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Flugzeugabstürze: Haben Kinder einen Schutzengel?

Beim Absturz eines A330 in Tripolis sind über 100 Menschen ums Leben gekommen. Ein Junge hat das Unglück überlebt. Wie kann ein Kind eine solche Katastrophe überleben?

«Papa, wir sind ins Wasser gefallen»: Bahia Bakari überlebte letztes Jahr als Einzige den Absturz des Airbus A310 im Indischen Ozean.
«Papa, wir sind ins Wasser gefallen»: Bahia Bakari überlebte letztes Jahr als Einzige den Absturz des Airbus A310 im Indischen Ozean.
Keystone

Ein Airbus A330 ist heute bei der Landung in Tripolis explodiert und wurde völlig zerstört. Es handelt sich um ein Flugzeug der libyschen Fluglinie Al Afriqiyah, das aus Johannesburg in Südafrika kam. Über 100 Menschen sind tot, darunter 61 Niederländer. Wie durch ein Wunder hat ein achtjähriger Junge aus den Niederlanden das Unglück überlebt. Zurzeit befindet er sich in einem Spital. Einzelheiten übe den Zustand des Kindes sind bisher nicht bekannt.

Man hört sie oft, die Meldungen von Kindern, die Flugunfälle überleben. «Ein Wunder», nannte es der komorische Regierungssprecher Abdourahim Said Bacar, als am 30. Juni 2009 nur die 14-jährige Bahia Bakari aus Marseille den Absturz eines Airbus A310 im Indischen Ozean überlebte. Bahia erzählte ihrem Vater nach dem Unglück am Telefon: «Papa, wir sind ins Wasser gefallen. Ich habe Leute sprechen gehört. Doch ich habe niemanden gesehen. Um mich herum war alles schwarz.»

Das Mädchen berichtete, sie sei aus dem Flugzeug geschleudert worden und mitten in der Nacht hilflos im Ozean getrieben, sie klammerte sich an ein Wrackteil. Das «Wunder» des überlebenden Mädchens wurde weltweit gefeiert.

Haben Kinder einen Schutzengel?

Es kommt immer wieder vor, dass Kinder und Babys den Aufprall einer Maschine überleben.

  • 2003 stürzte eine Boeing 737 der Fluggesellschaft Sudan Airways kurz nach dem Start von Port Sudan am Roten Meer ab und ging in Flammen auf. Neben 105 Passagieren kamen alle elf Besatzungsmitglieder ums Leben. Als Einziger überlebte der dreijährige Mohammed el Fateh Osman.
  • 1997 überstanden ein einjähriger Junge aus Thailand und ein vierjähriger Vietnamese als Einzige den Absturz einer Vietnam-Airlines-Maschine bei Phnom Penh (Kambodscha).
  • 1987 überlebte ein vierjähriges Mädchen den Crash einer MD-80 der Northwest Airlines bei Detroit - als Einzige von 157 Passagieren.
  • Im Rückblick fällt ein Fall besonders auf: Der Absturz einer Boeing 707 am 25. Januar 1990 über New York. Die Maschine der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca war zum John-F.-Kennedy-Flughafen unterwegs. Wegen schlechten Wetters hatte der Tower die Maschine dort aber nicht landen lassen. Ein erster Landeversuch wurde abgebrochen, nach zweieinhalbstündiger Wartezeit ging der Boeing 707 der Treibstoff aus. Sie stürzte ab. Von den 158 Passagieren starben 73. Das besondere an der Geschichte: 10 von 11 Babys an Bord überlebten den Absturz.

Schadet der Gurt mehr als er nützt?

Haben Kinder bessere Chancen bei solchen Katastrophen? Ed Galea, Experte für Flugsicherheit an der Universität Greenwich, kann diese These nicht belegen. Er vermutet zwar, dass es eine Rolle spielen könnte, wenn Eltern ihre Kinder auf dem Schoss sitzen lassen. «Es gibt Gründe zu der Annahme, dass der Beckengurt in Flugzeugen mehr Verletzungen verursacht, als er zu verhindern vermag», sagte Galea der britischen Zeitung «Independent».

Statistische Beweise für eine höhere Überlebenschance von Kindern bei Flugzeugabstürzen gibt es bislang nicht. Galea vermutet, dass Fälle, bei denen Kinder Flugzeugabstürze überleben, vermutlich mehr beachtet werden.

So überlebt man einen Absturz

Es bleibt zu beachten: Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, eine Bruchlandung oder eine Notwasserung zu überleben, unabhängig vom Alter der Betroffenen erstaunlich hoch.

Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA hat herausgefunden, dass bei 568 untersuchten Flugunfällen von 53’457 Passagieren 51'207 Menschen überlebt haben. Zehn Prozent der Passagiere kamen ums Leben. Die Chancen sind aber nicht überall gleich gut, es kommt auf den richtigen Sitzplatz an.

Wissenschaftler der Universität Greenwich haben festgestellt, dass Passagiere, die am Notausgang sitzen oder in der Reihe davor oder dahinter, die besten Chancen haben. Gefährlich ist es auf Plätzen, die mehr als sechs Reihen vom nächsten Notausstieg entfernt sind.

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