Sechs gekippte Fahrzeuge – Tempo 60 auf der A1

Wegen des Föhnsturms ist es im Kanton St. Gallen zu mehreren Unfällen gekommen. Und am Zugersee hatten zwei Taucher grosses Glück.

Umgekippter Anhänger auf der A3 bei Flums. Bild: Kantonspolizei St. Gallen

Umgekippter Anhänger auf der A3 bei Flums. Bild: Kantonspolizei St. Gallen

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In der Ostschweiz tobt schon den ganzen Freitag ein heftiger Föhnsturm. Am Morgen kippten auf der Autobahn drei Anhänger. Ein Vierter wurde auf einer weiteren Strasse umgeblasen.

Fünf der sechs Unfälle ereigneten sich in Thal, ein weiterer passierte auf der A3 bei Flums, wie die Kantonspolizei St. Gallen schreibt. Es entstand lediglich Sachschaden.

Die Polizei signalisierte zwischen Rastplatz Lincolnsberg und Anschlusswerk Rheineck wegen der Sturmböen vorübergehend ein Tempolimit von 60 km/h. Dieses sollte erst zwischen 17 und 18 Uhr wieder aufgehoben werden.

Ein Föhnsturm hat auf der A1 mehrere Anhänger umgeblasen. Bild: Leser-Reporter 20 Minuten

Der Anhänger, der in Flums kippte, war mit landwirtschaftlichem Gerät beladen. Weil Diesel auslief, musste die Feuerwehr aufgeboten werden. Für die Bergung der Anhänger mussten die Strassen teilweise gesperrt werden.

Grund seien drei umgeblasene Anhänger, gab die Polizei zunächst über Facebook bekannt. Ein weiterer wurde auf einer anderen Strasse umgeblasen. Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigte auf Anfrage, dass es zu weiteren Unfällen kommen könnte: «Vor allem leere Anhänger können umgeblasen werden.» Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass dies auch bei Lieferwagen passiere.

In der Tat traf es auch einen Lieferwagen: Unfall an der Burietstrasse in Thal. Bild: Kantonspolizei St. Gallen

Daher riet Schneider: «Fahren Sie im Moment nicht über die Autobahn.» Und wenn doch, sei es wichtig, sich an das vorgegebene Tempolimit zu halten oder das Fahrzeug auf einem Rastplatz abzustellen, bis der Wind nachlässt. «Sobald keine Gefahr mehr besteht, wird das Tempolimit auf der A1 wieder angepasst», so der Kantonspolizei-Sprecher.

Mit grossem Glück unverletzt geblieben

Grosses Glück hatten am Freitagmorgen zwei Taucher in Immensee SZ: Die beiden waren kurz nach 11 Uhr dabei, auf einem Parkplatz ihre Ausrüstungen im Auto zu verstauen, als ein Baum umstürzte und auf das Heck des Autos fiel. Die beiden Taucher konnten sich gerade noch mit einem Sprung zur Seite vor dem Baum retten, wie die Kantonspolizei Schwyz schreibt. Verletzt wurde niemand.

Dieser Baum traf in Immensee das Auto zweier Taucher. Bild: 20 Minuten

Orkanböen erwartet

Der Föhn hebt zurzeit die Temperaturen schweizweit auf ein extrem mildes Niveau. In der Nacht auf Freitag hat der Föhn an Stärke zugelegt und in den Schweizer Bergen für erste Orkanböen gesorgt. Auch im Flachland blies es in den frühen Morgenstunden kräftig. Seinen Höhepunkt erreicht der Föhnsturm laut Meteorologen zum Mittag.

Die stärkste Windböe wurde bisher auf dem Gütsch oberhalb von Andermatt UR mit 175 Kilometern pro Stunde gemessen, wie der Wetterdienst MeteoNews mitteilt. Die Winde beeinträchtigen auch den Verkehr. Mehrere Bahnen stellten aus Sicherheitsgründen vorsorglich ihren Betrieb ein. In der Westschweiz etwa verkehrten zwischen Aigle VD und Monthey VS keine Züge.

Video: Sturm über Vierwaldstättersee

Bereits in den frühen Morgenstunden war es stürmisch über dem Vierwaldstättersee. Video: Tamedia

Bis am frühen Nachmittag erwarten die Meteorologen Windspitzen von bis zu 130 km/h, auf den Alpengipfeln gar bis zu über 170 km/h. Die Wetterexperten empfehlen lose Gegenstände wie insbesondere Weihnachtsdekoration im Freien gut zu befestigen oder zu entfernen. Zudem seien Spaziergänge im Wald aufgrund der Gefahr von herunterfallenden Ästen gefährlich.

Für die Südschweiz sind neben dem starken Wind auch ergiebige Niederschläge vorhergesagt. In den Regionen Simplon, Tessin, Misox und Bergell könnten von Freitag bis Samstag 60 bis 120 Millimeter Regen fallen, so viel Wasser wie normalerweise im ganzen Monat Dezember fällt.

Nach dem Föhnsturm folgt eine Kaltfront

Nach dem Föhnsturm soll es bis auf 1000 Meter hinunter schneien: Am Freitagabend soll eine stürmische Kaltfront für eine deutliche Abkühlung sorgen.

Der Föhn sorgt seit bald zwei Monaten immer wieder für Aufsehen. So viele Föhnphasen wie im November und Dezember habe es bisher eher selten gegeben, schreibt SRF Meteo. Grund seien die zahlreichen kräftigen Tiefdruckgebiete über dem nahen Atlantik.

Warme Nächte

In Altdorf wurden um Mitternacht genau 17 Grad Celsius gemessen. Auch anderswo zeigte das Thermometer für eine Dezembernacht sehr hohe Temperaturen an.

So wurde etwa in Sevelen im St. Galler Rheintal 16,1 und in St. Gallen Notkersegg 14,3 Grad Celsius gemessen, wie SRF Meteo am Donnerstagmorgen mitteilte. In Elm im Kanton Glarus und in Engelberg im Kanton Obwalden lagen die Höchstwerte bei 12,9 Grad Celsius.

Der Föhn erreichte in abgeschwächter Form auch die Höhenzüge des Mittellandes. So wurden auf dem Zürcher Uetliberg 12,8 Grad Celsius gemessen. Im Flachland war es allerdings frisch: Am Flughafen Zürich, der in rund zehn Kilometer Luftlinie Entfernung zum Uetliberg liegt, sanken die Temperaturen auf minus 1,6 Grad.

(red/sda)

Erstellt: 19.12.2019, 20:39 Uhr

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