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Erste Geliebte von Kachelmann sagte aus

Im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann wurden die ersten Zeugen befragt. Mit einem dramatischen Notruf, welcher vom Gericht vorgespielt wurde, hat die Beweisaufnahme begonnen.

Johann Schwenn erhebt nach dem Urteil schwere Vorwürfe gegen das Mannheimer Gericht. (31. Mai 2011)
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Keystone
Kolumnistin Alice Schwarzer prangert das «frauenfeindliche Justizsystem» an.
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Reuters
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Sabine W. – hier mit einer Buchbotschaft zu Kachelmann – hat im Oktober an vier Tagen vor dem Mannheimer Landgericht ausgesagt. Sie wurde mehr als 20 Stunden befragt.
Keystone
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Im Prozess gegen den TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist heute Nachmittag die erste Zeugin aufgetreten. Dabei handelt es sich um eine 24-jährige Studentin aus Konstanz. Die junge Frau hatte Kachelmann am Tag seiner Festnahme am 24. März 2010 auf dem Flughafen Frankfurt abgeholt. Auf Antrag des Rechtsanwalts der Zeugin beschloss das Gericht, die Öffentlichkeit auszuschliessen. Damit mussten die Zuschauer und die Journalisten den Gerichtssaal verlassen. Der Antrag wurde mit dem Argument begründet, dass die Privat- und Intimsphäre der Kachelmann-Freundin geschützt werden müsse. Bei der Befragung durch das Landgericht Mannheim ging es offensichtlich ausschliesslich um das Liebesleben der jungen Frau.

Nach Angaben von «Bild Online» hat die erste Zeugin im Kachelmann-Prozess langes dunkelbraunes lockiges Haar, braune Augen, und sie ist sehr zierlich. Sie trug ein eng anliegendes rot-weiss gestreiftes Hemd, schwarze Jeans und Jacke. «Als sie den Gerichtssaal betrat, ging Kachelmann das Gesicht auf - ein grosses Lächeln.» Die 24-Jährige ist eine von insgesamt zehn Frauen, die als Zeuginnen aufgeboten wurden, weil sie eine Affäre oder ein Verhältnis mit Kachelmann gehabt haben sollen.

Der 52-jährige Kachelmann, der mit ernster Mine auf der Anklagebank sass, trug einen dunkelgrauen Anzug, ein weisses Hemd und eine gestreifte Krawatte.

«Bin vergewaltigt worden...von meinem Freund»

An der heutigen Verhandlung hatte das Landgericht Mannheim zunächst drei Polizisten befragt. Die Beamten schilderten die Umstände der Anzeige, die das mutmassliche Opfer Sabine W. erstattete. In der Verhandlung liess das Gericht den Telefonanruf der 37-jährigen Frau abspielen. Bei der Notrufzentrale in Heidelberg war in der Nacht auf den 9. Februar 2010 folgender Anruf eingegangen: «Mein Name ist Sabine W., ich bin heute Nacht vergewaltigt worden. Ich weiss nicht, was ich jetzt machen soll.» Der Beamte fragte nach: «Von wem?» Und Sabine W. antwortete: «Von meinem Freund.» Der Vater der Ex-Geliebten von Kachelmann hatte ihr geraten, sich bei der Polizei zu melden.

In Heidelberg folgten dann medizinische Untersuchungen und danach weitere Vernehmungen der Frau. Auch ihr Handy und der Computer wurden später sichergestellt und durchsucht. Dabei kam heraus, dass das mutmassliche Vergewaltigungsopfer Kachelmann noch zweimal im März anrief, wie die Nachrichtenagentur dapd berichtet. Die Ex-Geliebte Kachelmanns erklärte das der Polizei damit, dass sie sicher sein wollte, dass er noch im Ausland ist.

Festnahme im Parkdeck des Flughafens Frankfurt

Im Weiteren erzählten die Polizisten, wie die Festnahme des 52-jährigen Kachelmanns am 20. März 2010 auf dem Flughafen Frankfurt erfolgte. Kachelmann, der aus Kanada gekommen war und von einer jungen Frau abgeholt wurde, sei von acht Polizisten beschattet worden. Diese hätten ihn bei der Gepäckausgabe und der herzlichen Begrüssung der 24-jährigen Frau beobachtet. «Es wurden Zärtlichkeiten ausgeteilt, rumgeknutscht», sagte ein Polizist bei der Befragung durch das Landgericht Mannheim. Kachelmann lachte im Gerichtssaal, als der Beamte dies erklärte.

Im Parkdeck des Flughafens nahmen die Polizisten den TV-Wettermoderator schliesslich fest. «Etwa 50 Meter vor seinem Auto sprach ich ihn an, übergab ihm den Haftbefehl und belehrte ihn», sagte der Polizist. «Bei der Festnahme zeigte er keine Reaktion.» Angeblich wehrte sich Kachelmann weder verbal noch sonstwie. Dagegen habe sich die junge Begleiterin des Meteorologen sichtlich entsetzt gezeigt, als Kachelmann von der Polizei abgeführt wurde. Auf dem Polizeirevier rief Kachelmann dann seinen Anwalt an und sagte, er sei festgenommen worden. Es gehe um den Vorwurf der Vergewaltigung, berichtete der befragte Polizeibeamte weiter.

Die Staatsanwaltschaft wirft Kachelmann vor, Sabine W. vergewaltigt und mit einem Messer gefährlich verletzt zu haben. Gemäss Angaben der Kriminalpolizei lag ein blutverschmiertes Messer auf dem Läufer neben dem Bett. Die Wohnung des mutmasslichen Opfers erschien ordentlich, und die Laken waren glatt gestrichen. In der Küche habe man im Mülleimer einen benutzten Tampon gefunden, sagte ein Polizist. Auf einem Handtuch im Bad seien ebenso Blutspuren festgestellt worden.

Wieder ein Unterbruch der Verhandlung

Die Verhandlung, die um 9 Uhr begann, musste bereits nach wenigen Minuten unterbrochen werden - wegen eines Befangenheitsantrags gegen zwei Sachverständige der Verteidigung. Einer der beiden Gutachter ist der renommierte Rechtsmediziner Bernd Brinkmann. Den Befangenheitsantrag hatte die Staatsanwaltschaft gestellt.

Kachelmanns Verteidiger hatten zu Beginn der heutigen Verhandlung beantragt, dass von ihnen benannte Sachverständige Gutachten über die Glaubwürdigkeit und die Verletzungen des mutmasslichen Opfers erstellen sollten. Dies liess das Gericht aus Gründen der Verfahrensfairness aber nicht zu. Über den Befangenheitsantrag wird das Gericht am nächsten Mittwoch entscheiden. Dann findet der vierte Prozesstag statt.

Weniger Rummel als an ersten zwei Tagen

Im Vergleich zu den zwei ersten Verhandlungstagen waren der Medienrummel vor dem Landgericht Mannheim und das Zuschauerinteresse kleiner. Knapp 50 Zuschauer und etwa 25 Journalisten verfolgen den Kachelmann-Prozess. Am letzten Montag waren 86 Zuschauer und knapp 50 Journalisten im Gerichtssaal anwesend gewesen.

Der Kachelmann-Prozess in Mannheim dreht sich um eine zentrale Frage: Was geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 in der Wohnung von Sabine W.? Der TV-Wettermoderator beteuert seine Unschuld. Im Fall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung droht Kachelmann eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren.

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