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Führte minderwertiger Treibstoff zum Absturz?

Die Rettungskräfte konnten alle 43 Leichen des Flugzeugabsturzes bei Jaroslawl bergen. Bereits gibt es erste Vermutungen zur Unfallursache. Der russische Präsident übt scharfe Kritik an der Luftfahrtsicherheit.

«Die Lage bleibt schlecht»: Russlands Präsident Dmitry Medwedew an der Unfallstelle in Jaroslawl. Er übt heftige Kritik an der russischen Luftfahrtindustrie.
«Die Lage bleibt schlecht»: Russlands Präsident Dmitry Medwedew an der Unfallstelle in Jaroslawl. Er übt heftige Kritik an der russischen Luftfahrtindustrie.
Keystone
Trauer in Russland: Die Eishockey-Fans gedenken den verstorbenen Spielern vor dem Stadion von Lokomotive Jaroslawl. (8. September 2011)
Trauer in Russland: Die Eishockey-Fans gedenken den verstorbenen Spielern vor dem Stadion von Lokomotive Jaroslawl. (8. September 2011)
Keystone
Die Unglücksmaschine: Flugzeug des Typs Yak-42. (Archivbild)
Die Unglücksmaschine: Flugzeug des Typs Yak-42. (Archivbild)
AFP
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Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs haben die Ermittler heute nach den Flugdatenschreibern der Maschine gesucht. Die Luftverkehrsbehörde erklärte, die Geräte befänden sich wohl im Heck des Flugzeugs vom Typ Jak-42, das teilweise in einem Fluss versank. Bei dem Unglück waren 43 Menschen getötet worden.

Die wahrscheinlichste Unglücksursache sei, dass eines der Triebwerke ausgefallen sei, sagte ein Flughafenmitarbeiter zu Interfax. Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti zitierte einen Mitarbeiter der Luftfahrtindustrie, nach dessen Ansicht das Flugzeug mit minderwertigem Treibstoff betankt worden sei. Angeblich gewann die Maschine nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl zu langsam an Höhe, streifte eine Antenne und zerschellte dann am Boden.

Medwedew rechnet mit der Luftfahrtindustrie ab

Russlands Staatschef Dmitri Medwedew hat eine genaue Untersuchung des Unglücks angekündigt und schwerwiegende Probleme bei der russischen Luftfahrt eingeräumt. «Ich habe das Untersuchungskomitee und die Regierung angewiesen, eine gründliche Untersuchung vorzunehmen», sagte Medwedew bei einem Besuch am Unglücksort im Dorf Tunoschna in unmittelbarer Nähe der Stadt Jaroslawl.

Probleme bei der Luftfahrtsicherheit seien in der Vergangenheit schon ausführlich diskutiert worden. «Finanzielle Mittel wurden freigegeben, aber die Lage bleibt schlecht, wie die Serie der Luftfahrtkatastrophen dieses Sommers zeigt», fügte der Präsident hinzu. Es sei «nicht möglich, so weiter zu machen», machte Medwedew während eines Treffens mit Verkehrsminister Igor Lewitin und Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu deutlich. Um sichere Flugzeuge zu bauen, müssten in Russland «moderne Unternehmen» entstehen. Anderenfalls müsse das Land Flugzeuge im Ausland kaufen.

Alle Toten geborgen

Taucher sind inzwischen insgesamt 30-mal in die Wolga gestiegen, in die Teile der Maschine gestürzt waren, teilte das Zivilschutzministerium mit. Alle 43 Toten konnten geborgen werden. Zwei Insassen überlebten den Absturz gestern. Sie waren nach Spitalangaben in einem kritischen Zustand, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Insgesamt waren 45 Menschen an Bord der Maschine vom Typ Jak-42, darunter die Spieler des russischen Erstliga-Hockeyclubs Lokomotive Jaroslawl.

Unter den Toten waren auch ausländische Spieler, darunter der schwedische Torhüter und Olympiasieger Stefan Liv und der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich. Das Team war unterwegs zu einem Auswärtsspiel in der weissrussischen Hauptstadt Minsk.

Lokomotive soll weitermachen

Nur einen Tag nach dem tödlichen Flugzeugabsturz hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL), Wjatscheslaw Fetisow, zur Zukunft von Lokomotive Jaroslawl geäussert. «Viele Jungs haben in den ersten Stunden nach der Tragödie ihren Wunsch erklärt, für Lokomotive zu spielen», sagte Fetisow. Bereits in zwei bis drei Tagen könne eine neue Mannschaft aufgestellt werden, die sofort in der KHL mitspielt.

«Dies sagt eine Menge über die Verbundenheit der Spieler und die Tradition unseres Eishockeys», sagte Fetisow weiter. Auch Fans anderer Vereine unterstützen die Idee. Anhänger von Spartak Moskau schlugen vor, dass vor allem ehemalige Nachwuchsakteure von Lokomotive zu ihrem Ausbildungsverein zurückkehren sollten. Cheftrainer der neuen Mannschaft soll nach Angaben von Fetisow der Coach der Lokomotie-Nachwuchsequipe, Pjotr Worobjow, werden.

Bereits einmal geschehen

Es wäre nicht das erste Mal, dass nach einem Unglück eine Sportmannschaft mit Akteuren anderer Vereine weiterspielt. Nachdem 1979 die Fussballer des damaligen sowjetischen Spitzenteams Pachtakor Taschkent bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, gaben die übrigen Vereine Akteure ab. Zudem war beschlossen worden, dass Taschkent drei Jahre lang nicht absteigen konnte.

SDA/ AFP/jak

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