Geben wir uns beim Kleiderkauf einen Ruck

Ökomode ist hässlich und zu teuer? Nein. Es ist die Macht der Gewohnheit, die uns davon abhält, nachhaltige Kleidung zu kaufen.

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Viele glauben heute immer noch, nachhaltige Mode sei orange, tannengrün, juttesackähnlich, kratzig – und viel zu teuer. Nix für Junge, die gern chic aussehen wollen. Dabei zeigt ein bisschen Recherche: Diese Ansichten sind falsch. Es gibt soziale, faire und umweltschonende Mode zu normalen Preisen in und auch aus der Schweiz. Man muss nur wissen wo.

Der Haken liegt vielleicht hier: Die Verantwortung liegt, wie beim Einkauf von Essen oder anderen Produkten, beim Konsumenten selber. Aber zum Glück gibt es heute das Internet und die sozialen Medien. Und dort findet man sowohl Schweizer Geschäfte, die nachhaltige Mode verkaufen, als auch Schweizer (und ausländische) Marken.

Nachhaltigkeit ist auch bezahlbar

Man findet sie auf Google so, wie wenn man andere Produkte recherchiert. «T-Shirt, schwarz, nachhaltig UND Schweiz» reicht. In den Medien findet man Listicles nachhaltiger Schweizer Marken. Die Geschäfte, in denen man ihre Produkte findet, sind mitten in den Städten zu finden. Oft ist man in den Läden auch bereit, fehlende Grössen oder andere Modelle beim Hersteller anzufragen. Der Kontakt zu Kundinnen und Kunden hat einen hohen Stellenwert. Man ist gefasst auf Fragen nach verwendeten Materialien und Lieferketten.

Mode wandelt sich, nicht nur im Stil, sondern auch in ihrer sozialen und ökologischen Beschaffenheit.

Zu den Preisen: Ja, es gibt Marken, die teuer sind, teurer als H&M, aber eben doch günstiger als Adidas, Nike, United Colors of Benetton oder Tommy Hilfiger, bei denen viele gerne eine Menge Geld liegen lassen für eine Qualität, die dem Preis oft nicht gerecht wird. Ein ökologisch hergestelltes T-Shirt in feinster Baumwollqualität mit völlig normalem, modernem Schnitt kriegt man für ungefähr 30 Franken.

Ebenfalls günstiger als bei vermeint­lich besseren oder vermeintlich luxuriösen Marken kriegt man Schuhe, Kosmetikprodukte, Sommerkleider, edle Blazer, Rucksäcke, Ohrringe, Strickpullover. Alles. Kompetente Beratung gratis dazu. Und weil bei vielen nachhaltigen Marken durchaus auch junge Leute am Werk sind, sieht die Mode auch so aus, dass sie Junge und Junggebliebene tragen können.

Die Macht der Gewohnheit durchbrechen

Für mich als Kundin gibt es wenig Gründe, nicht etwas mehr Zeit in die Recherche bestimmter Produkte oder Marken zu investieren, um danach etwas zu kaufen, was jenen, die es herstellen, möglichst wenig bis gar nicht schadet, ebenso wenig mir, weil ich keine giftigen Materialien auf der Haut trage oder sie mir ins Gesicht oder die Haare reibe.

«Aber ich habe keine Zeit, das alles zu recherchieren, wo ich das kaufe, was ich da kaufe», hört man als Argument. Das ist sicher ein schwieriger Punkt. Doch befasst man sich mit der Herkunft und Herstellungsbedingungen der Waren, die man sich kaufen möchte, lernt man auch dazu, schärft sein Bewusstsein für Arbeitsbedingungen und Umweltschutz. Also lohnt es sich gleich doppelt.

Das grösste Hindernis ist wohl, wenn wir ehrlich sind, die Macht der ­Gewohnheit. Die Gewohnheit sagt uns: Bei H&M findest du alles, was du brauchst; Nivea kenne ich seit meiner Kindheit. Aber, wie in anderen Lebenssituationen auch, ist die Gewohnheit auch in der Mode selten der beste Ratgeber. Mode wandelt sich, nicht nur im Stil, sondern auch in ihrer sozialen und ökologischen Beschaffenheit. Es liegt an den Kundinnen und Kunden, dass nachhaltige Mode aus der Schweiz aus ihrer Nische entkommt und Mainstream wird.

Erstellt: 22.09.2019, 20:51 Uhr

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