Buschfeuer wurden absichtlich gelegt

Viele der Feuer an der Ostküste Australiens deuten auf Brandstiftung hin. Zwei Verdächtige wurden verhaftet. Vier Personen sterben in den Flammen.

«Die Feuerwehrleute werden bald nicht mehr in der Lage sein, das Vorrücken des Feuers zu verhindern», sagt der Queensland Fire and Emergency Service (QFES) in der Notfallwarnung. Video: Tamedia

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In Australien sind inzwischen mehr als 350 Häuser durch die gewaltigen Buschbrände beschädigt oder völlig zerstört worden. Im Bundesstaat Queensland an der Ostküste wurden Bewohner am Freitag aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Auf Schildern war die Warnung «Leave now» («Gehen Sie jetzt») zu lesen. Nach Angaben der Behörden wüten in dem Bundesstaat mehr als 60 Brände. Die Bekämpfung wird durch hohe Temperaturen und heftigen Wind erschwert. Mehr als 1000 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Im Nachbarstaat New South Wales entspannte sich die Lage am Freitag etwas. Allerdings kämpft die Feuerwehr auch dort mit Hunderten Rettern gegen mehr als 60 Brände. Durch die Flammen sind an Australiens Ostküste in den vergangenen Tagen mehr als 12'000 Quadratkilometer Buschland abgebrannt. Vier Menschen kamen infolge der Feuer ums Leben. Beide Regionen haben den Notstand ausgerufen.

Die Buschbrände bedrohen auch die 5-Millionen-Einwohner-Stadt Sydney. Dort fressen sich die Flammen durch einen Eukalyptuswald, etwa 15 Kilometer vom Zentrum entfernt. Auf Bildern sieht man Häuser, Bäume und Autos, die mit pinkfarbener Masse überzogen sind. Eine Chemikalie, die die Feuerwehr versprüht hat, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Zu den gefährdeten Gebieten zählt auch Noosa, ein beliebtes Urlaubsziel am Strand rund 150 Kilometer nördlich von Brisbane, der Hauptstadt von Queensland. «Die Bedingungen sind jetzt sehr gefährlich. Die Feuerwehrleute werden bald nicht mehr in der Lage sein, das Vorrücken des Feuers zu verhindern», sagte der Queensland Fire and Emergency Service (QFES) in der Notfallwarnung. «Das Feuer kann eine Bedrohung für alle Menschenleben darstellen, die direkt in seinem Weg sind.»

Ebenfalls in Queensland verunglückte ein Löschhelikopter beim Einsatz gegen Buschbrände in Pechey, wie der australische Sender ABC berichtete. Den Angaben nach überlebte der Pilot den Absturz mit leichten Verletzungen. Auch in Pechey galt der Aufruf zur sofortigen Räumung. In ganz Queensland brannten am Mittwoch vier Buschfeuer als Notfall auf höchster Gefahrenstufe, darunter jenes in Noosa.

Buschbrände halten Australiens Bundesstaaten New South Wales und Queensland seit Oktober in Atem, beide Regionen haben den Notstand ausgerufen. Seit vergangener Woche wurden den Behörden zufolge bereits 300 Häuser von Feuern beschädigt oder zerstört. Bis zu 300 Brandherde haben die Behörden gezählt. Am Donnerstag breiteten sich die Feuer zumindest nicht mehr in grösserem Umfang aus.

Buschbrände sind in Australien ein häufiges Phänomen, doch diesmal ist es so ernst, dass der konservative Premier Scott Morrison unter Druck gerät (lesen Sie hier). Das Land leidet unter einer beispiellosen Dürre; es gibt Orte, an denen es seit beinahe drei Jahren nicht geregnet hat. Kaum irgendwo sind die Folgen der Klimakrise so deutlich zu spüren.

Diskussionen darüber, inwieweit eine «grünere» Politik den Feuern Einhalt bieten könnte, hatte Morrison am Dienstag als «nicht hilfreich» bezeichnet. Das letzte, was die Bevölkerung in der Krise brauche, sei das Geschrei von Politikern gegeneinander.

Zudem sollen Mitarbeiter des Planungs- und Umweltministeriums von New South Wales von der Regierungspressestelle per Mail den Rat erhalten haben, auf einer Konferenz keinen Zusammenhang zwischen Buschfeuern und Klimawandel zu diskutieren, wie die Zeitung «Guardian» am Mittwoch berichtete. (red/sda)

Erstellt: 13.11.2019, 08:14 Uhr

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