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«Es sieht aus wie nach einem Bombardement»

Ein schweres Erdbeben hat die chinesische Provinz Yunnan erschüttert. Mindestens 398 Menschen kamen ums Leben. Peking schickt Tausende Helfer in die Unglücksregion.

Seit 14 Jahren hat es kein Beben mehr in dieser Intensität in der Provinz Yunnan gegeben: Chinesische Sicherheitskräfte im Einsatz. (3. August 2014)
Seit 14 Jahren hat es kein Beben mehr in dieser Intensität in der Provinz Yunnan gegeben: Chinesische Sicherheitskräfte im Einsatz. (3. August 2014)
Reuters
Anwohner suchen im Bezirk Ludian nahe der Stadt Zhaotong nach Überlebenden.
Anwohner suchen im Bezirk Ludian nahe der Stadt Zhaotong nach Überlebenden.
AFP
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Schwere Unwetter haben die Rettungsarbeiten nach dem Erbeben im Süden Chinas mit fast 400 Toten erschwert. Dennoch konnten Helfer einen Tag nach den heftigen Erdstössen in der Provinz Yunnan mit blossen Händen einen Fünfjährigen aus den Trümmern befreien, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Eine Gruppe Feuerwehrleute rettete den Angaben zufolge zudem 32 Menschen, die eingeschlossen waren.

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang traf am Nachmittag in der Region ein, um sich einen Überblick über den Stand der Rettungsarbeiten zu verschaffen. Die Zentralregierung stellte nach Angaben des Finanzministeriums 600 Millionen Yuan (umgerechnet rund 72,5 Millionen Euro) für Rettungs- und Hilfsmassnahmen bereit. Rund 2500 Soldaten wurden in die Provinz entsandt, um in dem Katastrophengebiet zu helfen.

Der Zivilschutz von Yunnan meldete 398 Tote und 1801 Verletzte. Drei Menschen galten noch als vermisst. Rund 30'000 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden, hiess es.

Das Beben hatte sich am Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr (Ortszeit) rund 370 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Kunming ereignet. Die US-Erdbebenwarte mass eine Stärke von 6,1, das chinesische Erdbebenzentrum 6,5. Rund 12'000 Häuser stürzten in dem Bezirk Ludian ein. Am schlimmsten getroffen wurde die Gegend um den Ort Longtou.

«Ich sah, wie Leichen in Decken gehüllt und weggetragen wurden»

Schwere Regenfälle und Gewitter weichten die Strassen auf, so dass die Helfer mit Wasser, Nahrung und Zelten nur schwer in die zerstörten Ortschaften vordringen konnten. Nachbeben sorgten für zusätzliche Gefahr. Durchnässte Überlebende warteten an schlammüberfluteten Strassen auf Nahrung und Medikamente, meldete Xinhua.

Ärzte sagten, sie hätten kaum noch Medikamente und seien nicht mehr in der Lage, die Schwerverletzten zu operieren. Hilfskräfte berichteten, ihre Arbeiten würden durch strömenden Regen und Erdrutsche behindert. Der gerettete Fünfjährige sei an den Beinen verletzt gewesen, meldete Xinhua.

Auf der Strasse von der Stadt Zhaotong nach Longtou seien mehr als die Hälfte aller Häuser eingestürzt, der Rest sei beschädigt, sagte die freiwillige Helferin Ma Yaoqi der Nachrichtenagentur AP am Telefon. «Ich sah, wie Leichen in Decken gehüllt und weggetragen wurden», fügte sie hinzu.

Kondolenzbekundungen des Weissen Hauses

Zahlreiche Lastwagen mit paramilitärischen Einheiten eilten am Abend auf einer vierspurigen Strasse von der Provinzhauptstadt Kunming nach Zhaotong. In den aufgeweichten Strassen des Katastrophengebiets gruben sich die Reifen der Fahrzeuge allerdings oft so tief ein, dass die Retter zu Fuss weiter gehen mussten.

Luftaufnahmen des Staatssenders CCTV zeigten, dass ältere Häuser in sich zusammengestürzt waren, während neuere mehrgeschossige Gebäude noch standen. Telefon- und Stromleitungen brachen zusammen.

UN-Generalsekretär Ban ki-Moon sprach den Opfern in einer Erklärung seines Büros sein Beileid aus. Auch das Weisse Haus kondolierte.

Die Region ist anfällig für Erdbeben. Bei einer Serie von Erdstössen im September 2012 kamen 81 Menschen ums Leben, 821 wurden verletzt. 1970 starben bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 mindestens 15'000 Menschen, 1974 bei einem Beben der Stärke 7,1 mehr als 1400. Im Mai 2008 wurden bei einem heftigen Erdbeben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan fast 90'000 Menschen getötet oder wurden danach vermisst.

AP/chk

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