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Finanzjongleur legt Niki Lauda rein

Das Liechtensteiner Landgericht hat einen Millionenbetrüger zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen den 41-jährigen Deutschen läuft auch in der Schweiz ein Verfahren.

Michael Seidl, der seit Juli 2011 in St. Gallen in Untersuchungshaft sitzt, soll über 40 Anleger, darunter auch Schweizer, um rund 30 Millionen Euro geprellt haben. Der Gründer der gescheiterten Liechtensteiner Money Service Group (MSG) ist nun wegen schweren gewerbsmässigen Betrugs verurteilt worden. Das Landgericht in Vaduz brummte dem Finanzjongleur diese Woche neun Jahre Freiheitsentzug auf. Das Geld soll der 41-jährige Deutsche in den Aufbau der Marke MSG gesteckt und zur Finanzierung seines luxuriösen Lebensstils verwendet haben.

Niki Lauda ist das prominenteste Opfer von Seidl. Der ehemalige österreichische Formel-1-Weltmeister erschien als Zeuge vor dem Gericht in Vaduz. «Ich bin aus Prinzip gekommen», sagte Lauda gemäss einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung». «Ich bin noch nie von einem Menschen so getäuscht worden.» 1,2 Millionen Euro sollte der MSG-Chef dem Ex-Rennfahrer für das Tragen einer Baseballkappe mit dem MSG-Logo zahlen. Seidl überwies jedoch nur eine einzige Rate von 400'000 Euro und überredete Lauda, 500'000 Euro in einen Fonds zu investieren. Dabei, sagte Lauda, sei er «eigentlich ein sehr misstrauischer Mensch». Heute attestiert er seinem früheren Geschäftspartner aussergewöhnliche Dreistigkeit. «Er ist ein Vollbetrüger», erklärte der frühere Rennfahrer. «Am liebsten hätte ich ihm eine drüber ghaut.»

Harti Weirather verliert über vier Millionen Euro

Eine grosse finanzielle Bruchlandung machte der frühere österreichische Skifahrer Harti Weirather. Er soll bei Geschäften mit dem MSG-Gründer über vier Millionen Euro verloren haben. Zudem entging mehreren Sportlern viel versprochenes Geld im Gegenzug für Werbeleistungen. Seidls MSG wollte sich in der Öffentlichkeit als Sportsponsor profilieren – zum Beispiel der Schweizer Fussball Super League oder des Formel-1-Rennstalls Sauber. Alle Verträge sind inzwischen aufgelöst worden.

Die Money Service Group hatte ihren Kunden versprochen, ihr Geld in Fonds und Anlagen mit fester Laufzeit sowie in Wind- und Solarparks zu investieren. Insgesamt überwiesen 44 Anleger 29,5 Millionen Euro und 1,2 Millionen Franken. Am Schluss war praktisch nichts mehr da: 160'000 Euro wurden sichergestellt sowie Schmuck, Zigarren und Wein im Wert von 200'000 Franken. Seidl hatte mit seiner Familie in Saus und Braus gelebt. Allein das zeitweilige Wohnhaus in Liechtenstein kostete gemäss der Anklageschrift 20'000 Franken Miete im Monat. Vor der Tür standen Luxusautos, auch von teuren Jachten ist die Rede und von kostspieligen Luxusreisen.

Weitere 2000 Anleger um 60 Millionen Euro geprellt

«Seidl hatte die Absicht, die Leute gewerbsmässig zu betrügen und mit dem Geld vor allem seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren», stellte das Gericht fest. Mit seinem Urteil ging es nahe an das Höchststrafmass von zehn Jahren heran und über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug gefordert hatte. Der Anwalt des Angeklagten hatte einen Freispruch verlangt.

Das Urteil des Liechtensteiner Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig, denn Seidl will in die Berufung gehen. Der MSG-Gründer wird in nächster Zeit ohnehin mit der Justiz zu tun haben. Gegen ihn läuft noch ein Verfahren in der Schweiz wegen vermuteten Anlagebetrugs. Über seine in Herisau angesiedelte Vermögensberatung Samiv soll Seidl 2000 Kleinanleger um 60 Millionen gebracht haben, die meisten davon Deutsche. Ins Rollen kamen diese Ermittlungen durch eine Strafanzeige eines Ex-Mitarbeiters. Auch in Deutschland laufen Erhebungen gegen den ehemaligen Vermögensberater.

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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