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Flut in Russland: Beamte entlassen

Die Überschwemmungen in Russland mit über 170 Toten werfen politische Fragen auf. Bereits sind zwei hohe Beamte von ihren Posten entlassen worden – es laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

Das Aufräumen beginnt: Ein Mann begutachtet ein Auto, welches in der Innenstadt von Krimsk von den Wassermassen gedreht wurde. (9. Juli 2012)
Das Aufräumen beginnt: Ein Mann begutachtet ein Auto, welches in der Innenstadt von Krimsk von den Wassermassen gedreht wurde. (9. Juli 2012)
Keystone
«Es ging so schnell»: Eine Anwohnerin läuft mit ihrem Kind durch die überfluteten Strasen von Krymsk. (7. Juli 2012)
«Es ging so schnell»: Eine Anwohnerin läuft mit ihrem Kind durch die überfluteten Strasen von Krymsk. (7. Juli 2012)
Reuters
Wasser auf beiden Seiten des Strandes: Die Promenade von Gelendzhik steht unter Wasser. (6. Juli 2012)
Wasser auf beiden Seiten des Strandes: Die Promenade von Gelendzhik steht unter Wasser. (6. Juli 2012)
AFP
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Nach den Überschwemmungen im Süden Russlands hat das Land heute Montag mit einem Trauertag der mehr als 170 Toten gedacht. Der Druck auf die Behörden, die Ursache der Katastrophe zu klären, wächst. Bereits mussten zwei hohe Beamte ihre Sitze räumen.

Der Gouverneur der Region Krasnodar, Alexander Tkaschew, enthob den Bürgermeister der Stadt Krimsk und den Chef des gleichnamigen Bezirks, Wassili Krutko, ihrer Ämter. Beide hätten schon mindestens drei Stunden vor der Katastrophe die Flutwarnungen erhalten, erklärte der Gouverneur. Die Bevölkerung sei dennoch nicht rechtzeitig gewarnt worden.

Suche nach Verantwortlichen

Doch auch auf nationaler Ebene sind die verantwortlichen Politiker in Erklärungsnot. «Seitens der Leiter vor Ort sowie verschiedener Ämter sind Fehler gemacht worden», sagte Zivilschutzminister Wladimir Putschkow. Viele Menschen seien vor der nahenden Gefahr nicht in vollem Umfang und wie vorgeschrieben von den lokalen Behörden gewarnt worden.

Sein Ministerium habe jedoch per SMS auf die bedrohliche Lage hingewiesen, sagte Putschkow. Viele Anwohner widersprachen dem jedoch und sagten, die Nachricht nicht bekommen zu haben.

Folge der Regenfälle

Der Minister betonte, aus Stauseen sei kein Wasser abgelassen worden. Er habe sich an den Anlagen selbst davon überzeugt. Das Hochwasser sei ausschliesslich Folge extremer Regenfälle gewesen. Die Wassermassen hätten die Flüsse zu reissenden Strömen verwandelt und alles vernichtet.

Aufgrund der vielen Fragezeichen zu den Geschehnissen in der Nacht auf vergangenen Samstag verlangte der russische Präsident Wladimir Putin erneut eine lückenlose Aufklärung. Es müsse alles objektiv aufgearbeitet werden, damit sich ein solches Unglück nicht wiederhole. Die Staatsanwaltschaft ermittelt angesichts der vielen Opfer wegen fahrlässiger Tötung.

Flaggen auf halbmast

Mit einem Tag der Staatstrauer gedachte Russland heute der zahlreichen Toten. Am Kreml und an weiteren Regierungs- und Behördengebäuden hingen die Flaggen auf halbmast, im Fernsehen wurden Unterhaltungsprogramme und Werbung ausgesetzt.

Teile der besonders stark betroffenen 60'000-Einwohner-Stadt Krimsk lagen weiter unter Wasser. Erste Opfer der Überschwemmungskatastrophe wurden beigesetzt. Einige Leichen waren in Kühlwagen aufgebahrt, damit sie von Angehörigen identifiziert werden konnten.

Augenzeugen berichteten in russischen Medien, dass die Zahl der Toten möglicherweise deutlich höher liege als bisher kommuniziert. Die Lage war unübersichtlich, weil viele Menschen in der Region Feriengäste bei sich aufnahmen, ohne diese zu melden. In Internetblogs beschwerten sich Bürger, dass die Behörden das Ausmass der Katastrophe verheimlichten.

Warten auf Hilfe

In dem Hochwassergebiet warteten Tausende Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, weiter auf Hilfe. Vielen fehlte es am Nötigsten wie Nahrungsmitteln und Kleidung. Die Flut hatte in der Region 1200 Kilometer südlich von Moskau mehr als 5000 Häuser überschwemmt.

Fast 3000 Rettungskräfte sind laut Behördenangaben in der Region im Einsatz. Die Behörden warnten vor möglichen neuen starken Regenfällen. Zudem waren Brücken, Strassen und Gebäude einsturzgefährdet. Mehrere Länder boten Russland Hilfe an. Die russischen Behörden teilten jedoch mit, dass die Lage unter Kontrolle und Hilfe nicht nötig sei.

(SDA)

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