der Zeche gewesen.

Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie sich Überlebende aus dem Kohlebergwerk retten:

(Video: En Son Haber/Youtube)

Weitere Videoaufnahmen zeigen, wie Verletzte ins Spital transportiert werden:

(Video: Euronews Türkçe/Youtube)

Verbleib von 363 Arbeitern geklärt

Am Morgen hatte Energieminister Taner Yildiz gesagt, der Verbleib von 363 Arbeitern sei geklärt. Darunter seien auch die Toten sowie 80 Verletzte. Die meisten Opfer seien an Kohlenmonoxidvergiftungen gestorben. Am Vormittag war der Brand in der Zeche laut Yildiz immer noch nicht unter Kontrolle.

Medienberichten zufolge hatte ein Defekt an einem Transformator zunächst die Explosion und dann den Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Metern Tiefe ausbrach.

Wegen des Unglücks rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland würden die Flaggen auf halbmast gesetzt, teilte das Büro von Premierminister Recep Tayyip Erdogan mit.

Der Bergmann Sami Kilic, der neun Jahre in der Zeche arbeitete und bei den Rettungsarbeiten hilft, sagte dem Sender CNN-Türk, bei einer Explosion unter Tage funktioniere die Stromversorgung nicht mehr. Ventilatoren könnten nicht mehr arbeiten, der Luftstrom werde unterbrochen.

Mit mehr Toten wird gerechnet

Auch wenn die Männer Masken haben sollten, wird eine Rettung schwierig. Die Masken, die wir erhalten haben, reichten für 45 Minuten Frischluft. Aber innerhalb von 45 Minuten kann man nicht die eineinhalb Kilometer nach oben kommen.» Er rechne mit bis zu 400 Toten.

Ministerpräsident Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül sagten wegen des Unglücks Auslandsreisen ab. Erdogan wollte den Unglücksort am Mittwoch besuchen.

Türkische Medien berichteten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition im Parlament in Ankara zurückgewiesen, die Sicherheitsvorkehrungen an der Zeche Soma zu überprüfen. Die Bergwerksgesellschaft teilte mit, die letzten Sicherheitsüberprüfungen habe es vor zwei Monaten gegeben.

Immer wieder Probleme

In der Türkei kommt es immer wieder zu tödlichen Grubenunfällen. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Verstösse gegen Sicherheitsbestimmungen oder es wurden veraltete Arbeitsgeräte eingesetzt. Das folgenschwerste Unglück der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich 1992 in einem Bergwerk in der Provinz Zonguldak. Dort starben bei einer Gasexplosion 263 Menschen.

(Karte: Google-Maps)

AFP/sda/AP/mw

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