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Finanz-Knatsch verzögert das Abschleppen

Keine Toiletten und Duschen: Die Passagiere der Costa Allegra müssen nach dem Stromausfall auf vieles verzichten. Mit Verzögerung soll das Schiff heute auf der Insel Mahé ankommen.

Zuhause angekommen: Zwei Passagiere der Costa Allegra am Flughafen in Rom. (2. März 2012)
Zuhause angekommen: Zwei Passagiere der Costa Allegra am Flughafen in Rom. (2. März 2012)
Reuters
Die Passagiere werden von den Medien erwartet: Ein Italiener am Flughafen in Rom. (2. März 2012)
Die Passagiere werden von den Medien erwartet: Ein Italiener am Flughafen in Rom. (2. März 2012)
AFP
Bild aus besseren Zeiten: Passagiere checken in Hongkong auf der Costa Allegra ein. (29. Mai 2006)
Bild aus besseren Zeiten: Passagiere checken in Hongkong auf der Costa Allegra ein. (29. Mai 2006)
AFP
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Ein Streit um die Bezahlung für das Abschleppen der Costa Allegra im Indischen Ozean hat gestern offenbar eine Verzögerung von bis zu zwölf Stunden verursacht. Das manövrierunfähige Kreuzfahrtschiff werde die Seychellen nun erst im Laufe des Donnerstags erreichen, sagte der Verkehrsminister Joel Morgan. Ein französisches Fischereischiff, das das Passagierschiff nach einem Feuer an Bord als erstes erreicht hatte, wollte zwei von den Seychellen geschickte Schlepper demnach aus finanziellen Gründen nicht an der Operation beteiligen.

Die Seychellen seien nicht glücklich, dass die finanziellen Motive des französischen Schiffes vor dem Wohlbefinden und der Sicherheit der Passagiere gestellt worden seien, sagte Morgan. Hätten die Schlepper übernehmen dürfen, wäre eine Ankunft der Costa Allegra auf der Hauptinsel Mahé bereits in der Nacht möglich gewesen.

Viele wollen in den Ferien bleiben

Mehr als die Hälfte der Passagiere des im Indischen Ozean havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Allegra will ihren Urlaub auf den Seychellen fortsetzen. Die Reederei Costa Crociere teilte am Mittwoch mit, dass von den 627 Passagieren 376 das Angebot annahmen, ihren Urlaub auf Kosten der Reederei auf der Inselgruppe fortzusetzen. Sie sollen demnach in guten Hotels auf verschiedenen Inseln untergebracht werden. Costa Crociere zahlt ihnen auch den Rückflug. Die restlichen 251 Passagiere entschlossen sich demnach, am Donnerstagabend von der Hauptinsel Mahé zurück nach Hause zu fliegen.

Die Passagiere des manövrierunfähigen Kreuzfahrtschiffs Costa Allegra sollen wenige Stunden nach ihrer Ankunft auf einer Seychellen-Insel nach Rom ausgeflogen werden. Zurzeit zieht ein von zwei Schleppern eskortiertes französisches Fischereischiff den Luxusliner in Richtung der Hauptinsel der Seychellen, Mahé. Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden per Helikopter notversorgt.

Langsames Abschleppen

Die Costa Allegra dürfte heute Morgen im Hafen von Victoria eintreffen, etwas später als zuvor erwartet. Die Bergung des Kreuzfahrtschiffes komme derweil im wörtlichen und übertragenen Sinn nur «schleppend» voran, so ein Sprecher der Reederei. Wegen der stärker gewordenen Strömung kommt die Allegra jedoch langsamer voran als erwartet. «Wir hatten vorher eine Geschwindigkeit von sechs Knoten, jetzt haben wir knapp fünf», sagte der Sprecher von Costa Kreuzfahrten in Deutschland, Werner Claasen.

Von dort aus sollten die Passagiere zügig zurück nach Rom geflogen werden. Der Vorsitzende der seychellischen Luftverkehrsbehörde, Gilbert Faure, erklärte am Mittwoch, drei Flugzeuge mit einer Sitzkapazität von mindestens 580 Passagieren warteten bereits. Der Abflug des ersten Flugzeugs sei vorläufig auf den Nachmittag angesetzt worden.

Faure gab allerdings zu Bedenken, dass die Passagiere nach drei Tagen ohne Strom und heisses Wasser auf See vielleicht zunächst eine Dusche nehmen wollten. «Ich kann versichern, dass wir unser Bestes tun, damit sie (die Passagiere) einige nette Stunden auf den Seychellen verbringen», fügte er hinzu.

Erfrischende Brise an Deck

Bis dahin stand den über 1000 Passagieren und Crewmitgliedern - darunter 90 Schweizern - bei schwüler Hitze eine dritte Nacht auf Deck unter freiem Himmel bevor. An eine Übernachtung in den Kabinen ist nicht zu denken: Die Temperaturen dort sind unerträglich, da der Stromausfall durch den Brand die Klimaanlage ausser Betrieb setzte.

Der leichte Fahrtwind verschaffe den Menschen an Bord in der tropischen Hitze trotz des Ausfalls aller Kühlungssysteme eine angenehme Brise, hiess es in einer Mitteilung von Costa Crociere.

Kalte Mahlzeiten

Die Reederei brachte per Helikopter diverses Versorgungsmaterial auf das Schiff - «darunter einen elektrischen Generator, einfach um Strom herstellen zu können», sagte Claasen. Aber auch Lebensmittel wie frisches Brot, Batterien für Handys, rund 400 Taschenlampen, Plastikgeschirr und Medikamente wurden auf das Schiff gebracht.

Essen kochen konnte die Crew laut Reederei nicht, aber es gebe keinen Mangel an Nahrung. An Bord stünden ausreichend Getränke und «frische Produkte wie Obst, Brot, Aufschnitt und Käse» zur Verfügung.

Von Notfällen war Costa-Sprecher Claasen nichts bekannt: «Wir wissen nur, dass es allen gut geht und es keinerlei Verletzte oder andere Vorfälle an Bord gibt.»

sda/dapd/AFP/kpn/mrs

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